05:33 24 Oktober 2018
SNA Radio
    Premiere des Filmes Star Wars: The Force Awakens in London, 2015 - auf dem Foto in d. M.: Darth Vader

    Star Wars: „Raffinierter Kampf zwischen Gut und Böse“

    © AP Photo / Joel Ryan/Invision
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Alexander Boos
    6168

    Die „Star-Wars“-Reihe zählt zu den einflussreichsten und beliebtesten Science-Fiction-Werken der Filmgeschichte. „Das liegt an der komplexen Erzählweise und den vielschichtigen Figuren“, erklärt Film-Experte Andreas Rauscher gegenüber Sputnik. Die Macher des neuesten „Star Wars“-Films kündigen an, Szenen im Weltall drehen zu wollen.

    „Auf der ersten unmittelbaren Ebene ist Star Wars eine Comic-Variation, ein märchenhafter Konflikt zwischen Gut und Böse“, sagte Andreas Rauscher, Medienwissenschaftler und Experte für Medienästhetik an der Universität Siegen, im Sputnik-Interview. Doch es bleibe nicht bei dieser einfachen Gegenüberstellung, sondern „es kommen raffinierte Anspielungen auf die Filmgeschichte dazu“.

    Durch die Fortsetzung „Das Imperium schlägt zurück“ von 1980 werden die Positionen von Gut und Böse ambivalent und relativiert. „Als sich dann herausstellt, dass der oberste Schurke, Darth Vader, der Vater von Luke, dem Helden, ist, bekommt das Ganze eine zusätzliche, psychologisch ausdifferenzierte Dimension.“ Diese Eigendynamik sei ein faszinierendes Element der Filmreihe. Das gehe vom Anspruch her über einen Märchen-Film hinaus. Daher sind die Werke nicht nur bei jüngeren Zuschauern, sondern auch beim älteren Publikum sehr beliebt.

    Hommage an alte Science-Fiction-Serien

    Dem Macher von Star Wars, George Lucas, „ging es ursprünglich darum, dass er eine Hommage an die alten Science-Fiction-Serien der 30er Jahre drehen wollte. Gleichzeitig kamen aber auch alle möglichen anderen Elemente rein. Und das machte die Filme für ein größeres Publikum bekannt. George Lucas gehört genauso wie Steven Spielberg oder Stanley Kubrick zu den Regisseuren des ‚New Hollywood‘. Sehr versierte Regisseure, die sich zugleich von den traditionellen Erzählweisen der Studios wegbewegten.“

    >>Mehr zum Thema: Eine Zukunft, die es nicht gab: 10 unerfüllte Prognosen von Arthur Clarke

    Filmhistorisch stehe außer Frage, dass die ersten drei Star-Wars-Filme den Bereich der Special Effects, also der Spezial-Effekte, „stark aufwerteten“. Daran hatte auch Lucas selbst seinen Anteil, als er mit seiner Trick-Firma „Industrial Light & Magic“ (ILM) Hollywood tiefgreifend prägte. Außerdem wurde der Science-Fiction-Bereich durch die Trilogie „zu einem zentralen Genre“ im US-Filmgeschäft.

    Krieg der Sterne: „Samurai-Film hat Lucas inspiriert“

    George Lucas sei überaus stark von dem japanischen Regisseur Akira Kurosawa und seinen Samurai-Epen beeinflusst. Diese Elemente integrierte er auch in die alten Star-Wars-Filme. „Der erste Star Wars von 1977 ist eigentlich ein indirektes Remake von Kurosawas Film ‚Die Verborgene Festung‘ von 1958. Ein Samurai-Abenteuerfilm, der in der Handlungsstruktur die Inspiration für Star Wars lieferte.“ Der Vergleich der beiden Kinofilme eigne sich auch sehr gut für wissenschaftliche Analysen. Rauscher gibt an der Uni Siegen Seminare, um dort mit seinen Studenten den Science-Fiction-Kult wissenschaftlich zu untersuchen.

