06:23 17 Dezember 2018
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    Ein Sommer auf der Krim

    Mit dem rasenden Opernsänger auf der Krim

    © Foto : Thomas W. Mücke
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    Armin Siebert
    131001

    Sommer 2018 in einem Einkaufszentrum in Bernau bei Berlin. An der Veranstaltungswand hängt ein kleines Plakat: „Ein Sommer auf der Krim – große Dia-Show“. Nachdem die aggressiven Russen die halbe Welt vergiftet, manipuliert oder erobert haben, fährt jemand einfach so mit dem Wohnmobil auf die Krim und nimmt auch noch die Familie mit?

    Dieser Jemand ist Thomas W. Mücke – Opernsänger, Ungarisch-Übersetzer und erster professioneller Diashow-Vorführer der DDR. Zuvor war Mücke auch noch jüngster Lizenz-Rallyefahrer der DDR. Bis sein Vater meinte, er solle doch „was Richtiges“ lernen. Und da das Elternhaus künstlerisch geprägt war, wurde Mücke Opernsänger. Seine Leidenschaft für alles, was fährt, ließ ihn aber nie los und so ist der rasende Opernsänger inzwischen nach eigener Aussage „zweieinhalb Millionen Kilometer gefahren ohne Blessur".

    „Berlin-Jalta“ – mit dem Wohnmobil auf die Krim
    © Foto : Thomas W. Mücke
    „Berlin-Jalta“ – mit dem Wohnmobil auf die Krim

    Echte Herzenssehnsucht zu den Russen

    Vor der Wende hat der Sänger und Reisejournalist gezwungenermaßen nur den Osten bereist – jetzt tut er dies freiwillig. Am Osten gefällt dem Berliner vor allem die Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Mücke erklärt sich das damit, dass die Menschen dort noch nicht so "materiell versaut" sind.

    Natürlich haben die Mückes nach der Wende ihr Fernweh auch auf Reisen in den Westen getilgt und Dia-Shows über Südtirol, die Toskana oder Norwegen produziert. Aber meist zieht es sie in den Osten und hier vor allem nach Russland. Dabei immer im Schlepptau seine Familie — erst seine Frau, später auch die Töchter. Seine Frau Nina und seine Kinder Lena und Anna tragen sogar russische Namen. Den Hang zum Osten begründet Mücke mit seiner „echten Herzenssehnsucht zu den Russen“.

    Das Ehepaar Nina und Thomas W. Mücke auf der Krim
    © Foto : Thomas W. Mücke
    Das Ehepaar Nina und Thomas W. Mücke auf der Krim

    Keine Fähren aus Nato-Ländern auf die Krim

    Die Mückes waren mit ihrem Wohnmobil schon am 7000 Kilometer entfernten Baikalsee, sind die Wolga entlang geschippert und haben die Kosaken am Don besucht. Ihre letzte große Reise führte die Weltenbummler im Sommer 2017 auf die Krim, von der Mücke im Sputnik-Interview konsequent als „Russland“ spricht. Um das Ziel seiner Reise machte er auch kein Geheimnis und freute sich über die Reaktionen:

    "Ich hatte zur Krimreise groß auf Kyrillisch "Berlin-Jalta" mit einer Friedenstaube auf die Motorhaube gedruckt. Da hat schon ab Polen jeder Zweite auf der Straße gehupt und den Daumen hochgehalten.", erzählt der Russland-Fan begeistert.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Die Krim in Bildern — Eindrücke von der Reise des Freundschaftszugs Moskau-Berlin

    Die Anreise gestaltete sich jedoch komplizierter, als gedacht. Während man mit dem Flugzeug einfach über Moskau auf die Krim gelangt, ist der Weg mit dem Wohnmobil auf dem Landweg eher umständlich, erzählt Mücke:

    "Blauäugig habe ich gedacht, wir fahren mit der Fähre von Bulgarien oder Rumänien aus rüber. Aber nein. Ich dachte ich höre nicht recht: es dürfen keine Fähren aus Nato-Ländern die Krim anfahren. Also sind wir durch die Hintertür gefahren, Richtung Riga, dann Richtung Moskau und runter über Rostow am Don nach Kertsch. Über die Ukraine, wie wir es noch vor Jahren gemacht haben, ist es ja auch nicht mehr möglich. Da gibt es wohl jetzt Gräben, da kommt man nicht mehr rüber. So waren es dann am Ende 3500 Kilometer, statt eben 1700 über Rumänien."

