07:19 17 November 2018
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    Temperatur-Rekorde: Werden 38 Grad in Deutschland zukünftig die Regel?

    © AFP 2018 / DPA/ Hendrik Schmidt
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    Seit den 1960er Jahren werde es in Deutschland durchschnittlich alle 30 Jahre ein Grad wärmer, erklärt der Meteorologe Peter Hoffmann. Im Vergleich zu den 80ern haben wir schon doppelt so viele Hitzetage pro Jahr. Problematisch seien aber nicht Rekorde, sondern die lange Phase von Wärme, verbunden mit Trockenheit. Auch verregnete Sommer nehmen zu.

    Über 30 Grad Celsius über mehrere Tage. Eine „tropische Nacht“ mit über 20 Grad hat das Land bereits erlebt. In Hamburg wurden in der Nacht auf Mittwoch 23, im Saarland 22 und in Berlin 20 Grad gemessen. Den Höhepunkt der Hitzewelle erwarten Meteorologen für Donnerstag. Dann soll es in Teilen Deutschlands 38 Grad heiß werden.

    Wärmere Sommer werden häufiger

    Auch die Monate vor der aktuellen Hitzewelle waren schon überdurchschnittlich warm. Der Klimaexperte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erläutert:

    „Man kann die Einzelereignisse nicht dem Klimawandel zuordnen, man kann sie aber einordnen. Man schaut sich lange Beobachtungsreihen an und kann darin gewisse Tendenzen sehen. In Deutschland sehen wir, dass die Jahresmitteltemperatur seit den 1960er Jahren im Schnitt um ein Grad pro 30 Jahre angestiegen ist. Das hat Folgen: Warme Jahre nehmen zu. Die Monate werden im Durchschnitt eher zu warm als zu kühl, und hier und da werden neue Hitzerekorde gebrochen. Hitzetage, Tage über 30 Grad, sind bereits jetzt häufiger geworden. Gegenüber den 80er Jahren haben sie sich fast verdoppelt.“

    Was aktuell noch als ungewöhnlich warmer Sommer gilt, könnte in rund 30 Jahren ein ganz normaler Durchschnittssommer sein. Dazu haben Wissenschaftler vom PIK Klimamodellsimulationen durchgeführt.

    Doch nicht nur wärmere Sommer nehmen zu. Letztes Jahr, 2017, gab es Rekordniederschläge, vor allem im Osten der Republik. „Berlin ist zweimal regelrecht an den Wassermassen ersoffen“, so Hoffman. Er erklärt, dass mit diesen Extremen nun vermehrt zu rechnen sei. Einerseits starke Niederschläge: innerhalb kürzester Zeit enorme Regenmengen, aber auch langandauernde Regenphasen. Auf der anderen Seite Sommer wie der jetzige: lang andauernde Trockenheit – sogar über mehrere Wochen bis Monate.

    Je später reagiert wird, desto teurer

    Die hohen Temperaturen würden die Verdunstung begünstigen. Am Ende steuert das Land auf dürreähnliche Zustände hin. Das habe natürlich Folgen, in erster Linie für die Landwirtschaft: Ernteeinbußen. Sich daran anzupassen kann teuer werden, sagt Hoffmann:

    „Wir haben ein ‚Weiter-so-Szenario‘ mit einem ‚Klimaschutz-Szenario‘ verglichen. Da sieht man, was man vermeiden kann, wenn man jetzt beginnt, massiv den Klimaschutz voranzutreiben. Macht man das nicht, werden Extreme der Vergangenheit in Zukunft – zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts – dann zur Normalität. Die Kosten, um sich dann anzupassen, sind ungleich größer, als wenn man jetzt auf Klimaschutz setzen würde.“

    Kohlendioxyd, also CO2, ist einer der Faktoren für den Klimaanstieg. In den letzten Jahrzehnten sei der Gehalt des Treibhausgases in der Luft durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe angestiegen. Deshalb sei es notwendig, dort stärkere Klimaschutzbemühungen voranzutreiben, um am Ende das Pariser Abkommen einhalten zu können.

    Gerade Großstädte wie Berlin könnten vom Klimawandel extrem betroffen werden: Dort ist es heißer als im Umland. Anpassungsmaßnahen sind laut Hoffmann aufwendiger:

    „Der Wärmeinseleffekt hat vor allem auf Ballungszentren eine Wirkung. Im Umland ist es immer kühler als in dicht besiedelten Gebieten. Das Problem neben der Hitze sind die lokalen Starkregenereignisse. Um eine Großstadt umzubauen oder für neue Niederschlagsmengen zu konzipieren, sind enorme Kosten notwendig. Man muss zum Beispiel das Abwassersystem anpassen. Da sind kleine Veränderungen nicht ausreichend.“

    Das komplette Interview mit Peter Hoffmann zum Nachhören:

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    Tags:
    Rekord, Hitze, Wetter, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Peter Hoffmann, Saarland, Hamburg, Berlin, Deutschland