17:06 20 August 2018
SNA Radio
    Eis (Symbolbild)

    Berliner Eisproduzent zu Hype um Mayonnaise-Eis: Warum nicht? Aber Randerscheinung.

    CC0
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Andreas Peter
    2411

    Eine schottische Eisdiele hat dieser Tage wohl den Verkaufsschlager ihrer Firmengeschichte kreiert. Weltweit wird über ihr Eis mit Mayonnaise-Geschmack berichtet. Es scheint modern zu sein, im Sommer mit immer absurderen Ideen für Geschmacksrichtungen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Berlins führender Eisproduzent Florida-Eis bleibt dennoch entspannt.

    Falkirk ist eine typische schottische Kleinstadt in der Nähe von Edinburgh. Sie muss, wie viele andere britische Städte, mit dem Wegfall von Industriearbeitsplätzen kämpfen. Seither sind Tourismus und Dienstleistungen die wichtigsten Arbeitgeber und Einnahmequellen der rund 35-tausend Einwohner zählenden Kommune. Und weil die etwas mehr als 30 Kilometer entfernte schottische Hauptstadt Edinburgh wie ein Magnet wirkt, muss man sich in Falkirk schon was einfallen lassen, um Touristen für ihr Fleckchen Heimaterde zu interessieren.

    Nach Prosecco- und Energydrink-Eis nun „Mayo“

    Kyle Gentleman hat das geschafft. In seiner Eisdiele mit dem seltenen Namen „Ice“ hat er schon im vergangenen Jahr für weltweite Furore gesorgt, als er einen Energydrink zu Speiseeis machte und tatsächlich Touristen aus aller Welt anlockte, die begeistert feststellten, dass der 27-jährige auch Eissorten mit Fischgeschmack im Angebot hatte.

    >>Andere Artikel von Andreas Peter: Überflüssig wie ein Kropf – Will Trump nun auch noch einen Währungskrieg mit China?

    Und nun eben Mayonnaise. Als die Zeitung „Independent“ am Freitag, dem 27. Juli 2018 darüber berichtete, trat sie eine weltweite Lawine in den Medien los. Wer allerdings die Essgewohnheiten der Briten zwischen Cornwall und den Highlands kennt, ist weniger verwundert als jene Speiseeisfans, die eine solche Geschmacksrichtung als regelrechte Kriegserklärung betrachten. Manche Reaktionen in den sozialen Medien auf die Idee mit dem Salatdressing-Eis aus Falkirk sind nicht stubenrein.

    Berlins Speiseeis-Papst ist mäßig beeindruckt vom schottischen Kollegen

    In Berlin bei Florida-Eis bleibt man da ganz gelassen. Die seit 1927 bestehende Eismanufaktur in Spandau ist einer der Lieblinge der Branche in Deutschland, denn kaum jemand hat es für möglich gehalten, dass in Manufaktur hergestelltes Speiseeis gegen die großen Industriemarken bestehen könnte. Doch die aufwendige Herstellung per Hand, nach ökologischen Grundsätzen, in einer supermodernen neuen Produktionsanlage, funktioniert. Das Sortiment ist mit mehr als 40 verschiedenen Geschmacksrichtungen beeindruckend. Und die Manufaktur liefert in die ganze Bundesrepublik.

    Olaf Höhn ist einer der Geschäftsführer der Firma. Im Gespräch mit Sputnik ist der Speiseeisprofi über Geschmackskapriolen wie die aus Schottland nicht wirklich beeindruckt:

    „Also, ich glaube nicht, dass es für solche Sorten einen Markt gibt. Es gibt ja ganz viele, mit Fischeis und Grüne Gurken, und das gab es alles schon. Ich habe auch schon unheimlich viel gekostet, aber wenn sie die Zahlen sehen, ob nun bei mir oder bei anderen Eisherstellern, Vanille, Schokolade, Erdbeere, Mango, Cookie, das sind die, die 70, 80 Prozent des Marktes abdecken. Aber sie wissen, heute ist man individuell, es gibt Menschen, die mögen so etwas, warum nicht, sage ich.“

    Speiseeis im Jahr 2018 muss Biss haben

    Denn auch beim Kundenstamm von Olaf Höhn gilt, die Klassiker sind nach wie vor unschlagbare Klassiker. Allerdings mit kleinen, aber feinen Veränderungen:

    „Eis mit Stücken drin. Das haben wir fast in allen Sorten, ob nun Schokoladenstücken, Mandeln oder Nüsse oder Fruchtstücke. Der Trend ist heute ungebrochen, und der ist auch, glaube ich, ein Muss geworden. Der Verbraucher will schon etwas anders genießen, als wie es mal früher war. Da muss irgendwas noch zum Beißen drin sein.“

    Bei Höchsttemperaturen, wie Deutschland sie derzeit erlebt, ändern sich auch die Vorlieben der Eiskundschaft, weiß Olaf Höhn:

    „Nuss, Rum-Traube und so, die fallen jetzt zurück. Und ganz klar vorne liegt die Zitrone, die Erdbeere, die Mango, Maracuja, Kirsch, das ist jetzt im Augenblick der absolute Renner. Wenn sie da nicht genügend Eis-Vorrat haben, stehen sie schnell mit einer leeren Wanne da, in unseren Cafés, aber auch natürlich in den Supermärkten. Diese Packungen verkaufen sich im Augenblick überdurchschnittlich.“

    Honigeis soll der Sommerhit 2019 werden

    Während Deutschland noch aus allen Poren schwitzt und die Eistheken leerkauft, macht Olaf Höhn schon Pläne für den Sommer nächsten Jahres. Und obwohl dem Eisfabrikanten Hitze nicht nur nichts ausmacht, sondern er sie geradezu liebt, geht er davon aus, dass der Sommer 2019 wieder ein normaler wird, was immer das letztlich heißen mag, bezogen auf die Temperaturen.

    >>Andere Artikel von Andreas Peter: Verlogenheit pur – US-Außenminister wirft Iran vor, was er als CIA-Chef selber tat

    Und dann will er die Fans von Florida-Eis mit einer Geschmacksrichtung begeistern, die sozusagen zu den Wurzeln der Speiseeis-Produktion zurückkehrt. Denn vor der Erfindung des Raffinadezuckers wurde mit Honig gesüßt, weshalb Olaf Höhn an einem Speiseeis mit Honiggeschmack experimentiert. Die Idee kommt nicht von ungefähr, denn seit kurzem ist seine Firma so genannter Bienenpate, der mithelfen will die fleißigen, aber bedrohten fliegenden Nützlinge zu schützen.

    Das komplette Interview mit Olaf Höhn zum Nachhören:

    Zum Thema:

    Neue Studie enthüllt: In diesen Stunden sollten Sie besser nichts essen
    Schlagzeilen über krebserregendes Essen: Experten lüften Wahrheit
    The secret ingredient: So machen Sie ihr Flugzeug-Essen leckerer
    Tags:
    Geschmack, Idee, Eis, Reaktion, Medien, Berlin, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren