05:09 19 Oktober 2018
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    Stil aus dem sowjetischen Kriegsfilm

    „Tod den Spionen!“: 75 Jahre bester Nachrichtendienst des Zweiten Weltkriegs

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    Heute vor 75 Jahre wurde der legendäre sowjetische militärische Nachrichtendienst „Smersch“ („Smert spionam“ – dt. „Tod den Spionen“) gegründet, der als bester Nachrichtendienst aus der Zeit des Großen Vaterländischen Kriegs gilt. Er leistete einen enormen Beitrag zum Sieg gegen Nazi-Deutschland.

    Historikern zufolge besteht der größte Erfolg der Spionageabwehr „Smersch“ darin, dass keine einzige Operation der Roten Armee wegen Handlungen gegnerischer Geheimdienste torpediert werden konnte. Kein einziger strategischer Plan des sowjetischen Kommandos wurde dem Feind bekannt. Zudem gab es kein einziges antisowjetisches Aufbegehren in der Roten Armee sowie im Hinterland, wovon Deutschland stark ausgegangen war.

    Dank der Einrichtung des „Smersch“-Dienstes wurde in der Sowjetunion unter Kriegsbedingungen ein strikt funktionierendes Spionageabwehr-System entwickelt.

    April 1943

    Die Bildung des „Smersch“-Dienstes im Frühjahr 1943 war mit den Ereignissen an der Front verbunden. Es ging vor allem um die sich zugunsten der Roten Armee ändernde strategische Lage. Es war klar, dass sie jetzt vorrücken und die zuvor von der Wehrmacht ergriffenen Gebiete des Landes befreien wird.

    Dienstausweis des Nachrichtendienstes SMERSch
    © Sputnik / Sergej Pyatakow
    Dienstausweis des Nachrichtendienstes SMERSch

    Doch die deutschen Geheimdienste hatten es zu diesem Zeitpunkt bereits geschafft, auf den besetzten Gebieten nicht nur eigene Organe, darunter Diversionszentren, sondern auch ein Agentennetz zu bilden. Es drohten Terroranschläge und Diversionen im Hinterland der Roten Armee, was ihre Offensive untergraben hätte.

    Ein weiteres Argument war Historikern zufolge der Bedarf nach schnellerer Übermittlung von Informationen über Standorte von Armeen, besonders bei der Vorbereitung von großen Operationen, und nach militärischer Gegenaufklärung.

    Die Gründung der neuen Organisation erfolgte unter unmittelbarer Kontrolle Stalins. Sie wurde am 19. April vom NKWD gegründet. Ihr vollständiger Name lautet „Hauptverwaltung für Spionageabwehr Smersch des Volkskommissariats für Verteidigung der UdSSR“. Zum Smersch-Leiter wurde Viktor Abakumow ernannt.

    Nicht nur gegen ausländische Spione

    Interessant ist die Namensgeschichte der Organisation. Zunächst wurde vorgeschlagen, sie „Smerinsch“ zu nennen („Smert inostrannym spionam“ – dt. „Tod den ausländischen Spionen“). Doch Stalin korrigierte die Bezeichnung in „Smersch“ (ohne das Wort „ausländisch“). Denn Nachrichtenoffizieren mussten nicht nur gegen die Geheimdienste Deutschlands und seiner Satelliten (Rumänien, Ungarn, Finnland u.a.), sondern auch gegen den kriminellen Untergrund in der Ukraine, im Baltikum und im Nordkaukasus vorgehen.

    Zu den Aufgaben des „Smersch“-Dienstes gehörte die Bekämpfung der Spionage-, Diversions- und Terror-Aktivitäten der ausländischen Geheimdienste. Zudem wurde gegen Staatsverrat vorgegangen: Sowjetische Soldaten, die sich aus der Kriegsgefangenschaft befreien und in ihr Heimatland fliehen konnten, wurden als Verräter und Deserteure angesehen und entsprechend geprüft und zum Teil verfolgt.

    Darüber hinaus musste „Smersch“ rechtzeitig Fakten feststellen, die Militäreinsätze negativ beeinflussen konnten, darunter Mängel bei der Planung der Kampfhandlungen sowie beim Nachschub von Technik, Waffen, Ausrüstung und Lebensmitteln.

    Diversanten ausschalten

    Von der Effizienz der „Smersch“-Einheiten zeugen folgende Zahlen: Während zur Mitte des Großen Vaterländischen Krieges die Spionageabwehr in den frontnahen Gebieten bis zu 60 Prozent der gegnerischen Aufklärer entdeckte und unschädlich machte, waren es zum Jahr 1945 bereits 85 Prozent.

