20:59 16 Oktober 2018
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    Weltraum (Symbolbild)

    Bis zum Mars-Flug wird es noch lange dauern - Kosmonaut

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    Nikolaj Jolkin
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    Das beste Schicksal von allen Kosmonauten Osteuropas, die mit ihren sowjetischen Kollegen im Rahmen des Interkosmos-Programms in den Weltraum geflogen sind, hat laut Juri Baturin, dem 90. Kosmonauten Russlands, der damalige DDR-Bürger Sigmund Jähn.

    Er erklärt dies damit, dass das wiedervereinigte Deutschland seine Zusammenarbeit mit Russland bei der Erschließung des Weltraums fortgesetzt hat und immer noch fortsetzt. „Etwas gelang uns, etwas nicht. Dann kam irgendein aufgeweckter Kopf auf die Idee, Sigmund Jähn in das Team einzuladen: Es hieß, hilf uns, sei unser Repräsentant in Russland. Da wurde gleich alles gut in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland. Jähn wurde als erster deutscher Raumfahrer anerkannt. Auch jetzt arbeitet er mit Raumfliegern.“

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    Bei der Präsentation seines neuen Buches „Die Herren der Unendlichkeit“ auf der jüngsten Buchmesse in Moskau, bei der Baturin von seinem Beruf und Schicksal erzählt hat, hat er die interessantesten und am häufigsten an Kosmonauten gestellten Fragen beantwortet. Darunter, welche Bräuche sie vor dem Raumflug haben. Baturin zufolge werden alle Bräuche, die sich seit den ersten Flügen der damals sowjetischen Kosmonauten etabliert haben, auch heute strikt eingehalten. „Am Vorabend des Starts muss man sich unbedingt die Haare schneiden lassen. Und während die Besatzung die Treppe zum Fahrstuhl des Raumschiffes hinaufsteigt, bekommt jeder Kosmonaut einen Tritt in den Hintern als Mahnung, dass, wenn sich das Raumschiff von der dritten Stufe der Trägerrakete lösen wird, er den gleichen Stoß von unten spüren wird.“

    Ferner erzählte Baturin von russischen Besonderheiten bei der Begleitung der Kosmonauten zum Start. „Um acht Uhr morgens wird der Tisch gedeckt, Gläser mit Champagner werden hingestellt. Alle 30 Sekunden wird ein Trinkspruch gehalten, in dieser Zeit schafft es aber keiner zu trinken, dazu noch so früh am Morgen. Am Ende spricht die Besatzung den abschließenden Trinkspruch, erst dann darf man trinken.“

    Kosmonaut Baturin präsentiert sein Buch
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Kosmonaut Baturin präsentiert sein Buch

    Die Bräuche werden nicht etwa deshalb strikt eingehalten, weil die Kosmonauten abergläubisch sind, sondern, wie Baturin erläuterte, „gehst du einen sehr gefährlichen Weg, so tue, wie andere es vor dir getan haben, und du wirst überleben. So gehen Pioniere auf einem Minenfeld einer hinter dem anderen, in des Vordermanns Spuren tretend.“

    Zukunft der Raumfahrt

    Auf den Mond haben wir es geschafft, aber bis zum Mars-Flug wird es trotz allerlei Versprechen noch lange dauern, meint der Raumflieger und Forscher. Dabei beruft er sich auf den legendären Konstrukteur der noch sowjetischen Raumtechnik Boris Tschertok, der nur zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag gestorben ist. „Laut der Prognose des Vaters der russischen Raumfahrt wird ein Mars-Flug 2101 stattfinden, also erst im nächsten Jahrhundert.“

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    Dies sei, so Baturin, ein sehr schwieriges Unternehmen. „Das größte Problem ist der Schutz der Raumflieger vor der radioaktiven Strahlung. Mein Kollege Waleri Poljakow, Kosmonaut und Arzt, der mit 437 Tagen den Rekord des längsten Fluges innehat (an der Zeit gemessen hat er praktisch den Mars erreicht), pflegte zu sagen, dass zum Mars pensionierte Kosmonauten fliegen sollen. Es dürfte zynisch klingen, ist aber richtig. Erstens haben sie Erfahrung mit Raumflügen, müssen nicht lange geschult werden, auch können sie mit der reproduktiven Funktion nichts mehr anfangen. Und sie werden kaum zurückkommen können. Es ist weniger schade um alte Leute. Dies sind aufrichtige Worte eines Profis.“

    Baturin signiert sein Buch
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Baturin signiert sein Buch

    Der bemannten Raumfahrt setzt hauptsächlich der Gesundheitsschutz der Flieger Grenzen, sagte Baturin weiter. „Sie muss einen qualitativen Sprung schaffen. Vielleicht sind in einem Labor der Welt schon die erforderlichen Entdeckungen gemacht worden, die uns dazu verhelfen. Es gibt Projekte zum Raketen-Laserstart, wenn man keinen Treibstoff mitführen muss, den man dann verbraucht, sondern Energie über einen Laserstrahl beziehen kann. Da ist ein Hohlspiegel, den muss man mit dem Strahl treffen, dieser wird fokussiert, und es folgt eine Mikroexplosion, mit der die Rakete angetrieben wird.“

    Solche Versuche führt im Moment die Lightcraft Corporation in den USA durch, sagt der russische Kosmonaut. „Auch das Raumschiff heißt so, analog zu spacecraft, nämlich Lichtschiff. Dazu muss aber der Himmel wolkenfrei sein. Am besten tut man das irgendwo im Tibet-Gebirge, wo der Himmel meist klar ist.“

    Das Hauptproblem sieht Baturin allerdings darin, dass der Laser ein Doppelzweckerzeugnis ist. „Er kann Waffe sein und zu friedlichen Zwecken verwendet werden. Um dies zu regeln, ist ein völkerrechtlicher Beschluss erforderlich. Keiner aber will es machen, in der Hoffnung, als Erster eine Laserwaffe bauen zu können. Prototypen dafür gibt es bereits in Russland wie in Amerika.“

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    Prognose, Buch, Raumfahrt, Mars, Deutschland, Russland, Internationale Weltraumstation ISS, Weltraum