06:29 21 Oktober 2018
SNA Radio
    Tanz-Demonstration Zug der Liebe 2015 in Berlin

    Geld- und Wasserknappheit in Berlin: „Zug der Liebe“ geht auf Abschiedsfahrt

    CC BY 2.0 / Michael Mayer / Zug der Liebe/ Berlin
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    3296

    Vor vier Jahren setzte sich die Tanz-Demonstration für mehr Toleranz und Nächstenliebe in Bewegung. Die Presse sprach von der Reinkarnation der Loveparade. Der „Zug der Liebe“ rollt am 25. August das letzte Mal durch Berlin!

    Die Berliner Demo für mehr Toleranz, Nächstenliebe und bürgerliches Engagement — „Zug der Liebe“ (ZDL) lädt das vierte Jahr in Folge zum Tanzen ein. Rund 40.000 Teilnehmer werden den Veranstaltern zufolge dort erwartet.

    Doch es soll die letzte Fahrt werden: „Wir sind müder geworden. Wir machen immer noch alles größtenteils zu dritt, neben unseren Jobs. Das killt uns die Morgenstunden, die Abendstunden, die Wochenenden. Das ist nicht cool für unsere Partner, ist einfach stressig. Und irgendwann bist du auch nur müde“,  sagt der Mitbegründer der Tanz-Demo, Jens Schwan, im Sputnik-Interview.

    Geld- und Wasserknappheit

    Auch finanzielle Probleme hätten bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt, bemerkt Schwan:

    „Weil wir Firmen für Sponsoring nicht an den Start lassen, müssen wir das natürlich selber finanzieren. Wir machen seit dem letzten Jahr Crowdfunding. Das bringt ein bisschen Geld. Die Förderung hat etwas Geld gebracht, aber wenn wir alle Summen gegenüberstellen, reicht das bei Weitem nicht aus.“

    Neben den Geldsorgen beschäftigt die Veranstalter dieses Jahr ein weiteres Problem. Es dürfen keine Getränke ausgeschenkt werden, weil es sich um eine politische Veranstaltung handelt. Sowohl die Wasserwerke als auch die Feuerwehr würden an der Route kein Trinkwasser zur Verfügung stellen können. Die Veranstalter bitten deswegen die Feiernden, sich mit genügend Wasser einzudecken und auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten. Auch Anwohner werden gebeten, mit Wasserschläuchen auszuhelfen, damit die Demonstranten bei der Hitze nicht verdursten.

    Vom Sowjetischen Ehrenmal zur Frankfurter Allee

    Die Parade startet am 25. August mit einer Kundgebung um 13:00 Uhr am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park und endet an der Frankfurter Allee auf der Höhe des U-Bahnhofs Magdalenenstraße. 

    Nach der Endkundgebung, die bis 23:00 Uhr gehen soll, ist die Party aber noch lange nicht vorbei. Bei den Afterpartys im Berliner Polygon Club und im Kili Kulturhaus soll der Rave weitergehen. Mit dem Eintrittsgeld zu der Afterhour von rund 15 Euro wollen die Veranstalter die Demonstration finanzieren, die Künstler bezahlen und die teilnehmenden Vereine unterstützen.

    „Neue Demonstrationskultur“

    Schwan geht mit einem positiven Gefühl in den letzten „Zug der Liebe“. „Wir haben etwas Gutes geschaffen. Wir haben auch eine neue Demonstrationskultur in Berlin etabliert, weil es diese Geschichte mit den Vereinen vorher nicht gab“, so der Sprecher. Jeder der 15 Party-Trucks auf der Demo präsentiert einen ehrenamtlichen oder sozialen Verein, die gleichzeitig als Träger fungieren. Damit wollen die Veranstalter eine Plattform für soziale Projekte schaffen. Unter anderem gehören dazu die Berliner Obdachlosenhilfe, der Tierschutzverein und „Karuna – Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not“.

    Das Interview mit Jens Schwan (ZDL) zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Finanzierung, Einstellung, Tanzdemo, Love Parade, Demonstration, Parade, Zug der Liebe (ZDL), Berlin