16:15 20 November 2018
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    Der mobile Dorfladen

    Der mobile Dorfladen: Regionale Produkte digital verteilt

    © Foto : Fraunhofer IIS/Steinwald-Allianz
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    Valentin Raskatov
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    Ein mobiler Dorfladen wird ab Mitte August in Nordbayern die Runde machen. Dabei handelt es sich um einen Lkw, der regionale Produkte an entlegene Dörfer verkauft, die über schlechte Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Was mit regionalen Produkten anfängt, könnte sich zu einem weit umfangreicheren Projekt entwickeln.

    „Den mobilen Dorfladen kann man sich als rollenden Supermarkt vorstellen. Er wird über eine digitale Plattform gesteuert, die die Händler und Erzeuger regionaler Waren mit den ansässigen Bürgern vernetzt. Das Ziel ist es, die ansässigen Bürger zu versorgen, die ohne Nahversorgung sind“, umreißt Annemarie Wojtech das Projekt gegenüber Sputnik. Wojtech ist Leiterin der Gruppe Market Intelligence bei der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services, wo der mobile Dorfladen konzipiert wurde.

    „Das Ziel ist es, zu schauen, wie man mithilfe der Digitalisierung den ländlichen Raum attraktiver machen kann“, fügt die Gruppenleiter hinzu. Denn während der ländliche Raum in Deutschland mit 18 Millionen Menschen vielen eine Heimat ist, sorgt die Landflucht dafür, dass für viele Dienstleister auf dem Land das Geschäft unrentabel wird. Das bedeutet, dass die Landbevölkerung immer weitere Wege zum Arzt, zur Grundschule oder eben auch zum Supermarkt zurücklegen muss.

    Hier greift der „rollende Supermarkt“ ein. Eigentlich handelt es sich um einen gewöhnlichen Lkw mit Verkaufsfenster, der von Dorf zu Dorf fährt und regionale Produkte verkauft, sodass diese nicht erst in die größeren umliegenden Städte transportiert und von dort wieder aufs Land umverteilt werden müssen. Aber dieser Dorfladen hat aus dem Internetzeitalter gelernt und das Beste mitgenommen – in Form einer digitalen Plattform.

    © Foto : Fraunhofer IIS/Steinwald-Allianz

    Diese Plattform bezeichnet Wojtech als „das Hirn des Ganzen“. Sie vereint verschiedene Funktionen und vernetzt verschiedene Menschen untereinander. Da wäre zum einen der „digitale Marktplatz“, der wie ein gewöhnlicher Online-Shop gestaltet ist. Dort kann sich der Verbraucher regionale Waren ansehen und direkt bestellen. Er sieht dort auch Details wie die Ankunftszeit, wann das Fahrzeug in den Ort kommt und Sendungen abholen kann. Für den Fahrer gibt es die eigene Logistik-App, die ihm anzeigt, wo er als nächstes hinfahren muss und wo welcher Bedarf besteht.

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    Schließlich gibt es noch die Kommissionier-App: Ein Mitarbeiter in einem stationären Dorfladen sieht über diese, welche Bestellungen eingehen und kann entsprechend das Bestellte kommissionieren. Die verschiedenen Anwendungen sind über die am Fraunhofer entwickelte Plattform miteinander dynamisch vernetzt.

    Regionales und Globales

    „Die Lebensmittel kommen auf jeden Fall von einem Erzeuger aus der Region. Alles, was die Region selber produziert, wird vorrangig da verkauft“, betont Wojtech. Aber das heißt nicht, dass man nichts weiter bestellen könne: Auch Produkte, die es sonst oft nur im Supermarkt gibt, etwa Zahnpasta, können über einen eingeschalteten Großhändler mitbestellt werden.

    Außerdem sollen möglichst viele Nutzer vereint und auch andere Anbieter einbezogen werden: „Es gibt ganz viele Anbieter, die ein Angebot haben, das unrentabel ist. Zum Beispiel der örtliche Mobilitätsanbieter, Busse, Bahnen, aber auch die Post oder die Versandapotheke, die entlegene Haushalte beliefern müssen“, erklärt Wojtech. Wenn diese vernetzt werden, könne viel Zeit, viele Wege und viele Ressourcen eingespart werden.

    Es gebe bereits zahlreiche Anfragen zu einer solchen Zusammenarbeit, berichtet die Gruppenleiterin. Zu den Interessierten gehören andere Dorfläden, örtliche Versandapotheken sowie überregionale Lebensmittelhändler.

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    Zunächst in Nordbayern erprobt

    Der mobile Dorfladen wird ab Mitte August zunächst in der „Steinwald-Allianz“ erprobt werden, einem Gemeindeverbund aus 16 Gemeinden in Nordbayern.

    © Foto : Fraunhofer IIS/Steinwald-Allianz

    Hinter dem „mobilen Dorfladen“ steht das Projekt „digitales Dorf“. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, das von der Bayerischen Staatsregierung gefördert wird.

    Annemarie Wojtech
    © Foto : Fraunhofer IIS/Steinwald-Allianz
    Annemarie Wojtech

    Das komplette Interview mit Annemarie Wojtech zum Nachhören:

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    Tags:
    Digitalisierung, Supermarkt, Lebensmittel, Bayern, Deutschland