13:09 15 November 2018
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    Der AfD-Politiker Björn Höcke (Archiv)

    Als Stauffenberg auf der Buchmesse: „Höcke gehört nicht zur Elite“

    © AFP 2018 / Frank Rumpenhorst / dpa
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    Der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn ist verkleidet als Wehrmacht-Oberst Graf von Stauffenberg zu einer Lesung von Björn Höcke bei der Frankfurter Buchmesse aufgetaucht: „In Uniform begegnet man mir mit viel mehr Respekt.“

    Der AfD-Politiker Björn Höcke stellte auf der Frankfurter Buchmesse sein neues Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ vor. Zu diesem Anlass war auch der Vorsitzende der Partei „Die PARTEI“, Martin Sonneborn, bei der Messe aufgeschlagen – in einer SS-Uniform aus der Titanic-Redaktion. „Wehrmacht hatten wir nicht, deswegen hatte ich eine SS-Uniform an. Ich dachte, wenn Höcke zur Buchmesse kommt, dann kann ich ihn auch standesgemäß begrüßen.“

    Martin Sonneborn verkleidet als Wehrmacht-Oberst Graf von Stauffenberg
    © Foto : Martin Sonneborn
    Martin Sonneborn verkleidet als Wehrmacht-Oberst Graf von Stauffenberg

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    Mit SS-Uniform, Augenklappe und Aktentasche auf die Buchmesse

    Zu der Uniform trug der Europaabgeordnete Sonneborn eine Augenklappe und eine braune Aktentasche. Jeder historisch halbwegs bewanderte konnte die Ähnlichkeit mit Oberst Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg erkennen. Der Wehrmachtsoffizier war Hauptakteur bei dem misslungenen Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler.

    „Es war alles wahnwitzig abgesperrt“, erzählt Sonneborn über die Höcke-Lesung vom 12. Oktober. „Für eine Buchmesse ganz ungewöhnlich.“

    Ein Ordner sperrte die Rolltreppe ab. Links und rechts waren Polizisten. Sonneborn berichtet:

    der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke (Archiv)
    © AFP 2018 / Philipp von Ditfurth / DPA
    „Ich sagte zum Ordner: ‚Mann, ich muss hier durch‘. Der sagte: ‚Ich muss erst oben anrufen.‘ Dann sagte er in sein Funkgerät, dass hier ein Herr ist. Ich sagte: ‚Stauffenberg.‘ Er sagte: ‚Herr Stauffenberg.‘ Ich sagte: ‚Mit Aktentasche.‘ Er sagte: ‚Mit Aktentasche.‘ Dann wurde ihm durch das Funkgerät bedeutet, dass er mich auf gar keinen Fall hereinlassen soll. Wir sind dann weiter gegangen. Noch ein bisschen über die Buchmesse und beim Stand der ‚Jungen Freiheit‘ vorbei. Da wurde ich dann darauf hingewiesen, dass ich gar nicht die richtige Naziuniform anhabe. Ich sagte dann nur: ‚Na, Sie kennen sich wahrscheinlich besser aus damit als ich‘.“

    Sonneborns Botschaft für Höcke

    In Stauffenbergs berühmter Aktentasche wurde damals Sprengstoff versteckt. Sonneborn will eine Flasche Sonnebräu dabeigehabt haben. Andernorts auf der Buchmesse hatte er Flaschen dieser Biermarke signiert.

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    Seine Botschaft sei allerdings eine andere gewesen:

    „Ich habe das Buch – diese 300 Seiten Unfug – die er da geschrieben hat, zumindest quergelesen und bin dabei auf lustige Sachen gestoßen. Zum Beispiel fordert er, dass das deutsche Volk mit harter Faust an langer Leine von einer Elite geführt wird. Das ist eine sehr schiefe Metapher. Aber man versteht, was er meint. Diese Sicht der Dinge unterstütze ich natürlich auch. Aber ich wollte ihm erklären, dass er gar nicht dazu gehört: zur Elite.“   

    Diese Nachricht sei bisher zu kurz gekommen. Viele Medien hätten wohl nur über die Aktion berichtet, so Sonneborn, weil sie die Chance gesehen hätten, über eine „Höcke-Veranstaltung zu berichten, ohne Höcke und den Unsinn, den er geschrieben hat, zu thematisieren.“

    Das komplette Interview mit Martin Sonneborn zum Nachhören:

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    Tags:
    Elite, Attentat, Nazi-Symbole, Messe, Buch, Martin Sonneborn, Björn Höcke, Deutschland