08:20 11 Dezember 2018
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    Siegesfahne auf dem Reichstag (Archiv)

    Sowjetisches Siegessymbol: Wie die Fahne mit der Nummer 5 in die Geschichte einging

    © Sputnik / Wladimir Grebnew
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    Wie die sowjetische Siegesfahne auf dem deutschen Reichstag am Ende des Zweiten Weltkrieges aufgepflanzt wurde und was mit ihr weiter geschah, darüber berichtet Historiker Wladimir Afanasjew, Fachmann des Zentralmuseums der Streitkräfte Russlands.

    Wie Afanasjew in einem Artikel für die Wochenzeitung „Swesda“ erläutert, waren vor dem sowjetischen Sturm auf den deutschen Reichstag insgesamt neun Flaggen eigens für diese Zwecke gefertigt worden – entsprechend der Zahl der beteiligten Schützendivisionen. Auf jeder Flagge war ein Sowjetstern gemalt, aber auch ein Hammer mit einer Sichel. Auf der Kehrseite gab es unten eine Nummer – von eins bis neun.

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    Am 30. April 1945 rückten sowjetische Soldaten direkt an den Reichstag vor. Der erste Versuch, das Gebäude zu erstürmen, scheiterte jedoch – die Deutschen kämpften verzweifelt. Dann nahmen Artilleriegeschütze und Panzer den Reichstag im direkten Richten unter Beschuss. Schließlich gelang es den Rotarmisten, ins Gebäude vorzudringen. Viele von ihnen hatten auch selbstgebastelte Flaggen bzw. Stücke von rotem Stoff bei sich, die dann am erstürmten Gebäude zu sehen waren.

    Sergeant Michail Jegorow und Untersergeant Meliton Kantaria, die von Politoffizier Alexej Berest begleitet wurden, pflanzten in der Nacht zum 1. Mai die offiziell vorbereitete Flagge mit der Nummer 5 auf dem Reichstag auf. Ausgerechnet diese Flagge ging als Siegesfahne in die Geschichte ein. Zunächst befand sie sich auf dem östlichen Teil des Gebäudes, doch am 2. Mai wurde sie unmittelbar auf der Kuppel platziert.

    Einige Tage später wurde an ihrer Stelle ein größeres Banner zur Schau gestellt. Die eigentliche Siegesfahne wurde vorübergehend bei der Truppe in Berlin aufbewahrt, um dann am 20. Juni nach Moskau gebracht zu werden.

    Zu jenem Zeitpunkt trug sie bereits eine aus vier Zeilen bestehende Aufschrift als Hinweis auf die entsprechende Einheit: die 150. Schützendivision des 79. Schützenkorps der 3. Stoßarmee der 1. Weißrussischen Front.

    Die Siegesfahne wurde im Zentralmuseum der Roten Armee aufbewahrt und ab Juli 1945 auch zur Schau gestellt. Am 9. Mai 1965 wurde sie erstmals bei einer Siegesparade auf dem Roten Platz getragen.

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    Zum Jahr 2010 wurde klar, dass die Fahne grundlegend restauriert werden muss. Die Arbeiten dauerten rund drei Monate. Die Fachleute gelangten zu dem Schluss, dass es wegen des Zustands des Stoffes nicht mehr möglich ist, die Fahne senkrecht auszuhängen.

    Derzeit wird sie in einem speziellen Schaufenster aufbewahrt, das einen stabilen Temperatur- und Feuchtigkeitsstand sichert. Öffentlich gezeigt wird stattdessen eine präzise historische Kopie – sie befindet sich in einem gläsernen Kubus über dem niedergeschmetterten Bronze-Adler, der im Mai 1945 vom Gebäude der Reichskanzlei in Berlin entfernt worden war, sowie über vier gläsernen Schaufenstern, die mit insgesamt 20.000 erbeuteten Eisernen Kreuzen befüllt sind. Die sowjetische Fahne schwebt quasi über den Symbolen des besiegten Nazi-Deutschlands.

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    Tags:
    Reichstag, Sieg, Fahne, Zweiter Weltkrieg, Rote Armee, UdSSR, Russland