12:46 19 Oktober 2018
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    Spione mit Bundestagsmandat gesucht: China versuchte MdB-Anwerbung – SZ

    CC BY-SA 2.0 / Susanne Nilsson / Bundestag at Sunset
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    Ein chinesischer Geheimdienstler hat versucht, einen Abgeordneten des Deutschen Bundestages anzuwerben. Darüber berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Verweis auf die mit dem Vorgang vertraute Personen.

    Die Geschichte ereignete sich demnach im Sommer 2016. Ein Mann, der sich als chinesischer Manager Jason Wang vorstellt habe, soll über das soziale Netzwerk LinkedIn Kontakt mit einem Unionsabgeordneten, der in seiner Fraktion „eine nicht unwichtige Rolle" spiele, aufgenommen haben. Er habe dessen Expertise gelobt und ihm vorgeschlagen, „Analysen" zu liefern. Als Einstiegsprämie soll er mindestens 30.000 Euro angeboten haben. Das Online-Profil des Chinesen habe davon gezeugt, dass er mit anderen deutschen Politikern und angesehenen Forschern vernetzt sei.

    Der Abgeordnete habe Interesse bekundet und dem Vorschlag zugestimmt. Zunächst sei es bei dem Nachrichtenaustausch lediglich „allgemein um Außenpolitik" gegangen. Dann auch „um brisantere Fragen, um Details aus dem Politikbetrieb". Bevor aber Geld geflossen sei, sollen Beamte des Bundesverfassungsschutzes eingegriffen und den Abgeordneten vor der Gefahr gewarnt haben.

    Der Zeitung sei auch eine zweite Geschichte bekannt geworden, die erfolgreiche Aktivitäten der chinesischen Nachrichtendienstler im deutschen Bundestag schildern soll. Laut Sicherheitsexperten ist es chinesischen Agentenführern gelungen, einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin eines anderen Abgeordneten zu den Auftraggebern nach China zu locken: Er oder sie ist demzufolge mehrmals dorthin geflogen, hat mehrere Analysen im Bereich des deutschen Parlaments gemacht und dafür insgesamt 10.000 Euro erhalten. Der Kontakt sei ebenfalls über „Jason Wang" geknüpft worden, eine offensichtlich erfundene Figur, hinter der die chinesische Staatssicherheit stecken soll.

    Laut der Zeitung gibt es in dem Karrierenetzwerk LinkedIn mindestens 500 gefälschte Profile, die im Auftrag der Geheimdienstler für die Anwerbung deutscher Beamter und Politiker geschaffen worden sind. Auf den Profilfotos seien in Wahrheit asiatische Schauspieler oder Models dargestellt.

    Das Ziel derartiger Kontakte bestehe darin, deutsche Beamte zu einem Besuch nach China zu bewegen, dort ihre Handys und Laptops mit Viren zu infizieren und sie vor allem unter Druck zu setzen.

    Das Bundeskanzleramt hat die chinesischen Spione als viel gefährlicher als russische Hacker eingestuft, so die Zeitung. Denn China sei bestrebt, langfristig steuernden Einfluss zu gewinnen, was am Ende viel bedrohlicher sei.

    Im Dezember 2017 hatte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, vor einem „breit angelegten Versuch der Infiltration insbesondere von Parlamenten, Ministerien und Behörden" gewarnt.

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    Tags:
    Staatssicherheit, Spionage, Spion, Anwerbung, Abgeordneter, Geheimdienstagenten, Geheimdienst, Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), Bundestag, Hans-Georg Maaßen, China, Deutschland