01:04 21 Oktober 2018
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und AfD-Chef Alexander Gauland (r.)

    Warum Gauland vom Dorf kommt und Merkel „kleine Grenzwächterin“ heißt – Namenforscher

    © AFP 2018 / Odd ANDERSEN
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    Alexander Boos
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    Warum ist AfD-Politiker Alexander Gauland „einer vom Dorf“? Was hat Kanzlerin Angela Merkel mit einem „Bübel“ zu schaffen? Warum ist von der Leyen „nicht adelig“? Auf all diese Fragen liefert Jürgen Udolph, Deutschlands bekanntester Namensforscher, Antworten. „Petry ist der Sohn von Petrus“, erklärt der Onomastiker im Sputnik-Interview.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „hat ihren Nachnamen von ihrem ersten Ehemann“, sagte Onomastiker Jürgen Udolph vom „Zentrum für Namenforschung” in Leipzig gegenüber Sputnik. „Merkel ist ein Name, der in Sachsen vorkommt.“ Das sei eine Kosebildung. „Das ‚el‘ am Ende deutet an: Das ist das Bübel (der Bube, Anm. d. Red.) oder das Mädel. Die Grundlage ist ein germanischer Name: Markwart oder Markhart.“

    Im „Markwart“ sei der Begriff „Mark“ versteckt. „Ein altes Wort für Grenze.“ Das stecke auch in „Dänemark“, „Neumark“ oder „Altmark“. „Das ist die Grundlage. Merkel ist von daher der süße, kleine Markwart. Das in etwa ist die Bedeutung ihres Namens.“

    Markus Söder (CSU): „Der vom Brunnen“

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) „kommt aus Franken“, so der Namenkundler. „Und das passt genau. Denn wir haben den Namen etwa 2000 Mal in Deutschland. Mit einem Schwerpunkt in Franken.“ Der Name sei eine Ableitung aus dem alten Wort „Sod“ – einem veralteten Begriff für einen Ziehbrunnen.

    Ursula von der Leyen (CDU): „Kein bisschen adelig“

    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen „ist kein bisschen adelig“, urteilte der Namensforscher. „Die Wortkonstruktionen ‚von der …‘ sind ursprünglich nicht immer adelig. Wir kennen das vor allem aus dem Holländischen: Van der Veen – der aus dem Sumpf. Oder Van der Mol – der von der Mühle.“ Sie komme „halt von einer Stelle, die man Ley genannt hat. Und Ley ist ein rheinisches Wort für Schiefer. Wir kennen das von der Loreley.“

    Andrea Nahles (SPD): „Hat mit Apollinaris zu tun“

    Der Name der SPD-Chefin tauche meist am Rhein auf. „Etwa zwischen Leverkusen und Koblenz ist der Name zuhause. Nahles ist mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit die Abkürzung für ‚Apollinaris‘.“ Damit sei aber nicht die Getränke-Marke gemeint, „sondern der christliche Name Apollinaris. Das ist ein Name, der mit Apollon zu tun hat. Er kommt aus dem Griechischen. Wichtig ist hier das christliche Erbe.“

    Gregor Gysi (Die Linke): „Guter Bogen-Schütze“

    „Gysi stammt nicht aus der DDR oder Berlin, wo er tätig ist“, so Udolph. „Das kann man an seiner Biographie sehen. Gysi ist eine Kurzform, eine Koseform.“ Das werde durch das ‚i‘ am Ende symbolisiert. „Diese Verniedlichungen sind typisch für den südwestdeutschen, allemannischen Raum.“ Gysi werde zu „Geisel“. Eigentliche Grundlage sei aber „Rute, Stab oder Pfeil – auch Sprössling“. Der Name leite sich wohl von jemandem ab, „der mit Pfeil und Bogen gut umgehen konnte“.

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    Jürgen Trittin (Bündnis 90 / Die Grünen): „Aus Pommern“

    Danach analysierte Namens-Experte Udolph den Familiennamen des früheren Grünen-Chefs Jürgen Trittin. „Trittin ist ein Name, der durch Umsiedlung nach Deutschland kam. Wir haben ihn nur 20 Mal. Relativ selten.“ Der Name entstamme einem kleinen Ort in Pommern, der früher deutsch war und heute zu Polen gehört.

    Wolfgang Kubicki (FDP): „Falsche Aussprache“

    Der Name von FDP-Chef und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki komme häufig falsch über die Lippen. „Das ist eine falsche Aussprache“, betonte Udolph. Die korrekte Aussprache müsse osteuropäisch erfolgen. „Er müsste ‚Kubiz-Ki‘ ausgesprochen werden. Aber es kommt darauf an, wie der Name dann im Deutschen aufgenommen wird. Hier ist man von der Schreibung ausgegangen.“ Kubicki sei in Polen ein „ganz häufiger“ Name. Es gebe verschiedene polnische Ortsnamen, „die hier eine Rolle spielen. Von einem dieser Ortsnamen ist dann der Familienname abgeleitet.“

    Alexander Gauland (AfD): „Der vom Dorf“

    Gauland sei ein spannender Name. „Den gibt es nicht so oft. Das Zentrum ist Neustadt in Hessen und die Region Marburg. Da ist er 1657 zum ersten Mal urkundlich bezeugt.“ Den Namen eindeutig zu bestimmen, sei nicht so einfach. „Die Frage ist, was Gau bedeutet. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die wahrscheinlichste ist die, dass Gau ursprünglich ‚Landschaft‘ oder ‚Land‘ bedeutet. Das wäre im Prinzip das Land im Gegensatz zur Stadt. Also ein Landbewohner. Einer vom Dorf.“

    Frauke Petry (Blaue Partei): „Sohn von Petrus“

    Frau Petry trägt einen Namen „im Genitiv-Singular. Es ist im Grunde Petrus. Die lateinische Endung ‚y‘ bedeutet Petrus‘ Sohn. Auch hier spielt wieder das Christentum eine Rolle.“

    Renommierter Namensforscher

    Professor Jürgen Udolph
    © Foto : privat
    Professor Jürgen Udolph

    Viele Jahre war Onomastiker Udolph Dauergast bei „Radio Eins“, einem Rundfunk-Programm des „RBB“. Heute ist er vor allem in „seinem“ Leipziger Namenszentrum aktiv, gibt aber auch regelmäßig Interviews für Radio-Stationen in der ganzen Republik. In seiner Laufbahn hat der Namenkundler bereits zehntausende Familiennamen auf ihre Herkunft entschlüsselt. Das hatte er in einem früheren Interview mit Sputnik berichtet.

    >>Andere Sputnik-Artikel: „Herr der Ringe“ entschlüsselt: „Russen und Deutsche sind schicksalhaft verbunden“

    Das Radio-Interview mit Prof. Jürgen Udolph zum Nachhören:

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    Tags:
    Forschung, Namen, FDP, CDU, CSU, Die LINKE-Partei, Bündnis 90/Die Grünen, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Gregor Gysi, Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Wolfgang Kubicki, Jürgen Trittin, Frauke Petry, Markus Söder, Andrea Nahles, Alexander Gauland, Deutschland