13:17 17 Oktober 2018
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    Mallorca (Symbolbild)

    „Gemütliche Kindervilla“: Zoff um AWO-Kita auf Mallorca

    CC BY-SA 2.0 / Andrés Nieto Porras / Día de playa
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    Der Kreisverband Schwerin-Parchim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) steht mächtig in der Kritik. Es geht um eine Kindertagesstätte auf der spanischen Insel Mallorca. Die AWO betreibt diese seit zwei Jahren. Die Opposition in Mecklenburg-Vorpommern fordert einen Untersuchungsausschuss.

    Der Fall zeige, wie wichtig Transparenz bei öffentlich geförderten Verbänden und Vereinen sei, teilte die Linksabgeordnete Karin Larisch per Pressemitteilung mit. Dazu gehöre die Offenlegung jeglicher unternehmerischer Betätigung.

    Noch deutlicher wird der Landtagsabgeordnete Thomas Jesus de Fernandez in einer Mitteilung der AfD-Fraktion: „Die AWO hat ihren moralischen Kompass offenbar komplett verloren. Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie sich den Geschäftsbericht des Kreisverbandes Schwerin-Parchim vorlegen lässt. Dadurch hätte auch der Sozialausschuss Einblick in den Bericht und kann die intransparenten Finanzströme von Schwerin nach Mallorca genau unter die Lupe nehmen.“

    Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern bereits einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der sich seit einem Jahr mit der AWO beschäftigt. Dabei geht es um den Verdacht des Missmanagements und den Umgang mit Steuergeldern – allerdings bisher nur auf Ebene der Landesverbände.

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    AWO: Keine öffentlichen Gelder verwendet

    Die AWO selber verteidigt sich auf ihrer Website. Zwei Jahre nach ihrer Eröffnung hat die mecklenburgische AWO-Kita auf Mallorca eine positive Bilanz gezogen: „Spenden oder Fördermittel von Ministerien oder Kommunen aus Deutschland wurden nicht eingesetzt. Personalkosten und Betriebskosten für den Betrieb der Kita werden demnach ausschließlich aus den Elternbeiträgen bezahlt. Der Kreisverband ist Eigentümer des genutzten Grundstückes und hat eine Option auf ein weiteres Grundstück. Er hat das Gebäude zweckentsprechend hergerichtet. Über einen Kredit der DKB sind 400.000 Euro investiert worden. Zudem wurden 162.500 Euro aus Eigenmitteln des Verbandes zum Erwerb des Grundstückes eingesetzt.“ Auch die Kosten für die Flüge und deren genaue Anzahl werden in der Mitteilung aufgeführt.

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    AWO betreibt auch Kitas in Togo und Gambia

    Zur Beschreibung der Kita-Immobilie heißt es: „Die gemütliche ‚Kindervilla‘ in der Ortsmitte bietet neben freundlichen Gruppen- und Funktionsräumen auch ein etwa 1000 Quadratmeter großes Grundstück mit Spielgeräten sowie Mandarinen- und Zitronenbäumen.“ In der zweisprachigen Einrichtung arbeiteten neben zwei deutschen Pädagoginnen auch zwei einheimische Fachkräfte, heißt es weiter. Bis zu 28 Kinder in Halb- und Ganztagsplätzen werden von ihnen auf Deutsch und Spanisch betreut.

    Bernd Sievers, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands Schwerin-Parchim sagte in der Mitteilung: „Um den Entwicklungen im Fachkräftemarkt regional und überregional gerecht werden zu können, müssen wir über die Grenzen hinaus globaler denken und uns vernetzen. Kitas in Spanien, Togo oder Gambia sind erste wichtige Schritte in diese Richtung.“

    Ministerium wundert sich

    Es seien keine Fördermittel des Sozialministeriums in die Kita nach Mallorca geflossen. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk. Man bewerte diese Form der unternehmerischen Tätigkeit allerdings als „ungewöhnlich“. Eine Kita auf Mallorca liege nicht im Landesinteresse, hieß es dem Bericht zufolge weiter.

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    Tags:
    Kindergarten, Skandal, Die LINKE-Partei, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Mallorca, Deutschland