07:18 20 Juli 2018
SNA Radio
    Pjotr Pawlenski

    Einst gefeierter „Putin-Gegner“ in Frankreich als psychisch-krank eingesperrt

    © Sputnik / Andrej Stenin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    81813

    Der russische Aktionist Pjotr Pawlenski kann in Frankreich nur dann kontrolliert werden, wenn ihm die Freiheit genommen wird. Zu solchem Schluss ist das Gericht in Frankreich gekommen, nachdem ein Psychiater einige psychische Störungen und zugleich Besonderheiten seiner Persönlichkeit diagnostiziert hatte.

    Die Fachleute behaupten, Pawlenski habe „fixe Wahnideen“, „Grenzstörungen der Persönlichkeit“ mit narzisstischen Begründungen, den „Wunsch, gegen das Gesetz und die von ihm vorgesehenen Einschränkungen zu verstoßen“, sowie ein hohes Rezidivrisiko, teilt die BBC mit.

    Zuvor hatte der berühmt-berüchtigte Künstler seine Aktionen in Russland durchgeführt. Er nagelte seine Testikeln auf den Roten Platz, nähte sich die Lippen zu, schnitt sich die Ohrläppchen ab und legte Feuer am Hauptportal des FSB-Geheimdienstgebäudes.

    Die Bilder von dem nackten Mann, der am Tag der Polizei vor dem Lenin-Mausoleum seine auf das Kopfsteinpflaster getackerten Hoden betrachtet, waren um die Welt gegangen. Nach eineinhalb Stunden wurde Pawlenski zunächst in ein Spital gebracht. Eine stationäre Behandlung lehnte der Polit-Künstler ab, die Nacht verbrachte er auf der Polizeiwache.

    Mit seinen Kunstaktionen sorgt Pjotr Pawlenski weltweit für Aufsehen und hat sogar politisches Asyl in Frankreich erhalten. Für seine letzte bizarre Performance scheinen Pariser Polizisten aber wenig Verständnis zu zeigen.

    Das russische psychiatrische Expertengutachten hatte ihn als zurechnungsfähig anerkannt.

    Pawlenski selbst ist vor einem Jahr mit seiner Ehefrau und zwei Kindern nach Frankreich abgereist, da er überzeugt ist, dass er in seinem Heimatland ungerechten Verfolgungen ausgesetzt sei.

    In Frankreich hat der Künstler beschlossen, ebenfalls eine „Aktion“ in seinem Stil zu veranstalten: Er setzte eine französische Bank am Place de la Bastille in Paris in Brand. Pawlenski wurde sofort von der Polizei festgenommen.

    Nach der französischen Gesetzgebung kann er 10 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tausend Euro bekommen, wobei die Brandstiftung der Tür des Hauptportals des russischen Geheimdienstes FSB an der Lubjanka in Moskau Pawlenski eine Geldstrafe in Höhe von 500 Tausend Rubel gekostet hatte, die er zudem abgelehnt hatte, zu bezahlen.

    Der Aktionist befindet sich seit Oktober 2017 in Haft. Dieser Tage war bekannt geworden, dass die Inhaftierung von Pawlenski fristlos geworden sei – bis zur Gerichtsentscheidung zu dieser Sache.

    Diese ganze Zeit wird er sich in einer Einzelzelle befinden, ohne das Recht auf Spaziergänge mit anderen Häftlingen zu haben.

    Der Hauptgrund, warum beschlossen wurde, Pawlenski fristlos bis zum Gerichtsurteil in Haft zu lassen, ist das oben genannte Gutachten des Psychiaters geworden.

    Darüber hinaus wurden vom Richter auch die Tatsachen berücksichtigt, dass der Aktionist keine Arbeit, kein Bankkonto und keine ständige Wohnadresse in Frankreich habe. Auf solche Weise – so die französischen Richter – existiere ein großes Risiko, dass er der Rechtsprechung entfliehen könne, da ihn in Frankreich nichts aufhalte.

    Das letzte Mal hatte die Gefährtin und Ehefrau des Künstlers, Oxana Schalygina (sie wurde auch wegen der Brandstiftung des Bankgebäudes in Frankreich festgenommen, aber im Januar freigelassen), Pawlenski am 8. Juni in der Haft besucht. „Er ist in einer ausgezeichneten physischen Form, ist munter und fröhlich“, schrieb Schalygina auf ihrem Facebook-Account über dieses Wiedersehen. Da stand auch, dass die Haftfrist für Pawlenski bis zur Hauptgerichtssitzung zu seinem Verfahren verlängert worden sei.

    Im Mai 2013 hatte Pawlenski neben Elementen der Selbstverletzung bereits nackte Tatsachen bei einer Kunst-Aktion eingesetzt: Vor einem Regierungsgebäude in Sankt Petersburg wickelte er sich ohne Kleidung in eine Rolle Stacheldraht. Diese Performance sollte das „menschliche Dasein in einem repressiven System“ darstellen, „wo jede Bewegung eine harte gesetzliche Reaktion hervorruft, die sich in den Körper des Individuums bohrt.“

    Zum Thema:

    Russischer „Oppositionskünstler“ Pawlenski zündet Pariser Zentralbank an - Foto
    Pawlenski: Künstler oder doch Psychopath?
    Geheimnisvollster Street-Art-Künstler: Identität von Banksy aufgedeckt? – VIDEO
    Verfolgte russische Künstler: Trügerische Helden in deutschen Blättern
    Tags:
    Aktionist, psychisch krank, Grenzstörungen der Persönlichkeit, fixe Wahnideen, Gerichtsentscheidung, französische Bank, Gericht in Frankreich, FSB, BBC, Facebook, Oxana Schalygina, Pjotr Pawlenski, Wladimir Putin, Lubjanka, Paris, Frankreich, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren