20:44 22 Juli 2018
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    Private Sicherheitsleute prüfen Passanten am Silverstertag in Berlin (Archivbild)

    Schärfere Regeln für Security? – Michael Kuhr: „Davon halte ich gar nichts!“

    © AFP 2018 / John Macdougall
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    Ilona Pfeffer
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    Immer wieder soll es in den letzten Jahren zu Übergriffen privater Sicherheitsleute auf Flüchtlinge gekommen sein. Mit Spezialgesetzen soll die Sicherheitsbranche nun stärker reglementiert werden. Davon hält Michael Kuhr nichts. Deutschlands bekanntester Wachmann sagt: Damit bremsen wir uns selbst aus.

    Braucht die Sicherheitsbranche strengere Gesetze? Eine entsprechende Vereinbarung ist von Union und SPD getroffen worden, wie und wann diese umgesetzt wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht klar. Was hingegen klar ist: Immer häufiger treten private Sicherheitsdienste als eine Art „Hilfspolizei“ auf, weil die Polizei selbst hoffnungslos überlastet und unterbesetzt ist. Mit 260.000 Mitarbeitern ist die Sicherheitsbranche fast ebenso groß wie die Polizei; zurückgegriffen wird auf die Security-Firmen beispielsweise für Kontrollen an Flughäfen, die Sicherung von Fußballstadien oder die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften.

    Das Problem: In Anbetracht der Herausforderungen der Flüchtlingskrise wurden die Aufträge von den Bezirksämtern offenbar häufig nicht an die am besten qualifizierten Security-Firmen vergeben, sondern an diejenigen, die mit Dumping-Preisen die Konkurrenz unterboten. Aus Recherchen der „Welt“ im Juni 2016 geht beispielsweise hervor, dass von rund 5.000 Sicherheitsleuten, die bei der Bezirksregierung in Arnsberg (NRW) gemeldet wurden, nur 1.000 die erforderlichen Nachweise und erweiterten Führungszeugnisse nachweisen konnten. 

    Das Ergebnis: Immer wieder kommt es zu Übergriffen von Security-Mitarbeitern auf Flüchtlinge. In Köln soll nach Angaben von Focus Online Anfang 2016 eine Frau durch Security-Mitarbeiter sexuell belästigt worden sein, in Wuppertal gab ein Wachmann Rechtsradikalen Zugang zu einer Flüchtlingsunterkunft, wo diese die Bewohner fotografierten und bedrohten. Und im Oktober 2017 berichtete das Magazin Frontal 21, dass Mitarbeiter einer Berliner Sicherheitsfirma Flüchtlinge in die Prostitution vermittelt haben sollen, darunter offenbar auch Minderjährige.

    Der Verdacht: Mitarbeiter, die für die Sicherheit einer großen Gruppe von Menschen verantwortlich waren, wurden gar nicht oder unzureichend auf ihre Eignung geprüft. Dadurch wurden Schutzsuchende in Gefahr gebracht.

    „Bei der Flüchtlingskrise wurde vorn und hinten betrogen, weil die Kapazitäten an Security-Firmen gar nicht vorhanden waren, um Kräfte mit Sachkundeprüfung einzusetzen. Also haben viele ohne diese Prüfung gearbeitet“, bestätigt Michael Kuhr. Der zehnfache Deutsche Kickbox-Meister, Europameister und Weltmeister ist wohl der bekannteste Sicherheitsmann Deutschlands. Mit seiner Sicherheitsfirma Kuhr Security sorgt er für Recht und Ordnung in der Hauptstadt und arbeitet auch immer wieder mit Polizei und LKA zusammen.

    Doch was qualifiziert einen Sicherheitsmitarbeiter?

    „Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass man die Sachkundeprüfung von der IHK braucht. Dann wird beim Bezirksamt, Abteilung Wirtschaftsamt überprüft, ob irgendwelche Einträge im Führungszeugnis sind. Wenn da keine Einträge sind, dann kommt das grüne Licht vom Staat. Bei mir kommen dann noch persönliche Sachen dazu, die eine große Rolle spielen. Dass man den Beruf nicht unbedingt als Security sieht – der Havarie-Fall, dass wirklich etwas passiert, ist relativ selten. Bis dahin müssen Sie Dienstleister sein und den Beruf als Dienstleistung sehen.“

    Auch Erfahrung im Kampfsport und Englisch als Zweitsprache seien ihm bei seinen Mitarbeitern wichtig, so Kuhr.

    Eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei fände der Personenschützer sinnvoll, jedoch sollten die Security-Firmen sorgfältiger ausgewählt werden.

    „Wenn man schlau ist, dann muss man enger zusammenarbeiten, aber es gibt einige Gründe, das nicht zu forcieren. Wenn man enger zusammenarbeitet, kann man auch stärker auftreten. Aber man muss genau wissen, mit welchen Firmen man zusammenarbeitet. Es gibt in der Security-Branche sehr viele schwarze Schafe, die nicht nach den gesetzlichen Vorschriften arbeiten. Da muss eben selektiert werden und hart bestraft — wenn jemand nicht korrekt arbeitet, muss er ein Berufsverbot bekommen. Die Polizei sollte nicht so viele Aufgaben abgeben, wo sie selbst zuständig ist. Denn die Polizei hat nun mal Hoheitsrechte, die wir nicht haben.“

    Von einer Verschärfung der Regeln für die Security-Branche hält Kuhr hingegen überhaupt nichts:

    „Meine Meinung ist: Man bremst sich selber aus. Wenn man jetzt das Ganze verschärfen will, wird es noch schwieriger, im Notfall kurzfristig Security-Kräfte zu mobilisieren. Also ich halte davon gar nichts!“

    Das komplette Interview mit Michael Kuhr zum Nachhören:

    Tags:
    Security, Kontrolle, Sicherheitslücken, Sicherheit, Landeskriminalamt (LKA), Deutschland
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