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    Der sowjetische Pilot (Symbolbild)

    Selbst ohne Arm weiter im Einsatz: Geschichte eines sowjetischen Kriegspiloten

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    Seine Leistung während des Zweiten Weltkriegs war beispiellos: Der sowjetische Militärpilot Iwan Leonow verlor im Kampf einen Arm, flog aber weiter Einsätze unmittelbar an der Front.

    Wie die russische Zeitschrift „Ogonjok“ berichtet, hatte Leonow an einer militärischen Fliegerschule im südrussischen Armawir eine Ausbildung bekommen. Als der Krieg begann, wollte er sofort in den Kampf, wurde aber zunächst in eine Einheit im Osten des Landes geschickt und trainierte dort weiter. Erst später ging Leonow unmittelbar an die Front. Als Kampfpilot absolvierte er Dutzende Einsätze und konnte acht gegnerische Maschinen abschießen.

    Im Sommer 1943 kämpfte Leonow in der Schlacht bei Kursk mit. Am 5. Juli gehörte er einer Gruppe an, die mit der Luftaufklärung beauftragt wurde. Vier La-5-Kampfflugzeuge erfüllten diese Aufgabe und flogen schon zurück, als es zu einem Luftkampf mit deutschen Focke-Wulf-Jägern kam. Leonows Maschine wurde abgeschossen.

    Das Flugzeug fing Feuer. Der verletzte Pilot konnte nicht mehr mit dem linken Arm bewegen und wurde für ein paar Sekunden bewusstlos. Dann gelang es ihm trotzdem, sich mit dem Fallschirm zu retten. Auf dem Boden wurde er von Soldaten einer sowjetischen Artillerieeinheit zum Arzt gebracht.

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    „Ich hatte praktisch keinen Arm mehr – er baumelte wie ein Lappen herunter. Der Schmerz war brennend, ich konnte ihn kaum ertragen. Der Chirurg schüttelte nur den Kopf und sagte: ‚Da gibt es nichts zu retten, weder Sehnen noch Gelenke – nichts Unversehrtes ist übriggeblieben.‘ Also wurde mir der Arm bis an die Schulter abgeschnitten“, berichtete der inzwischen 95-jährige Veteran über die damaligen Ereignisse.

    Mehrere Monate verbrachte er im Spital – und bat dann, ihm wieder Flüge zu erlauben. Die Entscheidungsträger sahen ihn zunächst wie einen Verrückten an, Leonow gab aber nicht auf. Letztendlich wurde er von Generalleutnant Michail Gromow empfangen, der doch einen Versuch genehmigte. Leonow fertigte selbst eine Prothese mit einem Gelenk, um den Hebel im Cockpit zu ziehen.

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    Er absolvierte wieder Einsätze – allerdings nicht mehr mit einem Jagdflugzeug, sondern mit einem Po-2-Doppeldecker. Leonow transportierte nun Post und Meldungen an sowjetische Militäreinheiten, flog aber auch manchmal hinter die Frontlinie, um Partisanen mit Munition zu beliefert. Insgesamt brachte er nach der Armamputation 52 Missionen hinter sich. Am Ende des Kriegs war er Oberleutnant mit drei Rotbannerorden.

    Nach dem Krieg absolvierte er die Pädagogische Hochschule in Minsk und arbeitete viele Jahre lang dem Bericht zufolge als Direktor eines Kinderheims. Mit seiner Ehefrau Nina hatte er zwei leibliche Kinder. Fünf weitere, die ihre Eltern im Krieg verloren hatten, wurden vom Ehepaar adoptiert.

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    Im Februar 1995 wurde Iwan Leonow als Held Russlands ausgezeichnet. Dank seiner Flüge mit einer Prothese im Krieg ist sein Name übrigens auch ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.

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    Tags:
    Prothese, Schlacht, Chirurg, Held, Arme, Pilot, Zweiter Weltkrieg, UdSSR
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