04:16 17 Oktober 2018
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    das Epos „Silmarillion“ von Kult-Autor J. R. R. Tolkien

    Was Tolkiens „Silmarillion“ mit der Bibel zu tun hat – „Herr Der Ringe“-Experte

    CC BY-SA 3.0 / Stojanoski Slave / "The Silmarillion" by J.R.R. Tolkien
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    Alexander Boos
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    „Der Herr Der Ringe“ ist nicht der einzige Fantasy-Klassiker von Kult-Autor J. R. R. Tolkien. Er hat auch das Epos „Silmarillion“ verfasst. Welche politische Symbolik in dem Werk steckt, verrät der „Herr Der Ringe“-Experte Ludwig Gartz aus Hessen im Sputnik-Interview. „Es geht um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse.“

    „Das ‚Silmarillion‘ ist die gesamte Vorgeschichte zum ‚Hobbit‘ und zum ‚Herrn Der Ringe‘“, sagte Ludwig Gartz, Autor und Tolkien-Experte aus Hessen, gegenüber Sputnik. „Wie alle Tolkien-Fans wissen, oder fast alle.“ Im „Silmarillion“ seien ebenso wie im „Herrn Der Ringe“ und „Der Hobbit“ „kollektive Bewusstseinsprozesse“ der Menschheitsgeschichte dargestellt. Das Volk der Elben stehe im Mittelpunkt des Epos. Der Fantasy-Roman spiele in einer „vor-historischen Zeit“.

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    Das Besondere an der aktuellen Zeitepoche, so der „Herr Der Ringe“-Kenner, sei, „dass in unserer Zeit Bewusstseinsprozesse zu Ende kommen, die praktisch ewig gedauert haben. Diese Prozesse sind letztlich dargestellt durch die Geschichte der Elben, die ausführlich im ‚Silmarillion‘ berichtet wird.“ Das Volk der Elben symbolisiere „den spirituellen, also geistigen Kern“ der Menschheit.

    Verschlüsselt: Der „Fall aus dem Paradies“

    Biblisch gesprochen stellt dieser Zeitpunkt das „Paradies“ dar. Es gibt eine tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Natur. Doch dann tritt Melkor auf den Plan. Der „Schwarze König“ steht laut Gartz für das menschliche Ego, für das Abgründig-Böse im menschlichen Geist. „Melkor tötet Finwë, den Stammvater der Eldar und Noldor (zwei Elbenvölker, Anm. d. Red.). Dieser Stammvater symbolisiert das vollkommene Gleichgewicht von Liebe und Weisheit, von Männlich und Weiblich.“

    Um den Verlust auszugleichen, wurden die Silmaril geschaffen. Drei magisch leuchtende Edelsteine, die der Elbe Fëanor, ein Sohn von Finwë, schuf. „Die Silmaril symbolisieren die Fähigkeit unserer Seele, uns fest in uns selbst zu verankern. Also die Fähigkeit, glücklich zu sein, im tiefsten Sein verankert zu sein, und die Selbsterkenntnis.“ Das entspreche dem Ausspruch von Jesus Christus: „Werdet wie die Kinder.“ Für den Tolkien-Experten stehe das für: „Reines Bewusstsein, kindliche Unschuld zu haben, frei von Konflikten zu sein. Diese Fähigkeit geht mit dem Erwachsen des Ego verloren.“ Das Ego arbeite ständig „gegen unser eigenes Glück“.

    Beginn des „Zweiten Zeitalters“

    Das „Silmarillion“ beschreibe letztlich den ewigen Kampf der Menschheit gegen die Unterdrückung durch das kollektive Ego. „Um diesen Kampf gegen Melkor, gegen das Dunkle, gegen die Mächte der Trennung zu kämpfen. Um wiederzuerkennen, wer wir sind.“ Letztlich gehe es um „Liebe, Vergebung, um Verständnis, darum, glücklich zu sein“.