    Ein Sommer auf der Krim
    © Foto : Thomas W. Mücke
    Ein Sommer auf der Krim

    Die Läden sind voll – aber nur für Rubel

    Krim-Brücke
    © Sputnik / Alexey Malgavko
    Zum Reisezeitpunkt der Mückes im Sommer 2017 war die neu gebaute Brücke, die das russische Festland mit der Krim verbindet, noch nicht fertig. Trotzdem war es kein Problem, von Russland aus auf die Krim zu gelangen, erzählt Mücke: "Das war alles bestens organisiert. In einer halben Stunde waren wir auf der Fähre." Tatsächlich ein Problem war dann aber, dass man aufgrund der westlichen Sanktionen auf der Krim keine Euros umtauschen konnte, berichtet Mücke. Zum Glück kam seine Tochter Anna, die nicht die ganze Reise mit dem Wohnmobil mitmachen konnte, mit dem Flugzeug über Moskau nach und brachte Rubel mit. Ansonsten haben die Mückes auf der Halbinsel im Schwarzen Meer aber nichts von den Sanktionen gespürt:

    "Die Läden sind voll. Da gibt es Delikatessläden, die sind schöner als am Kurfürstendamm. Fantastisch! Und es ist sehr sauber und es wird unheimlich viel gebaut.", so Mücke.

    Nowy Weter – ein neuer Wind

    Dem Profi ist es auf seinen Reisen wichtig, nicht nur Fotos zu schießen und Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Diese gehen auf der Krim  entspannt damit um, dass man versucht, sie zu isolieren und zu behindern, erzählt Mücke:

    „Die Russen sind relaxed. Sie haben Würde und Heimatliebe, die ihnen keiner nehmen kann. Sie sind ja ganz anderes gewohnt, dass man sie angreift und dass sie mit ganz wenig Mitteln ihr Heimatland verteidigen. Das sitzt tief drin."

    >>Andere Sputnik-Artikel: Deutsche nach Reise durch Russland: „Das ist etwas Tolles!“

    Mücke spürte auch eine neue Art von Stolz bei den Russen auf der Krim:

    "Selbst an den Mülltonnen stand 'nowy weter', also 'ein neuer Wind'. Die wollen zeigen, dass die Krim jetzt zu Russland gehört. Richtig demonstrativ zeigen sie — hier entsteht jetzt etwas Neues."

    Ein Sommer auf der Krim
    © Foto : Thomas W. Mücke
    Ein Sommer auf der Krim

    Eher in Südfrankreich Angst, als in Russland

    Die Reisefamilie wurde auf der Krim sehr herzlich empfangen. Mücke meint, er und seine Familie wären eine "seelische Brücke" für die Menschen dort gewesen. "Die haben gemerkt, hier sind Deutsche, die lassen sich nicht abhalten von dem, was in den Medien berichtet wird.", meint der Reisejournalist.

    Auf die Frage, ob er auf der Krimreise keine Angst um seine Familie hatte, antwortet Mücke: "Absolut nicht. Angst müsste ich vielleicht in Südfrankreich oder Spanien haben, aber nicht in Russland."

    Mücke ist sich schon bewusst, dass die Krim ein politisch aufgeladenes heikles Thema ist. Aber er hat sich bewusst dafür entschieden, dorthin zu fahren. Anfeindungen hat er bei seinen Vorträgen noch nie erlebt. Im Gegenteil:

    "Was in den Medien über Russland geschrieben wird, sehe ich als Gift, das da gestreut wird. Da hab ich mir gesagt, jetzt fährst du gerade hin. Es ist für mich eine Mission und eine Botschaft. Und dies erreicht bei meinen Vorträgen viele. Die heulen zum Teil und fühlen sich verstanden, das hab ich bei russischen und deutschen Gästen erlebt. Aber es gibt auch, vor allem im Westen, Menschen die sagen: Herr Mücke, ich hab wohl die falschen Bücher gelesen oder,  was soll ich denn nun glauben, Ihnen oder der Zeitung? In Bad Segeberg kam nach der Veranstaltung ein Bataillonskommandeur der Bundeswehr noch einmal zu mir mit einer Flasche guten Weines, die er wohl schnell noch besorgt hatte und bedankte sich für die ‚seriöse Vorstellung‘.“

    Zum Schluss hat der rüstige Mitsechziger im Interview noch einen Ratschlag:

    "Nur wenn man etwas persönlich erlebt, hat man eine gewisse Objektivität. Ich kann nur jedem raten, ob er nun auf die Krim fährt oder nach Australien, im persönlichen Kennenlernen seinen Horizont zu erweitern. Dann wird man feststellen, dass man nicht immer den Medien glauben sollte."

    Das vollständige Interview mit Thomas W. Mücke zum Nachhören:

    Die Dia-Show „Ein Sommer auf der Krim“ kann man demnächst hier erleben: 14.9. Bad Steben, 14.10.

    Bernau bei Berlin,  21.10. Dahme, 24.10. Sondershausen, 25.10. Aschersleben, 10.11. Bad Berka, 11.11. Wittenberge, 12.11. Meerane,17.11. Stralsund, 22.11. Gera, 29.11. Eckernförde

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    Tags:
    Reise, Sehenswürdigkeiten, Journalist, Rubel, NATO, Bernau, DDR, Polen, Krim, Deutschland, Russland