08:44 14 November 2018
SNA Radio
    Tragödie in Münster – Wie es dazu kam und was daraus folgt

    Tragödie in Münster – Wie es dazu kam und was daraus folgt

    © REUTERS / HANDOUT
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Andreas Peter
    13450

    In der Innenstadt von Münster hat es eine Amokfahrt mit einem Campingbus gegeben. Die Polizei bestätigte Sputnik, dass ein wegen psychischer Auffälligkeiten und Kleindelikten polizeibekannter 48-jähriger Deutscher zwei Menschen tötete und 20 weitere verletzte. Danach beging er Selbstmord. Die Motive sind noch unklar.

    Am Samstagnachmittag fuhr der 48-jährige Jens R. mit einem Campingbus in eine Menschenmenge vor dem Restaurant „Kiepenkerl“ in der Innenstadt von Münster. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) tötete der Mann dabei zwei Menschen und verletzte mindestens 20 weitere, zum Teil lebensgefährlich. Kurzzeitig war das Innenministerium noch von drei getöteten Menschen ausgegangen. Der Amokfahrer habe sich nach der Tat in seinem Fahrzeug erschossen.

    Einzeltäter ohne Terrorhintergrund

    Augenzeugen hatten berichtet, zwei Personen seien nach der Tat geflohen. Das konnte die Polizei inzwischen ausschließen und spricht von einem Einzeltäter. Jens R. sei demnach ein polizeibekannter Kleinkrimineller mit psychologischen Auffälligkeiten gewesen. Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens schloss damit definitiv einen islamistisch motivierten terroristischen Hintergrund für die Amokfahrt von Münster aus.

    Was die Motive der Tat angeht, würden die Ermittlungen aber nach wie vor in alle Richtungen laufen, teilte die Polizei in Münster mit.

    Noch am Abend wurde die Wohnung des Täters durchsucht, die sich ungefähr drei Kilometer vom Tatort befindet. Dabei kamen Spezialkräfte zum Einsatz, da Sprengfallen in der Wohnung vermutet wurden. Die Eingangstür wurde gesprengt und in der Wohnung ein funktionsunfähiges Maschinengewehr vom Typ AK-47 sowie so genannte Polenböller sichergestellt. Auch im Tatfahrzeug war Sprengstoff vermutet worden, was aber nach einer eingehenden Durchsuchung ausgeschlossen werden konnte.

    Günstige Umstände unterstützten rasche und professionelle Arbeit der Polizei

    Das Gebiet um den Tatort war weiträumig abgesperrt. Polizei und Stadtverwaltung forderten dazu auf, die Innenstadt zu meiden, um die Rettungs- und Ermittlungsarbeiten nicht zu stören. Die Universitätsklinik von Münster hatte zwischenzeitlich zu Blutspenden aufgerufen, konnte diesen Aufruf aber dank großer Spendenbereitschaft der Bevölkerung rasch wieder aufheben.

    Die Rettungs- und Ermittlungsarbeiten wurden durch zwei glückliche Zufälle erheblich beschleunigt und professionalisiert.

    Da in Münster am Samstag eine Demonstration kurdischer Organisationen angemeldet worden war, befanden sich deutlich mehr Einsatzkräfte in der Innenstadt als sonst üblich. Überdies war eine Gruppe von Polizeipsychologen touristisch in der Münsteraner Innenstadt unterwegs und konnte unmittelbar die Rettungsmaßnahmen unterstützen und Opfer der Amokfahrt und deren Angehörige seelsorgerisch betreuen.

    Anteilnahme für Opfer und Kritik an öffentlicher Debatte

    Bundespräsident und Bundeskanzlerin haben sich bestürzt über die Ereignisse von Münster gezeigt und allen Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl übermittelt.

    Der Bundesinnenminister war, genauso wie die zuständigen Regierungsmitglieder Nordrhein-Westfalens, am Tatort, um sich informieren zu lassen. In den sozialen Netzwerken fanden zum Teil heftige Diskussionen statt, mit vielen Mutmaßungen. Polizei und Stadtverwaltung hatten dazu aufgerufen, genau das zu unterlassen, bis klare Ermittlungsergebnisse insbesondere zu den Motiven vorliegen.

    Das Zentrum von Münster und insbesondere das so genannte Kiepenkerlviertel, das sich in der Nähe des Domes befindet, ist ein beliebter Treffpunkt der Universitätsstadt. Dort befinden sich auch die beiden Restaurants „Großer Kiepenkerl“ und „Kleiner Kiepenkerl“. Der Name Kiepenkerl bezieht sich auf fahrende Händler früherer Zeiten, die mit so genannten Kiepen voller Waren auf dem Rücken von Ort zu Ort zogen. Der Kiepenkerl ist in Münster vor allem wegen eines Denkmals populär, das im Zweiten Weltkrieg lange unzerstört blieb, was die Nazis für Durchhaltepropaganda nutzten. Das Denkmal wurde erst durch Alliierte bei der Einnahme der Stadt zerstört und 1953 durch eine originalgetreue Kopie ersetzt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Amokfahrt von Münster: Keine Hinweise auf Mittäter
    Münster nach Amokfahrt: Die Lage am Tatort – VIDEO
    Kalaschnikow in Wohnung des Täters von Münster gefunden
    Nach Münster-Anschlag: Kontrollen an deutsch-niederländischer Grenze verschärft
    Auto fährt in Menschenmenge in Münster – Das ist bislang bekannt
    Nach dem Anschlag von Münster: die Situation am Ort des Geschehens - VIDEO
    Tags:
    psychische Störung, Tote und Verletzte, Amoklauf, Lkw, Anschlag, Bundespolizei, Münster, Deutschland