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    In dem Werk seien vier große Zeitepochen verschlüsselt. Nach dem Auftauchen Melkors erscheine „das Zeitalter Númenors, der Menschen, die in Númenor leben. Diese gründen später Gondor und Arnor, die dann im ‚Herrn Der Ringe‘ eine Rolle spielen. Der Fehler, den sie gemacht haben, ist zu glauben, es würde genügen, nur Gutes zu tun, um zu unserem Seelenkern zurückzufinden und so das Ego zu überwinden.“ Dies genüge jedoch nicht, weil „das Gut-Sein, die Integrität, ist nicht das Ziel, sondern nur eine Voraussetzung für das große Ziel: Letztlich geht es um Liebe, es geht immer nur um Liebe.“

    Untergang von Númenor

    Ludwig Gartz
    © Foto : Privat
    Ludwig Gartz

    „Dann geht Númenor unter in dem Glauben: ‚Jetzt wissen wir doch, was Integrität heißt. Jetzt sind wir doch gute, gerechte Menschen.‘ Dadurch wird aber nur wieder das Ego gestärkt.“ Daraufhin sei Sauron gekommen und habe den Untergang des Reiches bewirkt. „Sauron ist der Aspekt des Egos, der dann herrscht, wenn bereits eine Entscheidung gefallen ist, dass wir zu unserem Selbst zurückfinden wollen.“ Mit dem Untergang Númenors ende das Zweite Zeitalter.

    Die dritte Zeitepoche sei der erste Bereich im „Silmarillion, wo wir dann erkennbare historische Überlieferungen sehen können.“ Das falle dann in die Gründungszeit der bereits erwähnten Reiche Gondor und Arnor.

    Befreiung vom Ego

    Gartz ist überzeugt, dass das Alte Rom „eines der Reiche Saurons“ war. Damit beginne eben „die Geschichte unserer Zeit“. Hierzu gehöre „auch die Errichtung unseres gegenwärtigen Geldsystems. Wir müssen uns Systemen unterordnen, die von egoistischen Kräften ausgenutzt werden.“ Letztlich sei es unsere Aufgabe, „sich von unseren Ego-Kräften zu befreien“. Das sei zwar sehr schwer. Möglich sei aber, „dass wir an unseren eigenen, falschen Vorstellungen arbeiten, die wir von uns selbst haben“.

    Der britische Schriftsteller J. R. R. Tolkien, Schöpfer des „Silmarillion“ und des „Herrn Der Ringe“, wehrte sich Zeit seines Lebens gegen Interpretationen seiner Werke. „Die Symbolik lebt von der inneren Nachvollziehbarkeit“, entgegnet Gartz Kritikern seinr Auslegung der Tolkienschen Werke. Er stütze sich hierbei auf akademische Forschungen, die sich mit Symbolsprache und Symbol-Analyse befassen. Es gebe ernstzunehmende Wissenschaftler, die beispielsweise die Bibel symbolisch analysieren. Er nannte Forscher wie den jüdischen Sprachwissenschaftler Friedrich Weinreb als methodologische Vorbilder. Gartz zufolge gebe es große Parallelen zwischen der Bibel, also der Heiligen Schrift der Christen, und dem „Silmarillion“.

    Ludwig Gartz ist Tolkien-Experte und arbeitet als Schriftsteller und Übersetzer. Veröffentlichungen von ihm sind: „Die Ringvernichtung: Tolkiens Lösungen für die Menschheit“, „Die Symbolik Tolkiens“, „Fließendes Geld“ oder auch „Globaler Reichtum – Die Machbarkeits-Studie“. Alle diese Bücher sind im Handel erhältlich und können auch direkt über die Homepage des Autors bestellt werden: www.neunheit.de

    Das Radio-Interview mit „Silmarillion“-Experte Ludwig Gartz zum Nachhören:

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    Tags:
    Bibel, Literatur, Geschichte, "Herr der Ringe", John Ronald Tolkien