19:40 19 April 2018
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    Die Wohnungstür von Mireille Knoll in Paris

    Holocaust-Überlebende in Paris ermordet: Islamistischer Judenhass als Tatmotiv?

    © REUTERS/ Clotaire Achi
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    Eine 85-Jährige ist in Paris niedergestochen und verbrannt worden. Im Zusammenhang mit dem Mord an Mireille Knoll werden zwei Männer wegen eines antisemitischen Tötungsdeliktes angeklagt. Beide Verdächtige wurden nach übereinstimmenden Medienberichten am Montag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, um Verfahren gegen sie einzuleiten.

    Dem österreichischen „Kurier“ zufolge soll einer der Tatverdächtigen, ein 35-jähriger Franko-Maghrebiner, Islamist sein. Er sei bereits mehrmals straffällig geworden und habe als verhaltensauffällig gegolten.

    Mireille Knoll war laut einer Mitteilung des jüdischen Dachverbands Crif am vergangenen Freitag tot in ihrer ausgebrannten Wohnung aufgefunden worden. Wie „Le Parisien“ dazu schreibt, waren an der Leiche Spuren von Messerstichen zu sehen.

    Die Pariser Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Rentnerin wegen ihres jüdischen Glaubens Opfer eines Verbrechens wurde. Die Aussagen eines der Verdächtigen sowie die Tatsache, dass beide Männer über die Religion der Dame Bescheid wussten, hätten zu dieser Annahme geführt, hieß es.

    Die umstrittene Politikerin des „Front National“ Marine Le Pen behauptet, dass die Seniorin angeblich aus Judenhass ermordet worden sei.

    Knolls Sohn sagte gegenüber AFP, seine Mutter sei 1942 nur knapp vor der „Razzia vom Vélodrome d'Hiver“ entkommen, als französische Polizisten auf Veranlassung der deutschen Besatzer 13.000 Juden festgenommen hatten. Die meisten von ihnen wurden später im KZ Auschwitz ermordet.

    Die Rentnerin kannte laut dem „Kurier“ ihren Mörder, der ihr Nachbar war, seit Kindheitstagen. Zuletzt soll die Frau jedoch mehrfach bei der Polizei erschienen sein, um sich über Morddrohungen des Mannes zu beschweren.

    Malek Boutih, der frühere Präsident der französischen Organisation „SOS Racisme“, antwortete bejahend auf die Frage des Senders „France Inter“, ob es gefährlich sei, als Jude in Frankreich zu leben.

    „Die Juden leben in Frankreich nicht in Sicherheit. Das ist eine Tatsache. Wenn Sie Jude sind, müssen Sie das verstecken. Sie können in manchen Vierteln keine Mesusa an Ihrem Türpfosten anbringen – dann werden Sie nämlich bei sich zuhause angegriffen. Ihre Kinder können, wenn sie die Kippa tragen, nicht einfach spielen gehen. Es ist schon grundsätzlich ein Problem von großer Tragweite, das sich aktuell auch noch mit dem des Dschihadismus verbindet. Der Antisemitismus ist ein Mittel auch der Dschihadisten geworden, sich in der Gesellschaft auszudrücken. Es gibt keine Dschihadisten, die nicht auch Antisemiten wären!“, zitiert der „Deutschlandfunk“ Malek Boutih.

    Vor knapp einem Jahr hatte schon der Mord an der 66-jährigen Pariser Ärztin Sarah Halimi die jüdische Gemeinschaft in Paris erschüttert. Sie wurde von einem aus Mali stammenden Nachbarn ermordet. Er drang in Halimis Wohnung ein, misshandelte sie und warf sie aus dem dritten Stock.

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    Tags:
    Mord, Antisemitismus, France Inter, Kurier, Front National, Frankreich
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