09:37 25 September 2018
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    Fußball-Fan aus Nigeria (Symbolbild)

    BBC und Co im WM-Fake-Rausch: Schwarze in Russland leiden, ahnen aber nichts

    © AP Photo / Nelson Antoine
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    Die Versuche britischer Behörden und Medien, Fans vor der Fußball-WM in Russland Angst einzujagen, nehmen inzwischen groteske Formen an. Der Kommentator Wladimir Kornilow hat entsprechende Medienberichte analysiert und Schlüsse daraus gezogen.

    Angefangen hat damit die britische Boulevardzeitung „The Daily Mirror“. Das Blatt schob vor einigen Tagen den jüngsten Angriff auf „Liverpool“-Anhänger in Kiew russischen Fans in die Schuhe. Andere britische Zeitungen griffen diese Meldung auf.

    Die Begründung: Die Angreifer sprachen Russisch. Dass die Mehrheit der Bevölkerung in Kiew Russisch spricht, ist den britischen Medien wohl nicht bekannt.

    Das Thema wurde dann von „The Daily Mail“ aufgegriffen, die englische Fans vor russischen „Schlägern“ warnte, die den englischen Fußball-Anhängern „die Hölle heißmachen“ würden.

    Die Boulevardzeitung „The Daily Star“ gab ihren Senf dazu und zitierte den Parlamentsabgeordneten Chris Bryant. Dieser soll englische Fans gewarnt haben, dass sie bei der WM mit Sicherheit von „korrupten russischen Polizisten“ gefoltert werden. Bryant ist übrigens derjenige, der dem britischen Außenminister Boris Johnson vor dessen Reise nach Russland geraten hatte, dort Wodka, Frauen und Fahrstühle zu meiden. „The Daily Mail“ geht aber noch weiter:

    „Russische Fußball-Hooligans drohen, schwule und Transgender-Fans aus England abzustechen“. Das Blatt fügt ohne weiteres hinzu, dass die russische Gesellschaft „intolerant bleibt“. 

    Interessanterweise wurden all diese Meldungen innerhalb der letzten drei oder vier Tage veröffentlicht. Dazu kommt noch das, was in den vorigen Monaten zu dem Thema veröffentlicht wurde.

    Die britische Presse liebt Horror-Geschichten darüber, was mit Vertretern anderer Rassen und nationaler Minderheiten in Russland passiert. Besonders tut sich dabei die BBC hervor: Seitdem Russland zum Gastgeberland für die WM 2018 erklärt wurde, tritt der Staatssender dieses Thema breit.

    Diese Woche hat die BBC eine neue Sendung unter dem Namen „Schwarz sein in Russland“ ausgestrahlt. Sie wurde zum meistgeklickten Beitrag auf der Webseite des Senders. Die Macher haben offensichtlich versucht, den Teilnehmern Geschichten zu entlocken, welche die unabwendbare Gefahr für englische Fans in Russland bestätigen würden.

    Dabei mussten sie sich aber richtig abmühen: Der Großteil der Befragten soll so etwas in Russland nicht erlebt haben. Mehr noch, ein russischer Bürger nigerianischer Herkunft, Samson Schalodemi, hatte die Frechheit, zu behaupten: „In Russland gibt es keine Probleme mit Rassismus.“

    Doch die BBC-Leute gaben nicht auf und erklärten den Zuschauern: „Dunkelhäutige in Russland begreifen in der Tat nicht, dass sie in gewissem Sinne gebrandmarkt sind“. Also haben die Menschen mit nicht weißer Hautfarbe, die in Russland aufgewachsen sind, aus Sicht der britischen Presse einfach noch nicht begriffen, in welch einem fremdenfeindlichen Land sie leben.

    Für mehr Effekt werden die Aufnahmen in der Sendung mit „richtigen“ Untertiteln versehen. So wird beispielweise die saubere Moskauer U-Bahn gezeigt. Plötzlich tauchen die Untertitel auf: „Viele Opfer von rassistischen Verbrechen sagen, dass das in öffentlichen Verkehrsmittel passiert ist“. Das heißt: Dunkelhäutige englische Fans sollten sich in der Moskauer U-Bahn gefälligst nicht blicken lassen.  Allerdings hat der Sender keines dieser „vielen Opfer“ gezeigt.

    Auch der Umgang mit der Statistik ist freizügig: „Mindestens 71 rassistische Attacken wurden in Russland 2017 registriert“, warnt BBC unter Berufung auf die  Nichtregierungsorganisation Sowa. Doch in dem entsprechenden Bericht heißt es, dass es im vergangenen Jahr 28 „ethnisch motivierte“ Angriffe gegeben habe. Bei 71 handelt es sich wiederum um die Gesamtzahl der Verbrechen, welche diese Organisation als „rassistisch und neonazistisch motiviert“ einstuft. Dazu gehören Zusammenstöße zwischen rechtsextremen Gruppierungen mit der Antifa. Zu diesen Übergriffen wird auch die nicht zustande gekommene Vorführung des ukrainischen Films über den Donbass gezählt, die von Aktivisten unterbrochen wurde.

    Dabei wurden in den letzten zwölf Monaten laut der offiziellen Statistik allein in England und Wales 62 rassistisch motivierte Verbrechen registriert.

    In den letzten zwölf Monaten haben solche Straftaten in Großbritannien fast um 30 Prozent zugenommen, so Kornilow. Und in Russland, und das habe sogar Sowa eingestehen müssen, sei ein deutlicher Rückgang der Zahl fremdenfeindlicher Verbrechen zu beobachten.

    Doch man sollte sich natürlich trotzdem vor Russen fürchten: Von ihnen geht nach Darstellung der britischen Medien die größte Gefahr für Dunkelhäutige aus. Allerdings scheinen die Dunkelhäutigen selbst nichts davon zu wissen. Vielleicht schauen sie einfach die BBC nicht.

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    Tags:
    Medienhetze, Dunkelhäutige, Vorwürfe, Fans, Medienattacke, Gefahr, Schwule, Hooligans, Rassismus, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußball-WM 2018, The Daily Mirror, The Daily Star, BBC, Liverpool, Großbritannien, Kiew, Russland, Ukraine