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    Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin (Archiv)

    ILA-Chef EXKLUSIV: „Raumfahrt für die Menschheit, Luftfahrt für den Menschen“

    © AFP 2018 / Wolfgang Kumm / dpa
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    Paul Linke
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    Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. Der Veranstalter der traditionsreichen Messe und Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie Volker Thum spricht im Sputnik-Interview über die Messe-Highlights und die neuesten Trends der Luft- und Raumfahrt.

    Was sind Ihre Erwartungen auf der diesjährigen ILA? Womit werden Sie uns dieses Jahr erfreuen?

    Die ILA ist diesmal größer und besser als jemals zuvor. Wir haben 30 Prozent mehr Fläche belegt. Wir haben mehr Aussteller da. Wie Sie vielleicht wissen, haben wir 2016 beginnend die ILA umgestellt. Von einer Verkaufsmesse zu einer Messe für Nachhaltigkeit, für Technologie, für Hightech. Und genau auf diesem Weg können wir natürlich unsere Besucher locken. Das heißt, es startet mit Themen wie Future Lab, wo wir zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium interessante Ausstellungen zur Zukunft der Technologien haben. Wir haben viele Start-Ups da. Wir zeigen elektrisches Fliegen, elektrohybrides Fliegen. Wir haben sehr viele Konferenzen.

    Und natürlich haben wir auch jede Menge Fluggeräte. Denn auch in einer digitalen Welt gehört das Haptische, etwas fühlen, etwas sehen dazu. Wir haben interessante Flugzeuge. Wir haben eine Antonow-225 da. Wir haben eine Boeing 747-800 da. Emirates schickt eine Airbus A380. Es ist ein Technologieversuchsträger A340 Blade da, der neueres, leiseres Fliegen ermöglichen wird. Wir haben militärisches Fluggerät. Also Hochtechnologie und Fluggeräte erwarten die Besucher, wie es sich für eine Air-Show gehört.

    Sie können natürlich auch in die Raumfahrt gehen. Sie sehen dort vor der Halle ein Modell des „Merlin“. Ein Satellit, der ins All geschickt wird, um dort Methangase zu erforschen. Wir sind bei Sentinel-Projekten dabei, um CO2 zu erforschen. Also es gibt jede Menge hochaktuelle Themen. Raumfahrt für die Menschheit, Luftfahrt für den Menschen. Das lockt auf der ILA.

    Was ist die größte Herausforderung für die Luft- und Raumfahrt Industrie in der Zukunft?

    Die Luft- und Raumfahrt ist eigentlich, wie die ganze Menschheit, von den zwei großen D abhängig. Das sind Digitalisierung und Dekarbonisierung. Das heißt, wir sind einerseits dabei, unsere Produktion zu digitalisieren, unsere Produkte zu digitalisieren, die Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Aber gleichzeitig gilt gerade für uns: kontinuierlich weniger CO2-Emissionen.

    Und das Schöne für uns ist, wie sind die einzige Industrie, in welcher ökonomische und ökologische Ziele deckungsgleich sind. Jede Airline spart pro Tag einen Liter Kerosin, wenn wir ein Kilo Gewicht sparen am Flugzeug. Vor dem Hintergrund ist Gewichtsreduzierung optimal und Treibstoffreduzierung ein großer Vorteil. Je mehr Treibstoff Sie reduzieren, desto leiser wird das Flugzeug. Und wir erwarten, dass elektro-hybride Flugzeuge in 15 Jahren circa so fliegen werden, dass Sie am Zaun des Flughafens das Flugzeug nicht mehr hören. Das sind doch Aussichten.

    Für uns als russische Nachrichtenagentur ist es sehr interessant, wie sich die Zusammenarbeit mit den russischen Partnern gestaltet.

    Wir arbeiten sehr lang mit russischen Partnern zusammen. Und allein die Tatsache, dass ich heute hier bin, zeigt, dass wir zusammenarbeiten. Und das muss auf zwei Ebenen gehen. Es gibt eine politische Zusammenarbeit, wo wir momentan einfach Restriktionen auf beiden Seiten haben. Und es gibt eine Zusammenarbeit, wo wir momentan zwischen Menschen, Instituten und Firmen weiterhin im Gespräch bleiben. Natürlich beachten wir auf beiden Seiten Restriktionen, die politisch vorgegeben sind. Aber wir glauben, dass aufgrund der Historie der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland wir auch irgendwann eine gute Zukunft haben werden. Wir sehen momentan eher eine Wellenbewegung, wo wir uns im Tal befinden. Aber die Kooperation zwischen den Firmen läuft im Rahmen der Möglichkeiten.

    Wie haben sich diese Restriktionen auf die Zusammenarbeit und die wirtschaftlichen Beziehungen ausgewirkt?

    Ich habe die Zahlen momentan nicht. Aber es ist ganz klar, dass der Export und Import für beide Länder deutlich zurückgegangen ist. Wie Sie wissen, kann Russland momentan vieles nicht mehr exportieren – kann aber auch weniger importieren. Dasselbe gilt für uns. Das heißt, wir beschränken und momentan auf einige Nischen wie zum Beispiel die Raumfahrt. Sie wissen, dass wir nach wie vor mit der Sojus starten. Sie wissen, dass wir gemeinsam an der ISS arbeiten. Es gibt also in diesen für die Menschheit wichtigen Themen noch eine Zusammenarbeit. Und in anderen Bereichen geht die wirtschaftliche Zusammenarbeit zurück. Aber es bleibt die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen auf beiden Seiten, in der Annahme, es wird sich wieder ändern.

    Was sind die Erwartungen an die Politik?

    Wir erwarten, dass die Politik weiterhin sieht, dass Luft- und Raumfahrt eine Spitzentechnologie ist. Jedes Land, was an der Spitze der Technologie bleiben will, forscht in Luft- und Raumfahrt. Und ich kann allen Ländern und damit auch Russland und Deutschland nur empfehlen, diese Forschung weiter zu unterstützen. Denn hier entsteht Spitzentechnologie, die anschließend auch in andere Bereiche übertragen werden kann.

    Das komplette Interview mit Volker Thum zum Nachhören:

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    Tags:
    CO2-Emissionen, Luftfahrt, Raumfahrt, Messe, Industrie, Flugzeug, Zusammenarbeit, ILA-2018, Deutschland, Russland