10:46 22 September 2018
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    Filmklappe (Symbolbild)

    „Wir gehören nicht zum Club“: Die Macher der Internet-Erfolgsserie „Wishlist“

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    Panorama
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    Alexander Boos
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    Die Serie „Wishlist“ läuft nicht im deutschen Fernsehen. Dennoch haben schon über acht Millionen Menschen die Mystery-Reihe gesehen. Und zwar auf dem Video-Portal Youtube. Das Film-Team „Outside the Club“ aus Wuppertal produziert die Sendung. Marc Schießer, der Regisseur von „Wishlist“, verrät im Gespräch mit Sputnik die Gründe für den Erfolg.

    „Auf eine Web-Serie von uns sind die Leute von Radio Bremen aufmerksam geworden“, erklärte Marc Schießer, Regisseur von „Wishlist“, im Sputnik-Interview. „Dann haben sie uns gefragt, ob wir nicht ein Konzept entwickeln wollen für eine fiktionale Serie für Funk.“ Hinter „Funk“ verbirgt sich das Online-Medienangebot für Jugendliche der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. „Das haben wir gemacht: Also haben wir ‚Wishlist‘ als Konzept entwickelt.“ Radio Bremen und Funk waren so begeistert, dass sie das Angebot kauften. „Das war Ende 2015. Seitdem waren wir dann non-stop mit ‚Wishlist‘ beschäftigt.“ Später sei noch „MDR Sputnik“, der Jugendsender des „Mitteldeutschen Rundfunks“, als Unterstützer dazugekommen.

    © Foto : Screenshot
    Wishlist

    Die komplette Serie ab Folge Eins ist seit Oktober 2016 auf dem Video-Portal „YouTube“ zu sehen. Insgesamt haben bisher über acht Millionen Zuschauer die Serie „Wishlist“ angeklickt. Zielgruppe sind 14- bis 30-Jährige. Zu einem Wikipedia-Eintrag hat es die Wuppertaler Film-Produktionsfirma „Outside The Club“, die Schießer mitgegründet hat, auch schon geschafft.

    Mysteriöse Handy-App

    „Wishlist“ spielt hauptsächlich in Wuppertal. Zur Handlung sagte der Regisseur: „Es geht um die 17-jährige Mira, die eine Außenseiterin in der Schule und im Freundeskreis ist. Sie bekommt eine anonyme Einladung zu einer mysteriösen Handy-App, die sich ‚Wishlist‘ nennt – und die Wünsche erfüllen kann. Für jeden Wunsch muss man aber eine Aufgabe erfüllen. Diese Aufgaben sind wiederum die Wünsche der anderen Nutzer, die diese App benutzen. Die sich dann überkreuzen, wie Mia nach kurzer Zeit herausfindet. Sie findet auch heraus: Je größer der Wunsch, desto größer der Preis, den man zahlen muss.“

    Mira (gespielt von der Kölner Schauspielerin Vita Tepel) lernt auf ihrer abenteuerlichen Reise weitere Mitstreiter kennen. Gemeinsam wollen sie dem Phänomen der geheimnisvollen App auf den Grund gehen. Die Wünsche und Forderungen werden anspruchsvoller. Die Sache scheint zunehmend außer Kontrolle zu geraten…

    Teufelspakt wie bei „Faust“

    Die Serie übe Kritik am „Umgang mit neuen Medien und dem Medienverhalten junger Leute“, schrieb einst „Die Welt“. Die Zeitung wagte einen Vergleich zum „Teufelspakt“ in Werken wie Goethes „Faust“. Mit „SPIEGEL ONLINE“ lobte ein weiteres Magazin die „futuristisch-urbane Darstellung der Wuppertaler Schwebebahn“. Die „taz“ verglich die Konstellation der fünf Freunde in der Mystery-Reihe eher mit US-amerikanischen Sitcoms wie „How I Met Your Mother“.

    Dem recht positiven Medienecho folgten mehrere Preise und Auszeichnungen. Das wundere ihn manchmal, verriet der Regisseur. „Ich sage immer ganz stolz, dass ich von allen Filmhochschulen Deutschlands abgelehnt wurde. Ich bin mehr oder weniger Autodidakt. Marcel Becker-Neu (einer der Drehbuchautoren und Ideengeber, Anm. d. Red.) und ich, wir hatten uns bei einer medianpädagogischen Einrichtung in Wuppertal kennengelernt, wo Jugendliche lernen, Filme zu machen.“ Später dann die Gründung der „Outside The Club“-Productions. Der Name sage es schon: „Wir gehören nicht zum Club der alten Filmemacher in Deutschland. Wir machen unser eigenes Ding.“

    Preise und Awards – Orientierung an Hollywood?

    2017 gewannen die Wuppertaler in der Kategorie „Förder-/Nachwuchs“ den „Deutschen Fernsehpreis“ für „Wishlist“. Im gleichen Jahr folgten weitere Awards und Auszeichnungen. So der „Grimme-Preis“ für Kinder und Jugend oder auch der „Webvideopreis Deutschland“.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Game of Thrones“ bringt Nordirlands Wirtschaft zum Boomen

    Mit „Wishlist“ habe sein Team „das erste Mal im Leben die Chance erhalten, in einem größeren Rahmen etwas auf die Beine zu stellen“, so Schießer. „Wir hatten uns von Anfang an gesagt, dass wir auf jeden Fall alles geben wollen. Alles an Energie und Leidenschaft dort reinbuttern wollten, was ging. Daher konnten wir einen hohen Produktionsstandard erzielen.“ Das Ergebnis sei der außergewöhnliche, visuelle Look der Serie, der manche Beobachter gar an Hollywood-Produktionen erinnert. Kein Wunder: Im Sputnik-Interview nannten die „Wishlist“-Macher mit David Fincher („Sieben“, „The Social Network“), Park Chan-Wook (Regisseur aus Südkorea) und Martin Scorsese („Casino“, „The Wolf of Wall Street“) gleich zwei Hollywood-Regisseure als direkte Vorbilder.

    Was kommt nach „Wishlist“?

    Nach zwei Staffeln stehen weitere Projekte an. „Wir arbeiten grade an einem nächsten großen Projekt. Außerdem wollen wir als Produktionsfirma noch mehr in die Werbung und Werbefilme produzieren.“ Aktuell loten die Produzenten von „Outside The Club“ aus, ob sie eine dritte Staffel der Serie „Wishlist“ verwirklichen sollten. Das haben sie in einem aktuellen Statement auf Youtube verraten.

    „Wishlist“ ist eine crossmediale Mystery-Serie. Sie wird gemeinschaftlich von „Radio Bremen“, „MDR Sputnik“ und „Funk“ produziert. 2017 gewann sie unter anderem den Grimme-Preis. Alle Episoden der Serie können hier online und kostenfrei gesehen werden.

    Das Radio-Interview mit Marc Schießer und „Outside the Club“:

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    Tags:
    Digitalisierung, Produktion, Film, Serie, ARD, ZDF, Youtube, Martin Scorsese