13:04 15 August 2018
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    Treibhausgase in der Gastronomie senken

    Treibhausgase in der Gastronomie senken – Schweizer Firma bietet Software an

    © Foto : Eaternity
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    Valentin Raskatov
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    Die Treibhausgasemissionen durch eine bewusstere Gastronomie senken – das ist das Ziel des Schweizer Unternehmens Eaternity. Eine Software rechnet hier für jedes Gericht die entsprechende Treibhausgas-Bilanz aus und öffnet so den Blick für Zutaten, die mit hohen Klimakosten verbunden sind. Eaternity soll bald auch nach Deutschland kommen.

    Der Gastronomie-Alltag ist stressig: Alles muss schnell gehen. Und vom Acht-Stunden-Arbeitstag können die meisten Köche nur träumen. Da ist keine Zeit und Muße, sich damit zu beschäftigen, woher ein Produkt kommt, wie es gefertigt wird und wie viel es zum Klimawandel beiträgt. Doch genau das will das Schweizer Unternehmen Eaternity erreichen: das Bewusstsein für den Klimawandel in die Gastronomie zu tragen.

    Wie viel CO2 steuert meine Nahrung bei?

    Das Ziel sei es, „eine klimafreundliche Ernährung in der Gesellschaft zu etablieren“, erklärt der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Eaternity, Manuel Klarmann, gegenüber Sputnik.  Denn durch Nahrungsmittel entstünde etwa ein Drittel aller Treibhausgase. Mit der speziellen Software von Eaternity wollen die Entwickler für Gastronomen transparent machen, „wo welche Treibhausgase entstehen, und bei welchen Zutaten“. Am Ende sollen klimafreundlichere Menüs stehen.

    Treibhausgas-Bilanz
    © Foto : Eaternity
    Treibhausgas-Bilanz

    Das Angebot des Unternehmens besteht aus zwei Teilen:

    1. Eine Echtzeit-Berechnung des CO2-Werts des Menüs: Auf Basis von Lebenszyklus-Analysen wird der gesamte Produktionsweg jeder Zutat berechnet und am Ende ein Gesamtwert für das Menü herausgegeben. Der Wert hängt davon ab, welche Wetterverhältnisse im Herkunftsland herrschen, wie viel Energie durch ein Gewächshaus zugeführt werden muss, ob das Produkt „bio“ ist, ob es getrocknet, filetiert, verpackt oder anders weiterverarbeitet wurde und welchen Transportweg es hinter sich hat. Da die Herkunft der Länder in der Gastronomie oft nicht bekannt ist, legt Eaternity Importstatistiken von den jeweiligen Ländern zugrunde, führt eine Mischrechnung durch und ermittelt so einen annähernden Wert. Die Ungenauigkeit in dem Punkt sei aber „nicht so schlimm, weil Transporte nur drei bis vier Prozent der gesamten CO2-Bilanz ausmachen“, bemerkt Klarmann.
    2. Monatlicher Report: Das teilnehmende Restaurant erhält monatlich einen Überblick über die Gesamtemissionen an Treibhausgasen, die bei der Produktion der verwendeten Lebensmittel angefallen sind. Außerdem kann es sich dort mit allen anderen teilnehmenden Restaurants vergleichen.

    Auf Grundlage der angegebenen Werte kann dann der Koch bestimmte Zutaten austauschen oder die Rezepte anpassen und so die Mahlzeiten klimafreundlicher gestalten. Auf einem eigens ausgestellten Zertifikat kann der Gast auch einsehen, wie sich das Restaurant auf dem Klimapfad schlägt.

    Drei Tage Rindfleisch entsprechen einem Jahr Gemüse

    Die Werte, die der Nutzer verdauen muss, sind aber vor allem für Fleischkonsumenten nicht angenehm: „Ich kann drei Tage im Jahr Rindfleisch essen und das ganze Jahr über Gemüse und Früchte, und ich hab die gleiche CO2-Bilanz“, merkt Klarmann an. Das liege an der Futtermittelproduktion sowie an der Methanproduktion, vor allem bei Wiederkäuern. „Der größte Teil der Emissionen ist durch die Tierprodukte zu verzeichnen“, so der Gründer von Eaternity.

    150 Restaurants nehmen derzeit an Eaternity teil, um sich messen zu lassen. Etwa 40 bis 45 Restaurants kommunizieren dabei sogar schon die Ergebnisse an ihre Gäste. Die Lokale befinden sich vorwiegend in der Schweiz. Aber auch in Deutschland gebe es „erste Kundengespräche“. Im Ort Ottobrunn südöstlich von München habe das erste Restaurant in Deutschland eröffnet, das Eaternity nutzt.

    Und wie viel hat Eaternity bislang zur Reduktion beigetragen? „Wir haben schon mehrere Hunderttausend Menüs berechnet. In der Regel ist es so, dass ungefähr 20 bis 23 Prozent davon klimafreundliche Menüs sind“, sagt Klarmann. Das entspreche einer Einsparung von 30.000 bis 40.000 Kilogramm Treibhausgasen. Hinzu komme noch ein allerdings schwer zu beziffernder Effekt: Es gebe nämlich durchaus auch Menschen, die nach einem solchen Restaurantbesuch ihr Kochverhalten ändern.

    Interviewpartner und Gründer von Eaternity Manuel Klarmann
    © Foto : Eaternity
    Interviewpartner und Gründer von Eaternity Manuel Klarmann

    Interviewpartner und Gründer von Eaternity Manuel Klarmann

    Das komplette Interview mit Manuel Klarmann in voller Länge:

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    Tags:
    Treibhauseffekt, Klimawandel, App, Nahrungsmittel, CO2, Essen, Schweiz
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