17:05 20 August 2018
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    Drohnenangriff gegen den venezolanischen Staatspräsidenten Nicolas Maduro

    Nach mutmaßlichem Drohnenangriff: Wie sicher ist der Luftraum?

    © AP Photo / Xinhua
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    Valentin Raskatov
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    Am Samstag wurde ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf den venezolanischen Staatspräsidenten Nicolas Maduro verhindert. Das Kasseler Drohnenabwehr-Unternehmen Dedrone rät zu mehr Sicherheitsmaßnahmen gegen Drohnen bei öffentlichen Veranstaltungen auch in Deutschland. Denn Drohnen eröffnen ein weites Feld für Missbrauch.

    Am Samstag wurde ein Drohnen-Attentat auf den venezolanischen Staatschef, Nicolas Maduro, vereitelt. Zwar ist der Hergang des Anschlags noch nicht geklärt, aber der Vorfall eröffnet dennoch eine brennende Frage: Wie sicher ist der Luftraum? Ist Deutschland gegen Drohnen-Anschläge gewappnet?

    Sprengstoff und Massenpanik

    „Solche Angriffe mit Drohnen sind technisch sehr gut möglich. Die Drohnen sind in der Lage, Sprengstoff und andere Substanzen zu transportieren und abzuwerfen. Das, was in Venezuela wahrscheinlich passiert ist, könnte auch an anderen Orten der Welt geschehen“, sagt Friederike Nielsen, Pressesprecherin von Dedrone gegenüber Sputnik. Dedrone ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Kassel, das sich auf Drohnenabwehr spezialisiert hat.

    „Es muss ja nicht einmal etwas Gefährliches sein“, erläutert Nielsen weiter. „Man stelle sich vor, eine Drohne verstreut weißes Pulver über einem Stadion und man nicht weiß, was das ist. Da kann schon mal eine Massenpanik ausgelöst werden. Das alleine kann auch schon gefährlich sein.“ Drohnen werden vermehrt zweckentfremdet: Im Irak verwendet der sogenannte Islamische Staat mit Granaten bestückte Drohnen, um gegnerische Basen zu attackieren. Aber auch für Waffen- oder Rauschgiftschmuggel in Gefängnisse werden Drohnen verwendet.

    Wichtige Events und hochkarätige Kunden

    So wie es viele Einsatzmöglichkeiten für Drohnen gibt, gibt es auch ganz unterschiedliche Kunden bei Dedrone. Da wären zum einen Banken, Firmen aus der Industrie oder Datenzentren, die sich vor Spionage schützen wollen, Gefängnisse, die Waffen- und Drogenlieferung per Luftweg verhindern wollen, aber auch Prominente, die sich vor Paparazzi fürchten.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Moskau verurteilt entschieden Attentatsversuch auf Venezuelas Staatschef Maduro

    Und natürlich sorgt Dedrone bei öffentlichen Veranstaltungen für Sicherheit: „Wir haben zwei Präsidentschaftsdebatten von Hillary Clinton und Donald Trump in den USA überwacht“, erzählt die Pressesprecherin des Unternehmens. Auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos war Dedrone 2017 und 2018 dabei. Und das amerikanische Militär probiert gerade auch die Technologie aus. Aber nicht alle Kunden wollen genannt werden, bemerkt Nielsen, „wir dürfen nicht über alle Beispiele sprechen.“

    Menschen evakuieren, Drohne stören

    „Unser System besteht im Herzen aus einer intelligenten Software, die in der Lage ist, Drohnen zu erkennen und zu klassifizieren. Wir können also sagen, welche Art von Drohne sich in der Luft befindet“, beschreibt die Pressesprecherin die Technologie. Dazu kommen Funkfrequenzsensoren zum Einsatz: Wer eine Drohne lenkt, stellt ein Funkverbindung zwischen Fernsteuerung und Drohne her. Diese kann Dedrone aufspüren und auswerten. Auf diese Weise lassen sich Pilot und Drohne orten.

    Sind diese bekannt, kann die Polizei sich auf den Weg machen, um den Piloten an von seinem Vorhaben aktiv abzuhalten. Vor Ort lässt sich die Drohne außerdem „jammen“, das heißt mit einem Störsender orientierungslos machen. „Das birgt aber immer das Risiko, dass man nicht genau weiß, wie die Drohne reagiert. Es kann passieren, dass sie wieder zum Ausgangspunkt zurückfliegt, es kann sein, dass die Drohne an Ort und Stelle stehen bleibt in der Luft, dass sie landet oder weiter zu ihrem Ziel fliegt – das kann man leider im Vorfeld nicht wissen“, merkt Nielsen an.

    Jammen ist zudem nicht immer möglich: „Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Drohnen im Autopilot-Modus fliegen. Der Flugweg ist dann schon vorher einprogrammiert und die Drohne orientiert sich via GPS-Daten. Dann gibt es keine Fernsteuerung mehr“, gibt Nielsen zu bedenken. Für diesen Fall gebe es bei Dedrone aber auch andere Sensoren, Videokameras, die Drohnen optisch erkennen können.

    Der Königsweg wäre natürlich: Einfach in die Drohne reinhacken und ihre Steuerung übernehmen, aber da sei die Technik noch nicht so weit, es gebe zu viele Drohnentypen und Protokolle, die zu berücksichtigen wären. Auch sonst ist das Jammen komplizierter als es scheint, da es hierfür einer Genehmigung der Bundesnetzagentur bedarf. Denn Störsender dürfen in Deutschland für gewöhnlich nur Militär und Polizei einsetzen.

    Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört es deswegen, unverzüglich nach Sichtung einer Drohne das oder die Angriffsziele in Sicherheit zu bringen und die Menschen vor Ort zu evakuieren. Außerdem könnten nötigenfalls Scharfschützen die Drohne vom Himmel schießen, „wenn das das kleinere Übel ist.“

    Bei der Drohnenabwehr aus solchen Gründen: Je früher, desto besser. „Bei unserem System versuchen wir schon im Vorfeld Anomalien aufzudecken. Jemand, der einen Anschlag plant, wird vielleicht vorher schon Testflüge absolvieren“, so Nielsen.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Drohnen oder Gasexplosion? Maduro-Attentat angezweifelt

    Das komplette Telefoninterview mit Friederike Nielsen zum Nachhören:

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    Tags:
    Sicherheit, Panik, Einsatz, Drohnenangriff, IS, Donald Trump, Hillary Clinton, Nicolas Maduro, Venezuela
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