    „Die Rolle des Obi-Wan Kenobi – die dann Alec Guiness, der bekannte britische Schauspieler übernahm – sollte ursprünglich mit Toshiro Mifune, dem Hauptdarsteller aus vielen Filmen von Kurosawa, besetzt werden“, erklärte der Wissenschaftler weiter.

    Politik, Piraten und Witz: Das alles steckt in „Star Wars“

    „Wir haben einerseits die Anspielungen auf die Samurai-Epen. Wir haben andererseits Harrison Ford als Weltraum-Pirat Han Solo, der alle möglichen Elemente aus klassischen Abenteuerfilmen verarbeitet. Wir haben spektakuläre Schlachtszenen, die die Spezial-Effekte sehr gut zur Geltung bringen. Zugleich haben wir auch eine äußerst detailliert ausgestaltete Welt, in der alle möglichen amüsanten wie ironischen Details zu finden sind: Die Darstellung der Roboter, die Zeichnung der außerirdischen Wesen, auch die Hintergründe der Galaxien.“

    Ebenso lasse sich ein politisch-gesellschaftlicher Bezug erkennen. „Wir können in der Geschichte der Rebellen, die sich mit Einfallsreichtum gegen das technokratisch-faschistische Imperium durchsetzen, durchaus auch Echos der Aufbruchsbewegungen der 60er und 70er Jahre sehen.“

    Darth Vader und Prinzessin Leia: „Ziemlich raffiniert“

    In Star Wars würden einerseits Protagonisten wie Luke Skywalker, Darth Vader und Prinzessin Leia „comic-hafte Charaktere“ sein, „andererseits hat man aber auch eine ziemlich raffinierte Weiterentwicklung der Figuren.“

    „Bei Prinzessin Leia finden sich Ansätze, die dann auch in den neuen Star-Wars-Filmen weiterentwickelt worden sind. Carrie Fisher hatte die Figur als sehr selbstbewusste Rebellin dargestellt.“ Das sei ein Hinweis auf die emanzipatorische Frauenbewegung der 70er Jahre, auf den Feminismus. „Das ist ein Ansatz, der in den ganz neuen Filmen von der Schauspielerin Daisy Ridley weitergeführt wird. Sozusagen geht man vom klassischen Klischee des Typus Prinzessin weg: Sie ist – wie man das in der Fachsprache nennt – keine ‚Damsel in distress‘ (dt.: ‚Jungfrau in Nöten‘, Anm. d. Red.), die ständig gerettet werden muss. Sondern sie ist eine Frau, die sich selbst zu helfen weiß und Machos wie Han Solo auch selbstbewusst die Stirn bietet.“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Burlesque-Show nach Idee von „Star Wars“ in Los Angeles

    Darth Vader sei eine „imposante Comic-Schurken-Gestalt. Also auch das, was man so aus James-Bond-Filmen kennt. Aber dann kommt gleichzeitig eine tragische wie komplexe Komponente hinzu, als sich herausstellt, dass er der totgeglaubte Vater der Helden ist.“

    Luke Skywalker auf „Heldenreise“

    Luke Skywalker absolviere in den Filmen die typische Heldenreise. In der Kulturwissenschaft ist diese unter dem Fachbegriff „A Hero's journey“ bekannt. Das Konzept gehe auf den US-amerikanischen Ethnologen Joseph Campbell zurück und beschreibt, dass jeder Held bei seinen Abenteuern durch verschiedene Phasen der Entwicklung gehen und verschiedene Aufgaben und Prüfungen bestehen müsse.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Star Wars VIII“: Luke Skywalker ist alt geworden und hat Angst – Medien

    Darunter falle das Verlassen des Elternhauses („Der Ruf des Abenteuers“) sowie der Endkampf gegen den Antagonisten, der oft auch als „Tod und Wiedergeburt“ bezeichnet werden kann sowie die damit einhergehende Transformation des Charakters der Hauptfigur. Insbesondere der Moment, als Luke entdeckt, dass Darth Vader sein Vater ist, kann als Schlüsselmoment für die innere Entwicklung des Helden angesehen werden.

