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    Nach der Explosion der Atombombe in Hiroshima (Archivbild)

    Knochen-Analyse bei Hiroshima-Opfern: Forscher nennen genaue Strahlungsdosis

    © AP Photo / Stanley Troutman
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    Forscher haben die Knochen der Opfer des Atombombenangriffs auf Hiroshima untersucht und dabei erstmals die genaue Strahlungsdosis gemessen. Die Studie wurde im Magazin „PLoS One“ veröffentlicht.

    Die Strahlungsdosis lag demnach bei 9,5 Gray. „Auch die Hälfte dieser Dosis wäre genug, um einen Menschen zu töten“, so der Forscher Oswaldo Baffa von der Universität von Sao Paulo.  

    Ob der Mensch einen radioaktiven Angriff überlebt, hängt davon ab, ob seine Stammzellen, die für die Produktion von Erythrozyten und Leukozyten im Blut zuständig sind, überleben. Diese sind auch für die Regeneration der Knochen, der Haut und anderer Organe verantwortlich. Eine genaue „tödliche Strahlungsdosis“ ist laut Forschern schwer zu bestimmen: Die Stammzellen seien im Körper ungleichmäßig verteilt.   

    Aus der Sicht von Fachleuten können vier bis neun Gray einen „langsamen Tod“ auslösen. Zehn bis 20 Gray seien genug, um einen Menschen sofort zu töten.

    Das Fehlen genauer Daten in dieser Frage hängt laut Wissenschaftlern damit zusammen, dass die Geschichte nur zwei solche Vorfälle kennt: Die Bombardements der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Deren Folgen seien wegen der fehlenden Daten und des niedrigen Entwicklungsniveaus der Wissenschaft in jener Zeit schwer einzuschätzen.

    Baffa und seine Kollegen scheinen nun eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Sie wurden im Rahmen ihrer Studie auf die Experimente aufmerksam, die ihre Kollegen vor mehr als 50 Jahren durchgeführt hatten. Einer der Physiker hatte damals festgestellt, dass die Strahlung die Struktur von Knochen veränderte.

    Zunächst hatten Forscher diese Erkenntnisse in der Archäologie eingesetzt, um das Alter der Funde zu bestimmen. Später begriffen sie jedoch, dass dieselbe Herangehensweise helfen könne, die Strahlungsdosis der Opfer von Atomangriffen festzustellen.

    Wie die ersten Messungen zeigten, bekamen die Einwohner von Hiroshima und Nagasaki eine Riesen-Dosis an Strahlung ab – 9,5 Gray. Das Knochenmark sei völlig zerstört worden. Diese Angaben sollen mit der Strahlungsdosis übereinstimmen, welche die Ziegelwände der Gebäude in Hiroshima aufgewiesen hätten.

    Die Studie soll es laut Baffa den Forschern ermöglichen, die Folgen der radioaktiven Strahlung und anderer möglicher Atomkatastrophen genauer einzuschätzen.

    Tags:
    Tod, Strahlung, Analyse, Knochen, Atomwaffen, Sao Paulo, USA, Hiroshima