12:51 20 August 2018
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    die zerstörende Schule in Gorlowka (Archiv)

    „Die Menschen müssen die Wahrheit erfahren“ - Deutsche Friedensreporterin im Donbass

    © Sputnik / Waleri Melnikow
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    Der Konflikt in der Ostukraine rückt in deutschen Medien allmählich in den Hintergrund. Wer sich ein Bild von der Lage machen will, den führt nichts an einer Reise in den Donbass vorbei. Das dachte sich auch Birgit Vogel, selbsternannte Friedensreporterin aus Bayern. Ihre Eindrücke vom Donbass schildert sie nun gegenüber Sputnik.

    „Hier in Deutschland erfährt man leider sehr wenig darüber, was dort (im Donbass – Anm. d. Red.) los ist. Die Mainstream-Presse bringt nur, dass es dort viele Separatisten gibt und die Menschen dort von Russland unterdrückt werden. Aber ich wollte es genau wissen und war gespannt, was mich erwartet“, so Vogel.

    Als sie am 27. April in der Stadt Donezk eintraf, war sie eigenen Worten zufolge sehr überrascht. „Als wir über die russische Grenze kamen und Richtung Stadt Donezk fuhren, sah ich keinen einzigen Soldaten oder Panzer.“ Und in der Stadt selbst sei alles sehr gepflegt und sauber gewesen. „Frauen liefen mit den Kindern spazieren. Wie in einer normalen Stadt.“

    Auf dem Weg Richtung Gorlowka und Saizewo habe sich der Reporterin jedoch ein anderes Bild geboten: „Je näher wir zur Frontlinie kamen, desto größer war die Zerstörung sichtbar.“ Fast keine Menschen seien auf der Straße zu sehen gewesen. Im Dorf Saizewo, nur rund 200 Meter von der Trennlinie entfernt, hätten sie jedoch bereits ältere Frauen erwartet.

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    „Sie flehten uns an, dass wir in Deutschland davon berichten: ‚Die Ukrainer schießen ständig auf uns und unsere Kinder und zerstören unsere Häuser und Felder‘, meinten sie“, schildert Vogel. Oft würden sie nur im Keller bleiben, draußen sei es viel zu gefährlich.

    Auch in der Nähe des zerstörten Flughafen seien die Zerstörungen „unfassbar“ gewesen: „Das kann man gar nicht glauben, wenn man es nicht selber sieht.“

    „Bitte, erzählt den Menschen was ihr hier gesehen habt. Sie müssen die Wahrheit erfahren“, hörte Vogel auch hier immer wieder.

    Am letzten Tag ihres dreitätigen Aufenthalts habe die Bayerin die Gelegenheit gehabt, den Chef der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, zu treffen. Dabei habe sich ihr Eindruck bestätigt, dass sich zumindest die Regierung von Donezk „sehr gut um die Menschen zu kümmern“ versuche.

    Zurück in Deutschland habe sich Vogel mit Menschen über ihre Reise in den Donbass unterhalten. Viele hätten sich gewundert, dass man in der Bundesrepublik kaum etwas über die ostukrainische Region höre.

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    „Die Menschen hier wissen wirklich kaum was darüber, was dort lost ist. Wenn, dann hört man nur von Hilfsorganisationen, die Spenden sammeln – Lebensmittel oder Dinge für den täglichen Bedarf. Daher dachten auch viele von uns, dass die Menschen in dem ganzen Gebiet nichts haben und hungern müssen.“

    Doch die Pazifistin klärt auf: „Das ist ein vollkommen falsches Bild, das uns hier vermittelt wird – leider auch von den Hilfsorganisationen (von denen es immer mehr gibt).“

    Einen ausführlichen Bericht zu Birgit Vogels Reise in den Donbass finden Sie auf ihrem YouTube-Kanal und ihrem Blog „Gesichter des Friedens“.

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    Tags:
    Krieg, Medien, Donbass, Deutschland, Ukraine
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