11:07 26 September 2018
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    Rollstuhl (Symbolbild)

    Revolutionär: Russischer Ingenieur entwickelt gedankengesteuerten Rollstuhl - VIDEO

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    Der russische Ingenieur Iwan Newsorow hat ein einzigartiges Steuersystem für einen elektrischen Rollstuhl entwickelt, das Signale des menschlichen Gehirns in Kommandos konvertiert. Zurzeit finden erste Tests statt, berichtet am Mittwoch die Staatliche Technische Universität in Nowosibirsk, an der Newsorow seinen akademischen Grad erlangt hatte.

    „Dem russischen Ingenieur ist es gelungen, den weltweit ersten innovativen Rollstuhl für Invaliden zu schaffen. Im April 2018 führte Iwan Newsorow gemeinsam mit seinem Team von der Firma ‚CaterWil‘ (Nowosibirsk) und dem Moskauer Unternehmen ‚Neurobotiks‘ die ersten Tests eines Prototyps durch. Sie haben bewiesen, dass der Invalidenrollstuhl mit Impulsen des Gehirns gesteuert werden kann“, heißt es in der Mitteilung des Pressedienstes der Hochschule.

    Der Rollstuhl soll für jene gedacht sein, die vom Hals abwärts gelähmt sind, allerdings kein beeinträchtigtes Gehirn haben. Dabei kann der Krankenfahrstuhl, den das Unternehmen selbst herstellt, aufgrund eines Raupenbandes hohe Treppen sowie Bordkanten überwinden. Auf dem Markt soll er später für rund 460.000 bis 560.000 Rubel (etwa 6400 bis 7800 Euro) zu erwerben sein.

    Der Pressedienst zitiert ferner Newsorow, der erzählt, wie die Idee eines gedankengesteuerten Rollstuhls entstand:

    „Vor drei Jahren wandte sich ein Mann an uns. Der Sozialversicherungsfonds hatte ihm einen Krankenfahrstuhl zur Verfügung gestellt, den er aber nicht steuern konnte, weil er fast komplett gelähmt war und nur den Hals bewegen konnte. Er hatte eine Pflegerin, die ihn ständig herumfuhr. Aber da tauchte eben ein Problem auf: Die Pflegerin bringt den Patienten an ein Fenster, lässt ihn eine Weile allein da, um eigene Angelegenheiten erledigen zu können, und da geht die Sonne auf und scheint ihm direkt ins Gesicht. Das ist eine wahnsinnige Machtlosigkeit, wenn der Mann einfach nicht vom Fenster weg kann“, so der Ingenieur. „Er bat uns, einen Joystick zu schaffen, der mit dem Kopf und dem Hals gesteuert werden kann.“ So eine Art von Rollstuhl würde dem Invaliden die Chance geben, selbstständiger zu werden, und seine Lebensqualität erhöhen.

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    Newsorows Team habe sich also an die Arbeit gemacht – und zwar ohne Entgelt.

    „Er brauchte nur eine halbe Stunde, um das System zu beherrschen, und fing an, sich selbständig zu bewegen. Erst dann haben wir kapiert, dass wir ein Steuersystem entwickeln müssen, das die Gehirnsignale ablesen kann“, so der Ingenieur.

    Ein wichtiger Punkt für die Ingenieure sei die Synchronisation einer „Mütze“ mit Elektroden und eines Geländerollstuhls gewesen. Zum bindenden Glied sei das Computersystem geworden, das die Gehirnsignale in ein Kommandoset konvertieren könne: „Stopp“, „Vorwärts/rückwärts“, „Links/rechts“, „Scheinwerfer einschalten/ausschalten“ und „Rollstuhl nach vorne/nach hinten kippen“. Die durch die Neuronen des Gehirns gebildeten Impulse gelangen demnach über die Elektroden der „Neuromütze“ zur Bearbeitung in den Computer, der wiederum die Bewegung des Rollstuhls aktiviert.

    Die Hauptaufgabe, die die Entwickler aktuell zu lösen versuchen, ist laut dem Pressedienst der Universität eine Notabschaltung des Rollstuhls im Fall eines Kontrollverlustes durch den gelähmten Besitzer. Doch auch da hat der Ingenieur bereits eine Idee: Die Abschaltfunktion könnte womöglich mit einem Wimpernschlag verbunden werden. In jedem Fall seien nun erstmal ernsthafte Trainings erforderlich, heißt es.

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    Zukunftspläne hat Newsorow offenbar auch schon: Als nächstes möchte er ein multifunktionales Bett nach dem gleichen Prinzip schaffen.

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    Tags:
    Technologien, Rollstuhl, Behinderte, Entwicklung, Gehirn, Russland