09:33 22 Oktober 2018
SNA Radio
    Flughafen Simferopol

    Krim-Sanktionen schränken Reisefreiheit ein – „Kein Problem für Axel Springer AG“

    © Sputnik / Ewgenij Biatow
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    4611120

    Trotz der strikten Sanktionen im Tourismusbereich bieten Unternehmen Flüge auf die Krim an, wie das zur „Axel Springer AG“ gehörende Portal „Flug.idealo.de“. Ganz im Gegensatz zu kleineren Reiseagenturen, für die das in Deutschland weiterhin verboten ist. Ein Reisebüro zeigt sich darüber empört.

    Das Reiseunternehmen „Paneurasia Deutschland“ bringt zusammen mit der Friedensinitiative „Druschba Global“ regelmäßig Menschen aus Deutschland nach Russland. Mit den sogenannten Freundschaftsfahrten wollen sie einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Die Halbinsel Krim ist dabei oft das Ziel ihrer Reisen. So besuchten bereits zum vierten Mal 20 Friedensfahrer vom 16. bis zum 20. August die Halbinsel, um sich mit den Krim-Bewohnern zu treffen und Kontakte zu knüpfen. Neben einer Bike-Show der „Nachtwölfe“ trafen sich die Teilnehmer zudem mit den Vertretern des Krim-Parlaments sowie der einfachen Bevölkerung, um sich die Situation vor Ort aus nächster Nähe anzugucken.

    „Wir bekommen mit, wie verzerrt das Bild ist, welches in Europa  über die Krim, über den Anschluss der Krim an die Russische Föderation, über das Referendum in den Medien verbreitet wird.  Wir haben uns als Ziel gesetzt, das Bild zu verändern. In dem wir als Verein einfach Menschen hierher bringen. Das muss natürlich extra erwähnt werden.  Als touristische Einrichtung darfst du das nicht tun“, bemerkt der Mitbegründer von „Paneurasia Deutschland" und Vorstandsmitglied der Friedensinitiative "Druschba-Global e.V.", Konstantin Ermisch.

    Denn mit dem „Beschluss des Verbots aller ausländischen Investitionen auf der Krim oder in Sewastopol“ wurden Dienstleistungen verboten, die in Zusammenhang mit Tourismusaktivitäten stehen, heißt es in der Verordnung des Rates der Europäischen Union vom 18. Dezember 2014. Es sei an dieser Stelle bemerkt: Der Tourismus gilt als die wichtigste Einnahmequelle für die Schwarzmeer-Halbinsel. 

    Wird damit die Reisefreiheit eingeschränkt?

    Falls das Büro „Paneurasia“ eine Reise auf die Krim anbieten würde, könnte es mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro rechnen. „Das kann sich natürlich ein kleines Reisebüro nicht leisten“, erklärt im Sputnik-Interview der Reiseveranstalter von „Paneurasia Deutschland", Eduard Klein. Direkt sei die Reisefreiheit durch die Sanktionen nicht bedroht. Doch indirekt werde man als Deutscher bzw. als Europäer daran gehindert, frei auf die Krim zu reisen, „weil man sich eben nicht an ein normales Reisebüro wenden kann, um die Reise auf die Krim zu buchen“, was nach wie vor die meisten Deutschen täten, so Klein.

    Ferner hätte jeder Reiseanbieter, der mit der Krim zusammenarbeiten wollen würde, ein Problem mit der Bezahlung. „Denn die Sanktionen sehen ein Abtrennen der Halbinsel von den globalen Bezahlsystemen vor. Was wiederum dazu führt, dass man touristische Leistungen, die man eben in Deutschland erwerben würde, für die Krim nicht direkt bezahlen könnte.“ 

    Na, wie komm ich nun auf die Krim?

    Von den Sanktionen ist eigentlich jedes Reiseunternehmen betroffen, welches auf dem Gebiet der EU tätig ist. Eigentlich darf niemand touristische Leistungen auf der Krim oder auf die Krim anbieten. Eigentlich! „Denn nur die kleinen Reiseanbieter sind diejenigen, die das tatsächlich nicht tun“, sagt Klein. Doch die größeren Unternehmen, wie „Opodo.de“, „Flug.idealo.de“, „Booking.com“ würden weiterhin Flugreisen auf die Krim — meistens über Russland — sowie Übernachtungen dort anbieten, bemängelt der Tourismus-Experte.  Das hänge damit zusammen, dass diese Firmen Juristen beschäftigen, die in der Lage sind, solche Sanktionen zu umgehen, „und sich dabei möglicherweise eine goldene Nase verdienen“.

    „Ganz spannend“ werde es beim Thema — „Flug.idealo.de“, bemerkt der Paneurasia-Gründer. Denn seit 2006 gehört dieses Portal zur „Axel Springer AG“, zu der auch beispielsweise die Zeitung „Bild“ gehört, „welche sich gerne über die Krim echauffiert und eben alles Mögliche tut, um die Krimbevölkerung sowie deren Entscheidung, sich mit Russland zu verbinden, diskreditiert und gleichzeitig damit Geld verdient, Reisen auf die Krim anzubieten“, kritisiert der Friedensfahrer. 

    Doch auch, wenn man nur über die größere Konkurrenz Krim-Reisen weiterhin buchen kann, laden die beiden Unternehmer ein, auf die Krim zu kommen und sich selbst ein „Bild“ von der Lage zu machen. Die Menschen auf der Krim seien offen für jeden Dialog und „hoffen, je schneller desto besser, als Teil Russlands anerkannt zu werden; auch von der Europäischen Gesellschaft“, unterstreicht Konstantin Ermisch.

    Also, ins Internet gehen, größere Portale für die Reiseplanung nutzen und ab nach Jalta, „wo der goldene Wein wächst“. (Anm. d. Red.: Zitat aus dem Song „Jalta“ von Evgenij Osin)

    Vorsicht! Reisewarnung!

    Das Auswärtige Amt rät von Reisen auf die Krimhalbinsel ab! Die Krim gehöre völkerrechtlich weiterhin zur Ukraine, werde aber derzeit faktisch von Russland kontrolliert, heißt es auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes:

    „Die Ein- und Ausreise von Ausländern und Staatenlosen auf die Krim und in die nicht unter ukrainischer Kontrolle befindlichen Gebiete der Ostukraine ist nur über einen regulären ukrainischen Grenzübergang zulässig. Eine anderweitige Einreise auf die Krim oder in diese Gebiete (z.B. über Russland) ohne vorheriges Passieren eines ukrainischen Grenzübergangs ist strafbar.“

    Bleibt die Frage: Führen damit die großen Reiseportale auf direktem Wege in den ukrainischen Knast? Fortsetzung folgt.

    Das Interview mit Eduard Klein und Konstantin Ermesch (Paneurasia):

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Maas teilt seine Befürchtung: „Wenn wir Krim als Russland anerkennen…“
    3sat zeigt Dokumentarfilm mit russischer Krim auf Landkarte
    Deutsche Bombe geht auf der Krim hoch – VIDEO
    Tags:
    flug.idealo, Friedensfahrt, Reise, Tourismus, Sanktionen, Paneurasia, Druschba Friedensinitiative, Axel Springer, Krim, Deutschland, Russland