10:00 21 September 2018
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    Weltraum (Symbolbild)

    „Zwei Millionen Kilogramm jährlich“: Sci-Fi-Konzepte für Weltall und ihre Chancen

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    Manche wissenschaftliche Hypothesen und technische Konzepte, die recht phantastisch wirken, werden derzeit im Ernst erörtert. Der russische Raumfahrt-Historiker und Buchautor Anton Perwuschin kommentiert in einem Sputnik-Gespräch.

    Weltraumlift

    Das Konzept eines Weltraumlifts sieht ein Führungsseil vor, welches eine Basisstation auf der Erdoberfläche mit einem Gegengewicht hinter dem geostationären Orbit verbinden soll, um Nutzlasten entlang dieses Seils zu transportieren. Der russische Raumfahrttheoretiker Konstantin Ziolkowski hatte noch Ende des 19. Jahrhunderts diese Idee ins Gespräch gebracht.

    Perwuschin sieht aber schwarz für das Konzept: „Ein Weltraumlift als stationäres Seil-Transportsystem wird auf der Erde nie zustande kommen. Es gibt eine Menge technischer Hürden, doch das Wichtigste ist, dass es keine Aufgaben gibt, die ein solcher Aufzug lösen könnte. Wenn man die Nutzlast-Beförderung mit einem Lift ebenso rentabel machen will wie gewöhnliche Raketentransporte, müssen zwei Millionen Kilogramm jährlich ins All transportiert werden, also rund sechs Tonnen täglich. Genauso viel muss man dabei zurück auf die Erde herunterlassen, damit der Aufzug standfest bleibt. Welche Aufgabe gibt es denn eigentlich, um für ihre Lösung sechs Tonnen Nutzlast täglich ins All und zurück zu schicken?“ Das Konzept könne allerdings Anwendung finden, falls eine massive Erschließung anderer Planeten oder Asteroiden irgendwann beginne.

    Mars-Kolonie

    Über die Pläne für eine Mars-Erschließung berichtete kürzlich Elon Musk, Begründer des Privatunternehmens SpaceX. Bereits in wenigen Jahren will er ein Raumschiff zu diesem Planeten schicken und künftig eine Kuppel für die Übersiedler dort bauen – mit einem Gewächshaus und einem Kraftwerk.

    Auch da ist Perwuschin skeptisch: „Vorerst handelt es sich um eine reine Utopie. SpaceX hat noch nicht einmal ein simpelstes bemanntes Raumschiff gestartet, verfügt auch über keine Erfahrungen mit Andockungen. Der Entwurf eines riesigen Raumschiffs ist nur ein schönes Bild, niemand beschäftigt sich im Ernst mit seinem Konstruieren. Nicht gelöst ist das Problem einer sanften Mars-Landung einer dermaßen sperrigen Konstruktion. Auch vom Mars selbst hat noch niemand irgendwann abgehoben. Die Umsetzung von all diesem wird nicht Jahre, sondern Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Und da kommt die Hauptfrage: Wer wird dafür während dieser ganzen Zeit bezahlen – ohne Chance auf Gewinne? Zwar ist Elon Musk ein ausgezeichneter Ingenieur und Unternehmer, er wird die Welt noch mehrmals staunen lassen. Doch dem Mars ist er in absehbarer Zukunft nicht gewachsen.“

    Panspermie

    Anfang des 20. Jahrhunderts lieferte der schwedische Chemiker Svante Arrhenius eine theoretische Beschreibung der Panspermie. Die Hypothese sieht vor, dass Sporen die Atmosphäre verlassen und sich durch den Weltraum bewegen können.

    Perwuschin kommentiert: „Eine Bestätigung der Panspermie-Hypothese würde in der Frage nach dem Ursprung des Lebens nichts grundsätzlich ändern. Selbst wenn Leben woanders entstanden ist, muss man den Mechanismus dieser Entstehung suchen. Angenommen, wir werden morgen erfahren, dass die ersten Mikroorganismen einst vom Mars auf die Erde gekommen waren. Dadurch wird sich das Problem nur verkomplizieren. Andererseits wird sich vieles ändern, falls wir Spuren eines grundsätzlich anderen Lebens entdecken. Dann wird man auf den biologischen Geozentrismus ein für alle Mal verzichten müssen und nicht einmal die unglaublichsten Theorien zum Leben im Universum als phantastisch brandmarken dürfen.“

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    Tags:
    Kolonie, Mikroorganismen, Leben, Science-Fiction, Konzept, Erde, Mars, Weltraum