05:06 24 Oktober 2018
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    Polizeiwagen vor der Fanzone in Berlin

    9 Haftbefehle vollstreckt, 5 vermisste Kinder entdeckt – Polizeifahndung in Berlin

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
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    Andreas Peter
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    Auf fünf stark frequentierten Berliner Bahnhöfen fanden am Wochenende Kontrollen der Polizei statt. Dabei wurden u.a. Waffen sichergestellt, neun Haftbefehle vollstreckt und fünf vermisste Minderjährige entdeckt. Doch die Gewerkschaft der Polizei in Berlin, sieht die Aktion mit eher gemischten Gefühlen.

    Die Ankündigung von Deutscher Bahn und Bundespolizei kam rechtzeitig genug und wurde multimedial verbreitet. Insofern erstaunt es schon ein wenig, dass die Kontrollen am vergangenen Wochenende zu mehreren Festnahmen und etlichen Sicherstellungen von Waffen führten. Vor allem das Auffinden von als vermisst gemeldeten Minderjährigen beschäftigte die hauptstädtischen Medien intensiv. Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin war weniger überrascht. Er erklärte Sputnik auf Nachfrage kurz und bündig:

    „Wir haben jährlich hohe vierstellige Zahlen an vermissten Minderjährigen. Und da muss man ganz ehrlich sein. Wenn man kontrolliert, gerade auch in einer in Berlin sehr zentralen Bahnstrecke, dann sollte es nicht überraschen, dass man dann auch mal jemanden kriegt, den man eigentlich sucht.“

    Kontrollwochenende in Berlin offenbart bedenklichen Allgemeinzustand

    Jendro widerspricht der vorherrschenden Charakterisierung der Berliner Kontrollaktion vom Wochenende als „positive Bilanz“. Alleine die Tatsache, dass es sieben Fälle von zum Teil erheblichem Widerstand gegen Vollzugsbeamte gegeben habe und ganz generell die Zahl der festgestellten Straftaten zeigen weniger eine positive Bilanz als vielmehr einen bedenklichen Allgemeinzustand:

    „Was die Bundespolizei dort in Verbindung mit der Bahn am Wochenende gemacht hat, das war vielleicht mal notwendig, um auch zu zeigen, wieviel Gefahren eigentlich gerade im Öffentlichen Personen- und Nahverkehr lauern und wie wichtig es wäre, einen dauerhaften Druck durch Polizeipräsenz auch im ÖPNV zu bringen. Weil, letztlich muss man sich fragen, was bleibt jetzt? Man hatte ein Wochenende mit hohen Fallzahlen. Jetzt muss man sehen, wie nachhaltig diese Aktion war.“

    Und da konstatiert bzw. prognostiziert Benjamin Jendro wenig Erbauliches. Denn Aktionen wie die vom letzten Wochenende sind personalintensiv. Alleine wegen dieses Umstandes kann Jendro schon jetzt voraussagen, dass in absehbarer Zeit eine derartige oder auch nur annähernd gleichwertige Kontrolldichte und damit ein erforderlicher kontinuierlicher Ermittlungsdruck gar nicht zu realisieren ist:

    „Wenn man nur mal auf Berlin schaut. Das ist eine Metropole in Europa. Das ist die Hauptstadt. Und wir haben heute so viele Polizisten auf der Straße in Berlin wie im Jahr 2001. In der Zeit ist aber die Bevölkerung einfach mal um 400.000 Menschen gewachsen, zudem sind die Touristenzahlen hochgegangen.“

    Die zwingende Folge, so Jendro, Priorisierung. Das heißt übersetzt. Die Polizei muss sich wegen Personalmangels jeden Tag entscheiden, welches angezeigte Delikt, welcher Einsatz im betreffenden Augenblick der wichtigere ist. Und das bedeutet, dass man sich im Zweifel wegen eines Diebstahls oder Einbruchs einige Zeit gedulden muss, weil die Polizei in ihrer wegen sklavischen Sparwahns grassierenden Personalnot anderen Anzeigen und Hilferufen den Vorrang gibt. Weshalb Benjamin Jendro das Wochenende der verstärkten Kontrollen auf Berliner Bahnhöfen als Weckruf an die Politik verstehen will, weil es gezeigt hat:

    „dass man, wenn man aktiv ist, wenn man das nötige Personal dafür freischaufelt, dass man dann auch Erfolge erzielen kann. Und ich glaube, das ist ein deutliches Zeichen und das sollte auch Politikern sehr schnell klarmachen, dass wir eine erhöhte Polizeipräsenz nicht nur im ÖPNV, sondern generell auf der Straße brauchen.“

    Das vollständige Gespräch mit Benjamin Jendro von der GdP Berlin zum Nachhören hier:

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    Tags:
    Razzia, Polizei, Fahndung, Berliner Landeskriminalamt (LKA), Polizeigewerkschaft GdP, Benjamin Jendro, Berlin, Deutschland