22:47 17 November 2018
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    Gefängniszelle (Symbolbild)

    „Geheimbericht“: Notruf ignoriert? – Unschuldig inhaftierter Syrer verbrennt

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    Panorama
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    Paul Linke
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    Der Fall um den unschuldig inhaftierten Syrer Ahmed A., der nach einem Brand in der Justizvollzugsanstalt Kleve gestorben ist, nimmt eine dramatische Wendung. Wurde ein Notruf des Opfers aus der brennenden Zelle ignoriert?

    Der 26-jährige Syrer Ahmed A. verstarb am 29. September, zwei Wochen nach einem Feuer in seiner Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve, in einer Klinik. Erst danach räumten die Behörden ein, dass er in Folge einer Verwechslung mit einem Mann aus Mali mehr als zwei Monate lang zu Unrecht festgehalten wurde. Nach dem Bekanntwerden des Falls war zunächst von einem Selbstmord ausgegangen worden.

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    Nun berichten die „Bild“-Zeitung und der „Kölner Stadt-Anzeiger“, die Protokolle aus dem Gefängnis würden darauf hindeuten, dass offenbar am Abend des Brandes die Gegensprechanlage im Haftraum betätigt worden sei. Die Beamten hätten darauf nicht oder zu spät reagiert. In einem nichtöffentlichen Bericht des Justizministeriums, der der „Bild“-Zeitung vorliege, heiße es, dass „entgegen der bisherigen Erkenntnislage“ doch Protokollierungsdaten aus der Justizvollzugsanstalt Kleve gefunden worden seien.

    So gehe aus dem Bericht hervor: „Die Daten deuten nach Einschätzung der Polizei darauf hin, dass entgegen bisheriger Annahme am Brandtag gegen 19.19 Uhr die Gegensprechanlage in dem Haftraum 143 betätigt wurde.“ Weiter stehe dort: „Die Ermittlungen… werden sich auch auf die Frage erstrecken, ob und wann das durch die Gegensprechanlage ausgelöste Lichtsignal deaktiviert wurde.“

    Wurde der Anruf also „weggedrückt“? Fakt sei, dass um 19.22 Uhr – also drei Minuten nach dem nicht angenommenen Anruf aus der Zelle – das JVA-Personal die Feuerwehr anrief, weil es dicken Rauch gab. Als die Wärter dann die Zelle des Syrers Ahmed A. geöffnet hätten, sei das Opfer ihnen offenbar brennend entgegengefallen, berichten die Medien.

    Hätte das Personal den Mann retten können?

    Die wichtigste Frage dabei lautet: Hatte es schon in der Zelle gebrannt, als die Gegensprechanlage betätigt wurde? Und hätte man A. retten können? Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sei sicher, dass der Mann das Feuer mit einem Feuerzeug „im Bereich der Matratze“ selbst entfachte. Auch seinem Anwalt zufolge sei der Syrer suizidgefährdet gewesen.

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    Hier habe der Geheimbericht einen weiteren Skandal enthüllt, so die „Bild“-Zeitung: „Denn von den psychischen Problemen stand nichts in der Gefangenenakte des Syrers – aber offensichtlich sehr wohl in seiner Gesundheitsakte.“

    Es bestehe der Verdacht, dass in der Akte Dinge standen, die „pflichtwidrig nicht zur Kenntnis gebracht“ worden seien, habe der Justizminister in seinem Bericht betont. Dadurch sei der Gefangene nicht als suizidgefährdet eingeordnet und auch nicht entsprechend bewacht worden.

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    Tags:
    Feuer, Gefängnis, Tod, Polizei, Deutschland