13:58 21 November 2019
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    US-Interventen befördern im russischen Fernen Osten umgekomene Soldaten im Jahre 1920

    Zu 100. Jahrestag: Botschaft denkt an „blutige US-Intervention“ in Russland zurück

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    Die russische Botschaft in den USA hat zum 100. Jahrestag der US-Militärintervention in Russland eine Mitteilung auf ihrer Facebookseite gepostet.

    „1918, vor 100 Jahren, landeten US-Truppen in Wladiwostok und begannen eine blutige Intervention in dem geplagten Russland", heißt es in der Mitteilung. Die Landung sei der Beginn des umfassenden Eingreifens der Entente-Länder in dem bereits im Bürgerkrieg versinkenden Land gewesen.

    In Ihrer Mitteilung mit den Hashtags #WeRemember und #NeverForget führten die russischen Diplomaten einen zu einem Artikel der Nachrichtenagentur Sputnik führenden Hyperlink an, der der US-amerikanischen Intervention gewidmet ist und sogar über Gräueltaten der ausländischen Truppen in Russlands Fernem Osten berichtet.

    Ein Anlass für die Intervention war die Entscheidung der sowjetischen Staatsführung, Frieden mit Deutschland zu schließen. Danach schied Russland faktisch aus dem Ersten Weltkrieg aus. Am 5. August 1918 kündigte das US-Außenministerium einen einseitigen Bruch der diplomatischen Beziehungen mit Russland an. Mitte August landete in Wladiwostok im russischen Fernen Osten das 8000-köpfige US-Militärkontingent, an dem auch Kräfte aus Kanada, Großbritannien und Italien teilnahmen.

    Formell sollte das US-Kontingent eine sichere Durchfahrt des tschechoslowakischen Korps aus den Tiefen Russlands sicherstellen. Tatsächlich ließen sich die Interventen von recht eigennützigen Bestrebungen leiten.

    Bereits im Dezember 1917 hatten die USA, Großbritannien, Frankreich und ihre Entente-Verbündeten beschlossen, das Territorium des ehemaligen Russischen Kaiserreiches in ihre Interessenzone aufzuteilen und Kontakte mit entstandenen Nationalstaaten zu knüpfen.

    Diese sagten der sogenannten Weißen Armee ihre Unterstützung zu und wollten dafür außer der Rückzahlung der Schulden der Zarenregierung auch Handelskozessionen bekommen.

    „Die Interventen verteidigten auf dem russischen Territorium die Interessen ihres (nationalen — Anm. d. Red.) Kapitals", sagte der Militärhistoriker Boris Julin gegenüber Sputnik. „Goldgruben, Holz, Kohle — zu all dem hatten sie Pläne".

    Während der ausländischen Intervention wurden allerlei Vermögen aus Russland ausgeführt, unter anderem Holz, Gold, Pelzfelle. Eine riesige Menge von Zivilisten wurde von ausländischen Militärs getötet, die brutal gegen die Ortsbevölkerung vorgingen.

    „Überall, wo das Bajonett der überseeischen „Russland-Befreier" einlangte, wurden die Anhänger von Sowjetes erstochen, erschlagen, massenweise erschossen, erhängt, im Amur ertränkt, in Folter-„Todeszügen" fortgebracht, in Konzentrationslagern verhungern lassen", zitierte die Nachrichtenagentur den Historiker Fjodor Nesterow.

    Viele russische Bauern, die ursprünglich die Sowjetmacht nicht unterstützen wollten, lehnten sich ihm zufolge gegen die „ausländischen Gäste" auf und gingen zu den Partisanen über.

    Die ausländische Intervention in Russland hatte Ende 1919 nach der Niederlage der Truppen des „obersten Regentes Russlands" Admiral Koltschak ihren Sinn verloren. Am 1. April 1920 verließ der letzte US-Soldat das Territorium Russlands. Im Laufe des 19-monatigen Einsatzes verlor die US-Armee 200 Soldaten. Endgültig verließen die ausländischen Armeen Russland im Jahr 1922, einzelne Gebiete wurden jedoch erst Mitte der 1920er Jahre befreit.

    Hätte es keine Einmischung vonseiten der ausländischen Mächte gegeben, wäre der russische Bürgerkrieg nicht so dauerhaft und blutig gewesen, ist Boris Julin überzeugt. Ohne fremde Militärintervention wäre der Bürgerkrieg in Russland „ohne viel Blut" bereits 1918 vorbei gewesen, sagte er.

    Selbst nachdem der russische Bürgerkrieg zu Ende gegangen war und die USA sowie die meisten europäischen Länder die UdSSR anerkannt hatten, verurteilte keiner der westlichen Politiker die blutige Militärkampagne in Russland.

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    Tags:
    Intervebtion, Bürgerkrieg, Russischer Bürgerkrieg, USA, Russland