08:07 22 August 2018
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    Vergiftung in Amesbury

    „Intransparent“: Russische Botschaft kritisiert Ermittlung der Amesbury-Vergiftung

    © REUTERS / Henry Nicholls
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    Die russische Botschaft in London hat das von Großbritannien vorgeschlagene Verfahren der „Verifikation“ des in Amesbury gefundenen Nervengifts einer Kritik unterzogen. Laut einem Sprecher der Botschaft verstößt dieses Verfahren gegen die Mechanismen, die in der Chemiewaffenkonvention festgeschrieben sind.

    Am Freitag hatte das britische Außenministerium mitgeteilt, Anfang nächster Woche würden in Großbritannien Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eintreffen, um den Inhalt des Fläschchen, das im Haus von Charlie Rowley in Amesbury gefunden worden war, zu analysieren.

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    „Dieses Verfahren der ‚unabhängigen Verifikation‘ des Nervenkampfstoffs, das erneut von der britischen Seite eingeleitet wurde, ist intransparent und fällt aus dem Rahmen der in der Chemiewaffenkonvention festgeschriebenen Mechanismen. Diese Initiative ist ein weiterer Schritt zur Politisierung der OPCW zum Schaden für ihren Ruf. Wir rufen die britischen Behörden erneut auf, bei den Ermittlungen offen zu sein, solange es noch möglich ist, den Schaden zu beheben, den sie bereits dem internationalen Image ihres Landes zugefügt haben“, sagte der Sprecher.

    Der Diplomat erinnerte daran, Russland habe nach dem Vorfall mit Sergej und Julia Skripal in Salisbury im März dieses Jahres mehrmals vorgeschlagen, die in der Konvention festgeschriebenen Mechanismen für eine gemeinsame Ermittlung zu verwenden.

    „Die britische Seite hat jedoch jegliche Zusammenarbeit mit uns abgelehnt, keine deutlichen Antworten auf unsere berechtigten, vernünftigen und informativen Fragen gegeben. Stattdessen hat sie weiter gegen Russland unbegründete Anschuldigungen erhoben und dabei den Buchstaben und den Sinn der Chemiewaffenkonvention untergraben“, sagte der Diplomat.

    Die 44-jährige Britin Dawn Sturgess und ihr 45-jähriger Partner Charlie Rowley waren am 30. Juni in der britischen Stadt Amesbury mit starken Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Scotland Yard erklärte kurz darauf, das Paar sei mit „Nowitschok“ vergiftet worden – demselben Giftgas, das angeblich bei dem Anschlag auf den ehemaligen russischen GRU-Agenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia eingesetzt wurde.

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    Der Ex-Agent des russischen Militärgeheimdienstes GRU und Überläufer Sergej Skripal sowie seine Tochter Julia waren Anfang März auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Die britische Seite machte Russland für die Attacke mit dem als „Nowitschok“ bekannten chemischen Kampfstoff A234 verantwortlich. Moskau wies jegliche Anschuldigungen zurück.

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    Tags:
    Chemiewaffenkonvention, Kritik, Ermittlung, Vergiftung, Russische Botschaft in London, OPCW, Amesbury, Großbritannien, Russland