01:56 19 November 2018
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    Nichts Wahres an „Bares für Rares“? 700 Protestbriefe wegen ZDF-Sendung

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    In der Sendung „Bares für Rares“ geht es um alte Fundstücke. Die Finder lassen die Gegenstände von Experten bewerten, die zum Teil horrende Summen dafür bieten. Für einen Juwelier aus Kiel ist das großer Humbug. Er kämpft gegen das Sendeformat an.

    „Bares für Rares“ kommt beim Publikum gut an. Der Sender hat die Show, die von Deutschlands bekanntestem Zwirbelbart Horst Lichter moderiert wird, gerade wegen der guten Quote vom Nachmittag in das Abendprogramm verlegt.

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    Das Prinzip ist einfach erklärt: Erben bieten alten Familienschmuck oder Kunstgegenstände an und bekommen sensationelle Summen geboten. Eine alte Teekanne aus Silber erzielt Höchstpreise, oder ein Schmuckkästchen der Urgroßmutter wechselt für mehrere Hunderter den Besitzer.

    Protestschreiben an 700 deutsche Zeitungen

    Das stößt beim Juwelier Jens Bahr aus Kiel auf heftige Kritik: „Mit der Realität hat das leider wenig zu tun“, sagt der 51-Jährige den Kieler Nachrichten und kritisiert: „Diese Sendung weckt beim Kunden völlig falsche Erwartungen.“

    Der Mann überlegt, rechtliche Schritte einzuleiten. „Ein seriöser öffentlich-rechtlicher Sender wie das ZDF dürfte solche unsachgemäßen Beiträge nicht ausstrahlen.“ An 700 Zeitungen in ganz Deutschland will er in Kürze ein Protestschreiben schicken.

    Der Juwelier blickt auf 30 Jahre Berufserfahrung zurück: „Ich habe deutschlandweit viel mit anderen Händlern und Auktionshäusern zu tun. Sie bestätigen, dass das, was den Kunden in der Sendung für ihre Schmuckstücke geboten wird, utopisch ist. Es entspricht in keiner Weise dem, was sie auf dem freien Markt erhalten würden.“

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    Alter Schmuck weniger wert als Portokosten

    Nach eigenen Angaben kommen fast täglich Kunden in sein Geschäft, die „Bares für Rares“ gesehen haben und sich eine große Summe für ihr Erbstück erhoffen. „Die muss ich dann fast immer enttäuschen“, sagt der Kieler Juwelier. „Alter Schmuck hat meist nur noch den Materialwert.“ Die Nachfrage sei nicht mehr da.

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    Einschätzung, Kritik, Verkauf, TV, Proteste, ZDF, Deutschland