14:53 19 Oktober 2018
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    Wildschweine (Symbolbild)

    Dänemark will sich abschotten – gegen Wildschweine

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    Panorama
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    Bolle Selke
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    Die Schweinepest breitet sich in den Wildschweinbeständen vieler Regionen Osteuropas immer weiter aus. Dänemark will vorsorgen und hat nun einen Zaun zwischen Deutschland und Dänemark beschlossen. Kritiker haben den Verdacht, dass auch andere Bewegründe dahinter stecken.

    Die dänische Umweltbehörde stimmte kürzlich in letzter Instanz für den Bau eines „Vildsvinehegnet“ – das bedeutet Wildschweinzaun auf Dänisch. Entlang der Grenze soll zwischen Dänemark und Deutschland ein Metallgitter entstehen – von der Nordsee bei Tønder bis zur Ostsee bei Flensburg, 70 Kilometer lang, 1,50 Meter hoch. Bis Ende 2019 soll der Zaun stehen. Grund dafür ist die afrikanische Schweinepest. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich. Doch für Haus- und Wildschweine ist es tödlich. In den letzten Jahren hat sich die afrikanische Schweinepest in Europa immer weiter ausgebreitet.

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    Fleischerzeugung wichtiger Wirtschaftszweig

    Der dänische Schweinezüchter Claus Jørgensen begrüßt die Idee gegenüber dem Deutschlandfunk (DLF):

    „Der Zaun ist nicht eine hundertprozentige Lösung, aber wenn wir einen Zaun bauen, dann hilft das wirklich.“

    Für Dänemarks Wirtschaft ist die Fleischerzeugung sehr wichtig. Ausfuhren im Wert von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr würden dem Land mit sechs Millionen Einwohnern wegfallen, sollte die afrikanische Schweinepest ins Land kommen. Dann müssten nämlich alle Exporte in Drittstaaten – also Länder außerhalb der EU – abrupt gestoppt werden. Bisher ist allerdings noch kein Schweinepest-Fall in Deutschland aufgetreten. Die für Menschen ungefährliche Seuche wütet bisher nur in Osteuropa.

    Wer soll draußen gehalten werden?

    Heinz Petersen vom Südschleswigsche Wählerverband (SSW), der Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, hat allerdings den Verdacht, dass dieser Wildschweinzaun auch andere unerwünschte Grenzgänger abhalten soll. Zum Beispiel Asylbewerber. Als treibende Kraft sieht er dänische Rechtspopulisten.

    „Die Freiheit, die wir hier haben, wird eingeschränkt“, kritisiert Petersen gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ). „Das ist nicht in unserem Sinne.“

    Tatsächlich jubelten die Rechtspopulisten im Folketing, dem dänischen Parlament, bei der Ankündigung der Zaun-Pläne Ende März besonders laut. Noch ein paar Zentimeter drauf, und der Zaun könne die Staatsgrenze auch vor illegalen Einwanderern schützen, frohlockten Vertreter der Dänischen Volkspartei. Petersen steht schon jetzt regelmäßig im Stau, wenn er auf dem Weg nach Dänemark ist. Seit der hohen Zahl an Flüchtlingen 2016 werde an der Grenze stichprobenhaft kontrolliert. Das passe nicht zum vereinten Europa, meint Petersen.

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    „Größte Gefahr ist der Mensch“

    Auch Curt Jacobsen, Vorsitzender des örtlichen Jagdverbands in Tinglev, kann mit dem Zaun nur wenig anfangen. Er sagt gegenüber dem DLF:

    „Die größte Gefahr mit der Schweinepest ist der Mensch und nicht das Wildschwein. Ein Wildschwein, das krank ist, läuft nicht mal 15 Kilometer, dann ist es tot. Das heißt, es würde Jahre dauern, wenn ein Wildschwein zu Fuß die Krankheit hierher bringt. Es sind die Menschen, die die Gefahr sind.“

    Eine Verbreitung des Virus drohe eher durch infizierte Wurstwaren oder über Tiertransporte. Fraglich sei auch, ob so ein Zaun die Wildscheine überhaupt aufhalten könne. Jäger Jacobsen fragt im DLF:

    „Wir haben elf Grenzübergänge, das heißt, es sind mindestens elf Löcher im Zaun. Ein Schwein, wenn es will – es ist stur – läuft dann am Zaun längs und irgendwann findet es dann sein Loch, und dann rüber. Hier ist keine Wache oder Grenzkontrolle, hier sind keine Menschen. Und in der Nacht ist hier Totenstille. Da passiert nichts!“

    Die deutschen Grenzgemeinden Harrislee und Handewitt haben bereits schriftlich gegen den Zaun protestiert und hoffen auf Beistand aus Kiel und Berlin.

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    Tags:
    Migration, Fleisch, Wildschweine, Dänemark