20:11 16 Oktober 2018
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    Hyalomma-Zecke

    Heißer Rekordsommer: Tropische Hyalomma-Zecke hält Einzug in Deutschland

    CC BY-SA 3.0 / Lucyin / Wikimedia Commons
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    Zecken fühlen sich bei dem diesjährigen heißen und trockenen Sommer besonders wohl. Nun wurde sogar vermehrt die tropische Zeckenart der Gattung Hyalomma in Deutschland gesichtet, erklärt die Biologin Ute Mackenstedt. In einer Zecke konnten Erreger des Fleckfiebers nachgewiesen werden.

    „Wir vermuten, dass es durch diesen heißen Sommer dazu gekommen ist, dass sich Hyalomma, die als tropische Zeckenart bekannt ist, in Deutschland etwas verstärkter verbreitet“, sagt die Leiterin des Fachgebiets Parasitologie der Universität Hohenheim im Sputnik-Interview. „Im Moment haben wir acht bestätigte Funde. Da sind auch die Zecken bereits eingeschickt worden. Wir haben aber jetzt auch weitere Nachrichten bekommen, die sehr deutlich machen, dass Hyalomma auch in anderen Regionen Deutschlands verbreitet vorkommt.“

    Bestätigte Funde gibt es bisher in den Bundesländern Niedersachsen und Hessen. Die Forscher haben aber bereits Hinweise darauf, dass auch in anderen Bundesländern, wie Baden-Württemberg und Bayern schon einige tropischen Zecken gesichtet worden sind.

    Hyalomma ist eine Gattung der Schildzecken mit etwa 27 Arten und einfach von dem hiesigen, gemeinen Holzbock zu unterscheiden. Die Zecke ist etwa fünfmal größer, hat auffällig orange-rot gestreifte Beine und ist aktiver als der Holzbock. Die Zecken gehen auf Vögel und entwickeln sich dort. So können sie über einen Zeitraum von 20 bis maximal 30 Tagen auf den Vögeln verbleiben und fallen während des Vogelflugs nicht herunter, erzählt Mackenstedt. Weiter erklärt sie:

    „Dann entscheidet es sich vor Ort, ob sich die Zeckennymphe weiterentwickeln und ob sie sich auch dort halten kann. Ob sich Hyalomma langfristig in Deutschland wird halten können, können wir jetzt noch nicht sagen.“

    Die Zeckenart ist in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Europas verbreitet. In Nord- und Mitteleuropa kommt sie normalerweise nicht vor und gilt als Krankheitsüberträger – vor allem für das Krim-Kongo-Fieber und das Zecken-Fleckfieber.

    „Speziell das Krim-Kongo-Fieber ist keine leichte Erkrankung“, warnt Mackenstedt. „An dieser Erkrankung kann man auch sterben. In den Hyalommazecken, die uns zur Verfügung standen, hat Dr. Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr noch niemals die Viren, die Krim-Kongo-Fieber hervorrufen, nachgewiesen. Es wurde allerdings in einer Zecke ein Erreger für das Fleckfieber entdeckt.“

    In Bezug auf den gemeinen Holzbock sehen die Forscher, dass durch den trockenen und heißen Sommer in einigen Regionen die Zeckenpopulation extrem hoch gegangen ist. „Wir sprechen hier auch von dem Zeckenjahr 2018.“ In anderen Regionen, wie Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg, hätten diese extreme Trockenheit und die hohen Temperaturen dazu geführt, dass die Zeckenpopulation, der gemeine Holzbock, sich nicht sehr wohlfühlt. „Wenn es zu heiß ist und die relative Luftfeuchtigkeit zu niedrig, dann verkriecht sich der gemeine Holzbock gerne in den Boden oder ganz dicht in den Laubstreu.“

    Anders allerdings die tropische Zecke, Mackenstedt sagt:

    „Wenn die Meteorologen Recht damit haben, dass auch in den nächsten Jahren mit diesen langen trockenen Hitzeperioden zu rechnen sein wird, dann müssen wir davon ausgehen, dass wir Hyalomma in größerer Anzahl finden werden.“

    Das komplette Interview mit Ute Mackenstedt zum Nachhören:

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    Tags:
    Fleckfieber, Holzstapel, Holz, Sommer, Krim-Kongo-Fieber, Hitze, Hyalomma, Tropen, Zecke, Ute Mackenstedt, Deutschland