11:03 22 Oktober 2018
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    „WhatsApp“ (Symbolbild)

    Werbung auf „WhatsApp“: Ab 2019 könnte Facebook Nutzer-Chats durchforsten

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    Ab 2019 wird es auf „WhatsApp“ grundlegende Veränderungen, insbesondere Werbung geben. Das hat Facebook bestätigt. Kritik an dieser Entwicklung kommt von den Gründern der App. Sie sehen in Werbung nicht nur eine Störung, sondern befürchten auch, dass Facebook für sein Werbemodell die Chatverläufe seiner Nutzer durchleuchten wird.

    Bei der Smartphone-App „WhatsApp“ wird es ab 2019 Werbung geben. Das bestätigte Carolyn Everson, die bei Facebook für globale Marketingstrategien verantwortlich ist. Im Wall Street Journal versuchte sie, diesem Schritt den Zündstoff zu nehmen, indem sie sagte: „Werbung für wachsende Unternehmen steht nicht im Widerspruch zu den Menschen.“ Außerdem fügte sie mit Blick auf Schwellenländer hinzu, dass solche Werbung auf „WhatsApp“ Kleinunternehmern entscheidend helfen könnte. Deswegen bezeichnete sie diese Entwicklung schließlich als eine positive für die Gesellschaft.

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    Von kleinen Jahresgebühren zu riesigen Werbeeinahmen

    Facebook-Logo (Symbolbild)
    © AP Photo / Invision for Facebook/Darren Abate
    Das sehen die Gründer von „WhatsApp“ anders. Sie haben eine grundlegend negative Einstellung zu Werbung und wollten den Dienst nie darüber finanzieren. Deswegen wurde die App werbefrei angelegt. Lediglich eine Jahresgebühr von 89 Cent war ab dem zweiten Jahr zu entrichten. Diese entfiel bei der Übernahme durch Facebook. Allerdings hatten die Gründer des Programms mit einer gesonderten Klausel dafür gesorgt, dass bis 2019 keine Werbung in „WhatsApp“ geschaltet werden darf. Facebook hat diese Frist gewissenhaft abgewartet und schlägt jetzt zu: Eine geschaltete Werbeanzeige gibt schließlich zwischen einem und neun Cents. Da sind die 89 Cents rasch wieder drin – und weitaus mehr.

    Erhält Facebook Zugang zu Nutzerchats?

    Die Frist läuft aus, und die beiden Gründer haben „WhatsApp“ mittlerweile verlassen. Facebook allein entscheidet über die Zukunft der App. Und diese sieht so aus, dass zunächst im sogenannten „Status“ der Nutzer auch Werbung eingeblendet werden soll. Das kritisierten die Gründer nicht nur, weil es eine „Störung“ für den Nutzer darstellt, sondern auch, weil Facebook für die Einblendung solcher Werbung die End-zu-End-Verschlüsselung von „WhatsApp“, die garantieren soll, dass niemand die Nachrichten mitliest, aufweichen lassen könnte, um personalisierte Werbung auszuspielen. In anderen Worten: Facebook müsste sich für sein Business-Modell Zugang zu den Chats seiner Nutzer verschaffen und diese systematisch zu Werbezwecken durchforsten.

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    Alternativen zu „WhatsApp“: Signal, Telegram & Co.

    WhatsApp-Nutzer sind allerdings nicht verloren. Es gibt weniger bekannte, aber genauso effiziente Alternativen, die sowohl auf eine Jahresgebühr als auch auf Werbung verzichten und die Nachrichten sicher verschlüsseln. Dazu gehören etwa „Telegram“, „Threema“ oder „Signal“. Letztere App empfiehlt auch der ehemalige CIA-Mitarbeiter und weltberühmte Whistleblower Edward Snowden.

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    Werbung, Überwachung, Sicherheit, WhatsApp, Facebook, Edward Snowden, Mark Zuckerberg, USA