07:32 13 Dezember 2018
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    „Gehören auch Messerstecher zur Vielfalt?“ – AfD-Abgeordnete fliegen aus Landtagsteam

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    In Niedersachsen dürfen zwei AfD-Abgeordnete nicht in der Fußballmannschaft des Landtags mitspielen. Nach Medienangaben haben sie sich geweigert, eine Ehrenerklärung gegen Diskriminierung zu unterzeichnen.

    Die Fußballer der AfD dürfen in der Mannschaft des FC Landtag in Niedersachsen vorerst nicht mitspielen. Das berichtet der Weser-Kurier. Der Grund: Sie wollen eine aus dem Ethik-Kodex des DFB übernommene Ehrenerklärung zu Toleranz nicht unterschreiben, wie der AfD-Abgeordnete Harm Rykena dem Blatt am Dienstag sagte.

    Nach den Landtagswahlen im vergangenen Oktober hatte es lange gedauert, bis sich das Parlamentarierteam gefunden hatte. Im Mai sagte Teamchef Stefan Klein (SPD) der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Man kann die AfD nicht grundsätzlich ausschließen, weil sie Teil des Parlaments ist.“  Jetzt hatte sich die Mannschaftsführung laut Weser-Kurier darauf geeinigt, dass alle Mitspieler eine Erklärung unterschreiben sollten. Diese enthält einen Passus aus dem DFB-Ethik-Kodex. Darin heißt es unter anderem, man dulde keine Diskriminierungen, Belästigungen oder Beleidigungen aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung und wolle Vielfalt auf dem und abseits des Platzes achten und fördern.

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    „Vielfalt ist nicht förderwürdig“ Abgeordnete schockiert

    Beim Mannschaftstreffen am vergangenen Freitag gab es offenbar Streit. Die beiden Fußballer der AfD wollten den Passus nicht tragen. „Für uns ist Vielfalt an sich nicht förderwürdig. Sie steht stellvertretend für Multikulturalismus und Gender. Eine Loyalitätsbekundung gegenüber einer solchen Vielfalt lehnen wir strikt ab“, sagte dazu der AfD-Abgeordnete Harm Rykena laut übereinstimmenden Medienberichten. Der Verweis auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die niedersächsische Verfassung sollten seiner Ansicht ausreichend sein, um gemeinsam Fußball zu spielen. 

    Nach Darstellung des grünen Landtagsabgeordneten Belit Onay und anderer Teilnehmer der Mannschaftssitzung hat die AfD die provozierende Frage gestellt, ob mit der Vielfalt auch Messerstecher gemeint seien. "Ich bin wirklich schockiert. Ich hätte gedacht, dass man sich wenigstens auf diesen Minimalkonsens aus dem DFB-Kodex hätte einigen können", sagte Onay der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

    Der FC Landtag spiele zu karitativen Zwecken, und er wolle keine Diskussionen mit AfD-Abgeordneten haben, gegen welche Mannschaften man antreten könne und gegen welche nicht.

    Die niedersächsischen AfD-Spieler wollen nun erst einmal in der Fraktion beraten, wie sie mit der Erklärung weiter verfahren sollen.

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    Tags:
    Provokaitonen, Fußball, Toleranz, Ethik, Partei Alternative für Deutschland (AfD), SPD, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Niedersachsen, Deutschland