    Seit Anfang Mai 1945 führte der „Smersch“-Dienst Aufklärungs- und Spionageabwehrmaßnahmen in den befreiten Gebieten Deutschlands, Polens, der Tschechoslowakei, Ungarns, Rumäniens und Bulgariens durch.

    Insgesamt wurden in Kriegszeiten des „Smersch“-Dienstes mehr als 30.000 Agenten von Hitlers Aufklärungsdiensten, mehr als 3500 Diversanten und 6000 Terroristen unschädlich gemacht.

    Operationen hinter der Front

    „Smersch“ agierte nicht nur auf dem sowjetischen Territorium. Der Nachrichtendienst nistete sich in gegnerische Aufklärungs- und Diversionsschulen sowie Wehrmachteinheiten ein. Mit diesem Ziel wurden in das deutsche Hinterland mehr als 3000 Mitarbeiter und Agenten des Nachrichtendienstes geschickt. Noch heute werden mehrere der damaligen „Smersch“-Operationen als geheime Verschlusssache eingestuft.

    Zu den aufsehenerregendsten Operationen zählt die Einschleusung des „Smersch“-Agenten Alexander Koslow in die deutsche Aufklärungsschule Saturn. Zwei Jahre lang übermittelte er Moskau Informationen über fast 200 deutsche Spione.

    Täuschungsmanöver in Radios

    Von großer Bedeutung bei der Gewährleistung der Offensiven der Roten Armee war die Arbeit des „Smersch“-Dienstes zur Desinformation des Gegners hinsichtlich der Pläne der sowjetischen Führung. Bekannt waren sogenannte „Radio-Spiele“ mit den Deutschen. Es handelte sich um die Nutzung der angeworbenen deutschen Funkaufklärer zur Nachahmung der Tätigkeit nicht nur einzelner Agenten, sondern ganzer Aufklärungsnetze, um dem Gegner falsche Informationen zu übermitteln und die Pläne der deutschen Aufklärung zu entschlüsseln. Die Radio-Spiele erwiesen sich als äußerst erfolgreich, weil die Deutschen in vielen Fällen bis zum Ende des Krieges nicht ahnten, dass sie nicht mit eigenen Agenten, sondern mit der sowjetischen Spionageabwehr zu tun hatten.

    Hitler ergreifen

    Kurz vor der Berliner Offensive wurden bei „Smersch“ operative Spezialgruppen nach der Zahl der Berliner Stadtbezirke gebildet, zu deren Aufgabe die Suche und Festnahme der Leiter der deutschen Regierung, vor allem Hitler selbst, sowie das Auffinden der Archive mit wertvollen Informationen gehörte. Mit Unterstützung von „Smersch“ wurden hochrangige Vertreter des Nazi-Regimes und von Strafbehörden festgenommen, von denen viele später wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt wurden.

    Zerpflückte Mythen

    Während der Perestroika und zu Beginn der 1990er-Jahre wurde der „Smersch“-Dienst als Straforgan dargestellt, welches Militärs ohne Gerichtsbeschluss erschoss. „Smersch“ konnte jedoch keine Haftstrafe oder Erschießung beschließen, denn es war kein Gerichtsorgan. Solche Beschlüsse wurden vom Kriegstribunal oder bei Sondersitzungen im NKWD getroffen.

    Ein weiterer Mythos: Fast jeder sowjetische Kriegsgefangene kam angeblich in sowjetische Lager. Doch die Realität sah anders aus. Von den 5,5 Millionen „Verschleppten“, darunter Kriegsgefangenen, wurden weniger als 60.000 Menschen festgenommen, also rund ein Prozent.

    Darüber hinaus wurden die „Smersch“-Vertreter als Menschen dargestellt, die angeblich im Hinterland der Roten Armee saßen. Auch das stimmt nicht. Die militärischen Abwehrspezialisten nahmen auch an Kämpfen teil und übernahmen zu kritischen Zeitpunkten sogar das Kommando von Kompanien und Bataillonen, die ohne Kommandeure blieben. Sie führten Einheiten der Roten Armee aus Einkesselungen, richteten Partisaneneinheiten ein und vieles mehr.

    Der Nachrichtendienst „Smersch“ existierte drei Jahre – bis 1946. Er erfüllte die Aufgaben, die ihm gestellt wurden. Das Gedenken an die Helden der Nachrichtendienstler, ihren Patriotismus und ihre Pflichttreue lebt bis zum heutigen Tag.

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    Tags:
    Aufklärung, Abwehr, Kriegsgefangene, Partisanenarmee, Spionage, Der Zweite Weltkrieg, Smersch, NKWD, Rote Armee, Adolf Hitler, Josef Stalin, Drittes Reich, Sowjetunion, UdSSR, Berlin