05:49 24 September 2018
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    Fast 300 Badetote 2018 – Nichtschwimmerland Deutschland?

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    Ilona Pfeffer
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    Eltern, die nicht aufpassen, Kinder, die nicht schwimmen können, Badeseen, die nicht bewacht werden. Das sind nur einige Ursachen dafür, dass es im Rekordsommer 2018 zu einem deutlichen Anstieg von tödlichen Badeunfällen gekommen ist. Die DLRG mahnt: Es muss wieder mehr für Schwimmunterricht und sicheres Baden getan werden.

    Laut der aktuellen Bilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im laufenden Jahr mit 279 Badetoten 37 Menschen mehr ertrunken als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das liegt zum einen an dem ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer, der zahlreiche Menschen ins Wasser gelockt hat. Besonders gefährlich waren hierbei ungesicherte Naturgewässer: 104 Menschen ertranken in Flüssen, 116 in Seen und Teichen, 11 in Kanälen. An der Osteeküste gab es sieben Badetote zu beklagen, an der Nordsee einen. Vergleichsweise niedrig fielen die Zahlen der tragischen Badeunfälle in Schwimmbädern aus – da waren es in der laufenden Saison bisher 19 Tote.

    Es sei über die Jahre kein kontinuierlicher Anstieg der tödlichen Badeunfälle zu verzeichnen, betont DLRG-Sprecher Martin Holzhause. Die Ursachen seien jedoch immer ähnlich: Übermut, Alkoholkonsum, mangelndes Gefahrenbewusstsein und fehlendes Rettungspersonal.

    Besonders gefährdet: Männer, Senioren, Kinder

    „Ertrinken ist ein Phänomen in allen Altersgruppen, es gibt aber die eine oder andere Risikogruppe. Menschen über 50 sind besonders gefährdet. Hier beobachten wir vor allem eine falsche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Dass gesundheitliche Probleme schnell dazu führen können, dass man im Wasser in eine Notsituation gerät, sich die Menschen einfach schnell übernehmen. Männer kann man auch als Risikogruppe bezeichnen, denn 80 Prozent der Menschen, die ertrinken, sind Männer. Bei Männern ist die Risikobereitschaft höher als bei Frauen“, so Holzhause.

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    Auch Kinder seien besonders gefährdet. Sie könnten die Gefahren oft nicht richtig einschätzen. Bei Jugendlichen komme Übermut und Leichtsinn hinzu.

    „Dass jüngere Kinder zu Tode kommen, ist häufig darauf zurückzuführen, dass die Aufsichtspersonen einfach nicht aufgepasst haben. Deshalb warnen wir immer wieder und empfehlen dringend, Kinder immer zu beaufsichtigen, gerade, wenn sie noch nicht richtig schwimmen können.“

    60 Prozent der Zehnjährigen können nicht sicher schwimmen

    Doch nicht nur Übermut oder fehlende Aufsicht machen den Badespaß der Kinder zur tödlichen Gefahr. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage können rund 60 Prozent der heute Zehnjährigen nicht sicher schwimmen. In der Gesamtbevölkerung beläuft sich der Anteil der nicht sicheren Schwimmer auf 52 Prozent. Ein Grund dafür: Immer weniger Grundschulen bieten noch Schwimmunterricht. Geben bei den über 60-Jährigen noch 56 Prozent an, das Schwimmen in der Schule gelernt zu haben, nimmt die Zahl bei den befragten der jüngeren Altersklassen immer weiter ab.

    „Das liegt vor allem daran, dass wir in Deutschland immer weniger Bäder haben. In den letzten fünfzehn Jahren sind jährlich durchschnittlich 80 Bäder geschlossen worden. Viele der neugebauten Bäder sind Spaßbäder, die nicht zur Ausbildung geeignet sind. Das führt dazu, dass viele Grundschulen, wo die Schwimmausbildung stattfinden sollte, gar keinen Zugang mehr zu Bädern haben. Andererseits fehlt es aber auch an Personal an den Schulen, das Schwimmausbildung geben kann. Auch Eltern sollten schauen, dass ihr Kind schwimmen lernt, und das ist auch weniger der Fall, als es früher war“, erklärt DLRG-Sprecher Holzhause.

    Die DLRG fordere daher, dass wieder mehr Schwimmbäder gebaut werden, in denen Menschen unter Aufsicht schwimmen und das Schwimmen erlernen können.

    Bei Naturgewässern fehle es oft gänzlich an Rettungspersonal. Unberechenbare Strömungen können schnell zur Todesfalle werden. Sollten Badende die Gewässer also komplett meiden?

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    „Man kann versuchen, sich über das Gewässer zu informieren und allgemein über das Thema Strömungen. Das wird aber nicht allzu viel helfen, weil Gewässer sehr unterschiedlich sind, Strömungen sich auch verändern können. Deshalb raten wir dringend dazu, in Flüssen überhaupt nicht schwimmen zu gehen. Auch in Seen raten wir davon ab, wenn man das Gewässer nicht kennt. Sicher sind Strandbäder, die bewacht werden und wo Rettungsschwimmer vor Ort sind, die im Notfall helfen können. Ansonsten kann es sich immer lohnen, einen Rettungsschwimmkurs zu machen. Denn wer das Retten einmal gelernt hat, der kennt die Gefahren und weiß, was in der Situation zu tun ist.“

    Das komplette Interview mit Martin Holzhause zum Nachhören:

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    Tags:
    Tote, Rettung, Kinder, Senioren, Alkohol, Schwimmbad, Sommerzeit, Deutschland