04:09 26 April 2018
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    Mitglieder des Motorradclubs Nachtwölfe (Archiv)

    Verlust von historischem Gedächtnis macht eigenes Land zu Territorium - "Nachtwölfe"

    © Sputnik / Ewgeni Bijatow
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    Nikolaj Jolkin
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    Die alljährliche internationale "Siegestour" von Moskau nach Berlin des Motorradclubs "Nachtwölfe" startet am 28. April. Die Biker beabsichtigen, die Gräber sowjetischer Soldaten, die Europa vom Faschismus befreit haben, zu besuchen, an die wahren Helden des Zweiten Weltkrieges zu erinnern und damit der Geschichtsfälschung entgegenzuwirken.

    Auf einer Pressekonferenz in der Nachrichtenagentur "Rossiya segodnya" wurde festgestellt, dass besonders polnische Behörden gegen diese Gedenkfahrt vorgehen, indem sie die Einreise der russischen Motorradfahrer verhindern. Dennoch erwarten die Veranstalter, dass die meisten Biker durch Warschau reisen dürfen sowie durch Breslau (polnisch: Wrocław), wo ein Denkmal für die Opfer der Tragödie von Wolyn steht, jenes Verbrechens ukrainischer Nationalisten an Polen, an das man sich jetzt nicht gerne erinnert.

    „Nachtwölfe“ bei „Rossija segodnja“
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    „Nachtwölfe“ bei „Rossija segodnja“

    Weiter geht es zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, dann Trnava und Bratislava in der Slowakei, Brünn und Prag in der Tschechischen Republik. Auf dem deutschen Territorium geht die Route nach Dresden und Torgau zur Gedenkstätte des historischen Treffens sowjetischer und amerikanischer Truppen an der Elbe. Am 9. Mai wird die Gedenkfahrt der „Nachtwölfe“ in Berlin im Treptower Park und im Stadtbezirk Tiergarten beendet. Anschließend fahren europäische Biker nach Russland, um das heutige Leben der Russen kennenzulernen.

    Der Präsident des Motorradclubs „Nachtwölfe“, Alexander Saldostanow, dessen Spitzname „Chirurg“ ist und dem der Aufenthalt in Europa verboten ist, sagte über die Erlebnisse der Biker in Deutschland im vorigen Jahr, über die sie an ihn gemailt haben: „Sieh dir mal die Videos an, was hier los ist! Wir sind hier an der Grenze zu Deutschland! Du siehst wie viele Biker sich uns angeschlossen haben! Und ich sehe wirklich eine riesige Kolonne.“

    Alexander Saldostanow („Chirurg“)
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Alexander Saldostanow („Chirurg“)

    Dariusz Kaczmarczyk aus Polen beteiligt sich zum vierten Mal an der Gedenkfahrt und erklärt, warum er es tut: „Das ist unsere gemeinsame Geschichte. Und der Sieg über den Faschismus ist auch unser Sieg. Die 1. und die 2. polnische Armee kamen zusammen mit der sowjetischen Armee nach Berlin. Das ist für alle Polen wichtig. Für mich ist aber nicht klar, warum solch eine negative Einstellung zu Russland jetzt in Polen herrscht. Schließlich sind wir eine große Familie.“

    Dariusz Kaczmarczyk
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Dariusz Kaczmarczyk

    Mit besonderer Wärme haben die russischen Biker über das bevorstehende Treffen mit jungen Deutschen gesprochen, die  die Gräber der gefallenen Soldaten der Roten Armee pflegen, auch über das Plakat am Tor des russischen Botschaftsgebäudes vor einem Jahr: „Vielen Dank an das deutsche Volk für die Unterstützung unserer Gedenkfahrt“.

    Andererseits wurde festgestellt, dass in Polen und in der Ukraine viele Denkmäler sowjetischer Soldaten zerstört werden, um die Erinnerung an die Helden des Zweiten Weltkrieges auszulöschen. „Und wenn man das historische Gedächtnis verliert“, meinen die Biker, „wird das Land einfach zu einem Territorium.“

    „Nachtwölfe“ bei „Rossija segodnja“
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    „Nachtwölfe“ bei „Rossija segodnja“

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    Tags:
    Krieg, Helden, Motorradtour, Zweiter Weltkrieg, Motorradclub Nachtwölfe, Alexander Saldostanow, Polen, Deutschland, Russland