    Episoden I bis III: „Zu viel Trick und Animation“

    „Die Prequels, also die Vorgeschichte, die in den Episoden I bis III realisiert wurden, waren von der Erzählung her sehr ambitioniert“, so Rauscher. Seiner Meinung nach wollte George Lucas ein „tragisches Drama“ erzählen, wie Darth Vader der dunklen Seite der Macht verfällt. „Das bräuchte eine komplexe Charakterzeichnung. Aber leider ist er dann daran gescheitert, dass er sich zu sehr auf sehr überladene Digital-Effekte verlassen hat.“

    So entstand in den Episoden I bis III das Problem, dass „zwar eine Polit-Parabel erzählt werden wollte – also wie sich eine demokratische Gesellschaft in ein totalitäres Imperium verwandelt – aber dass das nicht eingelöst wurde. Weil Lucas gleichzeitig eine Art Cartoon-Spektakel inszenierte.“ Viele Figuren aus diesen Episoden würden „sehr gut in einen Zeichentrick-Film passen“, aber keinesfalls der politischen Dimension der Filme gerecht werden.

    „Das Erwachen der Macht“ und „Die letzten Jedi“

    „Interessanterweise ging man eher in den neuen Filmen, die von J. J. Abrams und Rian Johnson inszeniert werden, wieder zurück zu einer Mischung aus Real-Effekten und einem nur sehr begrenzten Einsatz von Spezial-Effekten.“ Dieses Vorgehen hätte schon seit dem allerersten Teil Tradition. Damals hatte das Filmteam in der Wüste von Tunesien gedreht, um die Szenen auf dem Wüstenplaneten Tatooine mit Luke Skywalker darzustellen. „Oder dass es Abenteuer auf einem Eisplaneten gibt. Dann fährt man eben auf einen der entlegensten Gletscher Finnlands und dreht dort die Szenen.“ Das sei eine Qualität, die in den neueren Filmen wieder Eingang finde.

    Der Film-Experte fand die letzten Verfilmungen „Das Erwachen der Macht“ und „Die letzten Jedi“ äußerst gelungen: „Das ist wirklich ein interessanter Ansatz, wie tatsächlich ein Generationswechsel realisiert wird. Das hat bisher in der Filmgeschichte noch nicht allzu häufig geklappt. Meistens hat man das Modell, dass man ein Remake dreht. Aber in diesen beiden neuen Filmen klappte das sehr gut, dass einerseits neue Charaktere eingeführt wurden. Aber andererseits ist das auch eine schöne, leicht melancholische Hommage an die alten Darsteller über Nebenrollen. Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill treten auf. Und jetzt im neuen Film, der für 2019 produziert wird, wird Billy Dee Williams als Lando Calrissian zurückkehren.“

    „Star Wars: Episode IX“ soll im Mai 2019 weltweit in den Kinos laufen. Das Produktionsteam hat laut Medien bereits angekündet, dass es gern einige Szenen im Weltall drehen würde. Technisch sei dies durchaus machbar, wie der britische „Independent“ berichtet. Es wäre nicht das erste Mal, dass für einen Film tatsächlich Szenen im Weltraum gedreht würden.

    Das Radio-Interview mit Dr. Andreas Rauscher zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Der Herr der Ringe“ entschlüsselt: „Weltkriege und globale Finanz-Eliten“
    Filmfestspiele von Cannes in Schwarz-Weiß-Fotos
    Goldfieber im All: Edelmetall-Jagd lockt Russland in den Weltraum
    Tags:
    Science-Fiction, Star Wars, Film, Industrie, Stanley Kubrick, Weltraum, USA