17:25 19 September 2018
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    Twitter (Symbolbild)

    Vom falschen Söder zum echten Hutbürger – Abgeordneten-Gezwitscher, Folge 5

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    Ilona Pfeffer
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    Wer schreibt, der bleibt – das gilt auch für unsere Bundestagsabgeordneten auf Twitter. Auch diese Woche haben sie trotz Bundestagsferien reichlich Nahrung für feurige Gezwitscher-Gefechte gefunden.

    Die Arbeitswoche eröffnet der „glühende Sozialdemokrat“ aus Würselen, Martin Schulz, höchstpersönlich. Mit knapp 700.000 Followern ist der SPD-Politiker, der den Schulz-Zug einst ins Rollen brachte, noch immer absoluter Spitzenreiter unter den Bundestagsabgeordneten auf Twitter. Wer so beliebt ist, muss dann auch nicht viel machen. Und wenn Martin Schulz dann doch mal etwas twittert, muss es wichtig sein. So wichtig wie Griechenland zum Beispiel.

    Da müssen natürlich auch die Spitzenpolitiker anderer Parteien mitziehen. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch findet nicht, dass Griechenlands neue Selbständigkeit ein Grund zum Feiern ist.

    Alice Weidel (AfD) findet Griechenland auch zu arm. Zu arm, um in der Euro-Gruppe zu bleiben.

    Die Schlagzeilen am Dienstag macht der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Unfreiwillig. Offenbar hat seine CSU die Digitalisierung verschlafen und setzt im Wahlkampf auf Plakate und Bürgersprechstunden. Auch den Slogan der Kampagne „Söder macht’s“ gibt es nur analog. Das hat sich die Konkurrenz von der SPD zunutze gemacht und sich die Domain sowie Profile in den sozialen Netzwerken unter diesem Wahlspruch gesichert. Die findigen SPDler verbreiten darüber, was Herr Söder so alles falsch macht. Der CSU-Abgeordnete Volker Ullrich findet das unanständig.

    Selber schuld, sagt die SPD. Wer das Handwerk nicht beherrscht, soll sich nicht beschweren.

    Trotz der Häme steigt die CSU am Mittwoch munter ein ins digitale Zeitalter. Was Söders Wahlkampfteam verpatzt hat, soll jetzt eben die sympathische Dorothee Bär richten. Die Staatsministerin für Digitales twittert vielversprechend von der ersten Sitzung des Digitalrates.

    Das war auch dringend nötig, meldet sich Cem Özdemir zu Wort.

    >>Mehr zum Thema: Antifa-Verschwörung und #KatzengegenHass: Politisches Twittergewitter, Folge 4

    Ganz sicher nicht, kontert Linken-Parteichef Bernd Riexinger. Die simulieren doch nur.

    Und Mister „Digital first, Bedenken second“ von der FDP fragt sich, warum jetzt plötzlich alle für Digitales zuständig sind.

    Lindners Parteikollegin Katja Suding hingegen hat keine Berührungsängste mit der digitalen CSU.

    Am Donnerstag kann Bayern aufatmen, denn jetzt blickt alle Welt nach Sachsen. Das plötzliche Interesse verdankt das Bundesland einem Pegida-Demonstranten mit Deutschland-Hut, der einem ZDF-Kamerateam die Meinung geigt und sich bei der Polizei darüber beschwert, dass er gefilmt wird. Blöd nur, dass sich alsbald herausstellt: Der Mann ist beim Landeskriminalamt Sachsen beschäftigt. Die Linken-Abgeordnete Anke Domscheit-Berg kann die Pointe in der Komödie um den #Hutbürger nicht finden.

    Währenddessen beeindruckt ihren Parteikollegen Lorenz Gösta Beutin wohl vor allem der Look des Pöblers:

    Und FDP-Mann Konstantin Kuhle versteht die Aufregung gar nicht.

    SPD-Mann Uli Grötsch hat eine Diagnose:

    >>Mehr zum Thema: Von #aufstehen bis #Muggabatscher – Bundestagsgezwitscher, Folge 3

    Zum Wochenausklang ließe sich bestimmt auch ein mehr oder minder interessantes Diskussionsthema unter den twitternden Abgeordneten finden. Aber weil Söder und Hutbürger nicht mehr zu toppen sind, entlassen wir sie mit Karl Lauterbach ins Wochenende.

    P.S.: Ohne Fliege hätten wir ihn auch nicht erkannt, aber der Mann mit dem Sonnenhut scheint wirklich der SPD-Abgeordnete zu sein.

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    Tags:
    Urlaub, Hutbürger, Bundestag, Landeskriminalamt (LKA), PEGIDA, CDU, CSU, Twitter, SPD, FDP, Die LINKE-Partei, AfD, Dietmar Bartsch, Markus Söder, Cem Özdemir, Martin Schulz, Sachsen, Deutschland