22:33 19 Oktober 2018
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    32 Jahre Tschernobyl-Gau: Kritik und Warnungen an Kiew aus Bundestag

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    Die Mitglieder des Bundestag-Umweltausschusses haben anlässlich des 32. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe die Lage rund um das havarierte AKW erörtert, geht aus einer Mitteilung des Bundestags hervor. Die Abgeordneten haben außerdem Kiew wegen des Umgangs mit Opfern sowie der Verzögerungen bei den Arbeiten an der Schutzhülle kritisiert.

    Die Ausschussvorsitzende Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte am Mittwoch in ihrem Bericht unzureichende Entschädigungen an die Opfer der Katastrophe seitens der Ukraine, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Abgeordnete verwies darauf, dass diese Zahlungen nicht im gesetzlich vorgesehenen Umfang geleistet würden.

    Kotting-Uhl, die Anfang April das betroffene Gebiet besucht hatte, übte außerdem Kritik an der Ukraine-Energiepolitik, denn Kiew setze weiter auf Atomkraft. Laut der Politikerin unterstützt die EU-Kommission diese Politik durch Kredite für Sicherheitsmaßnahmen, um zu ermöglichen, die Laufzeit der ukrainischen AKW weiter zu verlängern.

    In ihrem Bericht sprach die Ausschussvorsitzende unter anderem über die wirtschaftliche Verwertung der Sperrzone um das AKW, wo der Tourismus floriere. Kotting-Uhl vermutete, das Gebiet solle ebenfalls als Atommüllzentrum etabliert werden: Dort seien Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall sowie ein Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall geplant.

    Die Politikerin betonte aber, es gebe keine Planungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle, denn Kiew wolle zunächst die Erfahrungen in Deutschland und in den skandinavischen Ländern abwarten.

    Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), sprach ihrerseits über Verzögerungen bei den Arbeiten an der neuen Schutzhülle, die den verunglückten Block vier des AKW abschirmen solle. Laut der Politikerin kann wegen des hohen Strahlungsniveaus in einem Teilgebiet um den Reaktor nur zeitlich eingeschränkt gearbeitet werden. Die Fertigstellung werde zurzeit für Ende dieses Jahres erwartet.

    Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 im Block vier des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat. Auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wurde sie als erstes Ereignis der Kategorie „katastrophaler Unfall“ eingeordnet.

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    Tags:
    Opfer, Tschernobyl-Katastrophe, Atomkraftwerk, AKW, Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit des Bundestags, Bundestag, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Rita Schwarzelühr-Sutter, Sylvia Kotting-Uhl, Tschernobyl, Ukraine, Deutschland