16:34 13 Dezember 2018
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    Hilfe – die „Hundstage“ haben begonnen! So können Sie sich schützen

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    Valentin Raskatov
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    Am Montag haben die Hundstage begonnen – eine „ungute Zeit“, wie der Volksglaube besagt. Allerhand Gefahren werden in dieser Zeit verortet. Dabei hatte sie ursprünglich einmal nur etwas mit der fruchtbaren Nilschwemme zu tun.

    Die Hundstag streichen her mit Macht

    Drumb hab ich meiner fleissig acht

    (1605)

    Seit Montag ist es amtlich: Die Hundstage haben begonnen. Das bedeutet nicht etwa, dass der Hund an diesen Tagen besonders verehrt wird. Vielmehr kann es den Menschen in dieser Zeit leicht hundselend ergehen – zumindest nach dem Volksglauben. Denn die besonders heiße Zeit um die Hundstage hat zu einigen sinnvollen und anderen recht phantasiereichen Regeln geführt, die der Ethnologe Rainer Wehse vom Institut für Volkskunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegenüber Sputnik aufgezählt hat.

    Dinge, die man vermeiden sollte:

    1. Kein kaltes Wasser trinken, das ist gefährlich.

    2. Nicht baden, da das Wasser giftig ist und man ertrinken kann.

    3. Keine großen Unternehmungen durchführen.

    3. Bloß kein Aderlass, das Blut gerinnt in dieser Zeit nicht!

    4. Kein Holz hacken, es brennt nicht!

    5. Nicht in der Zeit heiraten, das führt zu schlimmen Ehen.

    Dinge, die (leider) einfach so auftreten:

    1. Plötzlicher Haarausfall,

    2. Der Wein verdirbt oder gerät nicht gut,

    3. Mondsüchtige ziehen umher, und die Tollwut vermehrt sich ungehemmt.

    Dinge, die „gut zu wissen“ sind:

    1. Im Hundsstern Geborene sind unglückliche Menschen, leider.

    2. Hundstage sind Wetterdienste, wie sich hier zeigt: „Hundstage hell und klar zeigen an ein gutes Jahr“

    3. Albanien-Spezial: In den schwülen und heißen Nächten in dieser Zeit kommen Poltergeister, weibliche Hexen und unsichtbare Wesen in die Häuser der Menschen und bringen alles durcheinander. (Ob das noch heute so ist, war sich der Ethnologe nicht sicher.)

    Ursprüngliche Bedeutung war nicht so wild

    Den Namen verdanken die Hundstage dabei dem sogenannten „Hundsstern“, hebt Wehse hervor. In der Astronomie ist der Stern auch als Sirius oder Alpha Canis Majoris bekannt. Dieser geht vom 14. Juli bis zum 11. September mit der Sonne am Osthorizont auf, sichtbar ist er allerdings nur vom 22. Juli bis zum 23. August. In dieser Zeit ist er der hellste Fixstern am Nachthimmel. Die Dauer der Hundstage variiert von Region zu Region, beträgt aber meist vier Wochen.

    Bei den Alten noch nützliches Wissen

    Das Wissen um diesen Stern nutzten bereits die alten Ägypter. Bei ihnen war die Zeit noch positiv besetzt, weiß der Ethnologe zu berichten. Damals ging es um die alljährliche Nilflut und die Öffnung der Schleusen zum richtigen Zeitpunkt. Denn dann trug der angeschwollene Nil den fruchtbaren Schlamm in die Felder Unterägyptens hinaus – was eine gute Ernte sicherte. Damals hieß der Stern auch Sobdet, nach der altägyptischen Göttin des Wohlstands.

    Aberglaube hält Einzug

    Dr. Rainer Wehse
    © Foto : privat
    Dr. Rainer Wehse

    Der Name Sirius dagegen stammt aus dem Griechischen und bedeutet dort „der Flammende“. Es geht entsprechend vor allem um die Hitze des Hochsommers und ihre Folgen. Der griechische Arzt Hippokrates besetzte in dem Zug die „Hundstage“ negativ und stellte die Regeln auf: sich bloß nicht waschen, wenig Nahrung zu sich nehmen und keinen Müßiggang treiben.

    So verwandelten sich die fruchtbaren Tage Ägyptens in die Unglückszeit. Vor allem das Badeverbot kann in der heißen Zeit einen vernünftigen Grund haben, denn dann vermehren sich Bakterien in stehenden Gewässern besonders schnell, und es kann in der Tat zu Vergiftungen kommen. Was aber einige Inhalte des Volksglaubens betrifft, muss man aber doch sagen: So ein armer Hund, dieser Hundsstern.

    Das Interview mit Dr. Rainer Wehse in voller Länge:

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    Tags:
    Poltergeist, Hundsstern, Aberglaube, Hund, Wetter, Hundstage, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Rainer Wehse, Ägypten, Griechenland