19:20 21 September 2018
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    Jewgeni Sultanow

    „Das ist viel zu schrecklich“: Moskauer erzählen wahre Geschichten ihrer Vorfahren

    © Foto : Yulia Sultanowa
    Panorama
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    Die Teilnahme am Gedenkmarsch „Unsterbliches Regiment“ ist für viele Russen zu einer Tradition geworden. Zwei Familien aus Moskau haben Sputnik von den Heldentaten ihrer Vorfahren erzählt.

    Schon das vierte Jahr in Folge gehen Olga und Dmitri Karpow am 9. Mai auf die Straßen von Moskau. Sie halten dabei das Bild von Dmitris Onkel, Nikolaj Kharybin, in der Hand, der im Zweiten Weltkrieg an der Front starb, und von Olgas Vater, Dmitri Schilow, eines Kommandeurs der Fernmeldetruppe der 6. Luftlandedivision.

    Olga erzählt von ihrem Vater: „Dmitri Alexejewitsch ging in einem sehr jungen Alter an die Front, als er erst 20 war. Damals war er Truppenfernmelder. Unter Schüssen haben sie (Soldaten – Anm. d. Red.) kriechend Fernkabel verlegt, um eine Verbindung zwischen den Einheiten herzustellen. Er wurde zweimal verwundet.“

    Dmitri Schilow
    © Foto : Dmitri Karpov
    Dmitri Schilow

    Aktion „Unsterbliches Regiment“ geht um die Welt
    © Sputnik / Danilo Garcia di Meo
    Olga erinnert sich auch daran, was ihre Großmutter von ihm erzählt hat. Besonders sei die Geschichte beeindruckend, wie Schilow wegen einer Verletzung zeitweilig nach Hause zurückkehren musste. „Großmutter nahm seinen Mantel, um ihn sauber zu machen. Er war von Kugeln durchsiebt. Man hatte auf ihn geschossen, als er rannte und dabei einen Kabeltrommel zog, um die Verbindung herzustellen.“

    Dmitri Schilow nahm an der Schlacht bei Kursk (Unternehmen Zitadelle) teil. Er beteiligte sich zudem an der Befreiung von 29 Städten in Russland, der Ukraine, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Österreich. Er wurde später mit dem Rotbannerorden und einer Medaille für Tapferkeit ausgezeichnet.

    Dmitri und Olga Karpow
    © Foto : Yulia Sultanowa
    Dmitri und Olga Karpow

    Doch ungeachtet der Auszeichnungen spricht Dmitri laut seiner Tochter nicht gerne über den Krieg: „Jedes Mal, wenn ich Vater gebeten habe, etwas über den Krieg zu erzählen, hat er gesagt, er könne das nicht, weil das viel zu schrecklich sei.“

    Für die Familie Karpow ist dieser Gedenkmarsch eine Möglichkeit, die Helden ihrer Familie zu ehren und die Erinnerung an die schwere Geschichte ihres Landes wachzuhalten.

    „Für uns ist das sehr wichtig, das ist unsere Geschichte. Und insbesondere jetzt, wo manche in der Welt die Geschichte neuschreiben und unsere Rolle in diesem Krieg herunterspielen wollen“, so Olga weiter.

    Die Familie Sultanow nimmt ebenfalls seit Jahren am Marsch teil. Julia und Jewgeni haben mehrere Verwandte, die im Krieg waren. Zwei von ihnen, die Brüder von Julias Großmutter, sind im Krieg gefallen.

    Die Gedenkaktion Unsterbliches Regiment in Moskau
    © Foto : Yulia Sultanowa
    Die Gedenkaktion "Unsterbliches Regiment" in Moskau

    Julias Großvater, Michail Budanow, kam laut ihr bis nach Berlin und wurde für seine Tapferkeit mit einer Medaille ausgezeichnet. Sie erklärt, warum ihr die Gedenkaktion so viel bedeutet: „Wir nehmen an dem Marsch teil, um die Erinnerung an die Heldentaten unserer Großväter und Großmütter wachzuhalten, die ihr Leben und ihre Gesundheit geopfert haben, damit wir in Frieden leben. Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel die wahre Geschichte kennen und sich daran erinnern.“

    Auch in diesem Jahr werden die beiden Familien mit den Porträts ihrer Vorfahren etwa sechs Kilometer durch Moskaus Zentrum schreiten.

    Der Gedenkmarsch Unsterbliches Regiment in Moskau
    © Foto : Yulia Sultanowa
    Der Gedenkmarsch "Unsterbliches Regiment" in Moskau
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    Tags:
    Marsch, Helden, Gedenken, Zweiter Weltkrieg, Gedenk-Marsch „Unsterbliches Regiment“ 2018, Berlin, Moskau, Russland