18:09 15 Dezember 2018
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    Yared Dibaba, Mike Büskens, Bürgermeister Helfried Goetz und Peter Großmann (v.l.n.r.)

    Wo Rußland und die USA sich auf dem Wasser bekriegen

    © Foto : Touristik-Information Friedeburg
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    Matthias Witte
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    Etwa zweitausend Kilometer Luftlinie trennen Moskau und Ostfriesland. Hier wie dort wurde die Fußball-Weltmeisterschaft heftig gefeiert. Grund: In Ostfriesland gibt es ein Rußland. Und nicht nur das: Direkt nebenan liegt Amerika.

    „Rußland“ (so die korrekte Schreibweise) und „Amerika“ sind ziemlich dünn besiedelt. Es sind Bauernschaften. Beide gehören zur Gemeinde Friedeburg in Ostfriesland. Wie die Orte zu ihren Namen gekommen sind, dazu gibt es verschiedene Geschichten, wie Helfried Goetz, der Bürgermeister von Friedeburg, berichtet.

    „Eine Theorie sagt, dass die Landschaft ganz einfach an Russland erinnerte. Eine andere basiert auf einem Mann, der seinem Wesen nach an einen Russen erinnert. Die wahrscheinlichste Theorie hat gar nichts mit Russland zu tun. Demnach soll in der Gegend ein Köhler gelebt haben, der Kohle hergestellt hat. Diese Arbeit ist mit sehr viel Ruß verbunden, so dass aus dem rußigen Land eben Rußland wurde“, erklärt der Bürgermeister.

    Amerika in Ostfriesland

    „Bei Amerika ist das ein bisschen anders. Im 19. Jahrhundert sind viele Menschen in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Die, die kein Geld dazu hatten, haben in der Gemeinde eine Heidelandschaft besiedelt und diese ganz einfach ‚Amerika‘ genannt.“ So sind die ostfriesischen Varianten von Russland und Amerika nur durch einen Zaun, eine Kuhwiese oder einen Graben voneinander getrennt. Das funktioniert offenbar ohne Probleme:

    „Ich bin ganz froh, dass der Bezug zur aktuellen Weltpolitik nicht immer zu ziehen ist. Die Russen und Amerikaner hier in Friedeburg verstehen sich ausgesprochen gut.“

    Allerdings nicht immer. Es gibt einen sportlichen Wettkampf, der so gar nichts mit Fußball zu tun hat, aber mindestens genauso ernsthaft praktiziert wird: Das sogenannte Fischer-Stechen. Das findet auf einem See statt. Beiden Teams steht jeweils ein Kanu zur Verfügung. Dieses wird durch je drei Personen besetzt. Zwei sind an den Paddeln und die Dritte steht im Boot.

    Yared Dibaba und Fans
    © Foto : Touristik-Information Friedeburg
    Yared Dibaba und Fans

    „Mit Hilfe einer langen Stange versuchen sich die beiden Kontrahenten beim Vorbeifahren, gegenseitig ins Wasser zu schmeißen“, erklärt Goetz. Wer stehenbleibt, gewinnt. Selbst hat der Bürgermeister dieses Gefecht bisher gemieden: „Ich habe als Bürgermeister immer das Glück gehabt, auf dem Trockenen zu bleiben und mich um die Verteilung der Preise zu kümmern.“

    Einen WM-Pokal gibt es zwar nicht zu gewinnen. Immerhin bekommen die Verlierer einen Energy-Drink und die Gewinner „Ruhm un Ehr´“, wie es in Ostfriesland heißt: je eine Flasche Rum und Weizenkorn. Das nächste Fischer-Stechen findet Mitte August statt.

    Fernsehsendung „wie aus dem eigenen Garten“

    Gerade zu Ende gegangen ist die Fußball-WM im großen Russland. Auch im kleinen ostfriesischen Rußland war einiges los. Die ARD hat von hier aus regelmäßig ihr Morgenmagazin übertragen. „Da sind einige Stars nach Ostfriesland gekommen, wie etwa Heinz-Rudolf Kunze, die Rockgruppe Madsen oder Adel Tawil“, berichtet Goetz. Ganz besonders wird ihm aber das Engagement der Friedeburger in Erinnerung bleiben – sowohl der Russen als auch der Amerikaner:

    „Die Nachbarschaften haben sich einen Riesenspaß draus gemacht. Sie haben ihre Vorgärten dekoriert, russisch gekocht und so ihre Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in Russland ausgedrückt. In unserem Heimatmuseum gab es zudem eine Matrjoschka-Ausstellung. Die Leute haben alle mitgemacht.“

    Selbst das frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft tat der Stimmung in Ostfriesland keinen Abbruch. „Einen echten Russen hatten wir übrigens nicht zu Besuch, das kann aber noch kommen“, sagt Goetz.

    Kommen wird auf jeden Fall die nächste und dann vor allem die übernächste Weltmeisterschaft. Der Bürgermeister freut sich schon: „In acht Jahren ist die WM in Amerika (USA, Kanada und Mexiko, Anm. d. Red.). Da werden wir wieder vorbereitet sein, keine Frage.“

    Das komplette Interview mit Bürgermeister Helfried Goetz finden Sie hier:

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    Tags:
    Fußball-WM, Heinz-Rudolf Kunze, Helfried Goetz, Adel Tawil, Moskau, Ostfriesland, Friedeburg, Russland, Mexiko, Kanada, Amerika, USA