09:23 16 November 2018
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    F-35 Lightning II

    F-35-Kauf: Darum entschied sich Brüssel für „Europa-Verrat“ – Belgiens Premier

    © Foto: U.S. Air Force / Brandon Shapiro
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    Der belgische Premier Charles Michel hat am Freitag erklärt, warum sich die belgische Regierung für die Anschaffung von Kampfjets des Typs F-35 Lightning zur Umrüstung der einheimischen Luftwaffe entschieden hatte.

    „Wir haben die Franzosen gebeten, ihr Angebot und ihre Preise zu nennen — dem sind sie jedoch nicht nachgekommen", sagte Michel gegenüber dem TV-Sender RTBF.

    Zuvor hatten einige französische Medien Belgiens Entscheidung als „Verrat" bezeichnet, weil das Land auf den Erwerb der europäischen Jets verzichtet hatte.

    Die Wahl Belgiens sei völlig transparent und wirtschaftlich motiviert gewesen, betonte der belgische Premier. Deshalb habe es keinen Sinn, diese mit einer Konzession an den US-Präsidenten Donald Trump zu verknüpfen.

    Im Februar 2018 hatten der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin (Hersteller von F-35 Lightning II) und der britische Produzent BAE Systems (Hersteller der Kampfjets Eurofighter Typhoon) an der Ausschreibung zur Umrüstung der belgischen Luftstreitkräfte mit Jagdbombern der neuen Generation teilgenommen.

    Im September 2017 hatten sich die Boeing Company, die Mehrkampfflugzeuge vom Typ Super Hornet F/A-18 herstellt, und der schwedische Luftfahrtkonzern Saab, der Mehrkampfjets des Typs JAS-39 E Gripen produziert, aus der Ausschreibung zurückgezogen. Auch Frankreich verließ die Ausschreibung und schlug  Brüssel vor, den Kampfjet Rafale F3R des Konzerns Dassault Aviation gegen eine „vertiefte und strukturierte Partnerschaft" bei der Umsetzung des Plans zur Schaffung von Kampflugzeugen der neuen Generation bis zum Jahr 2040 zu tauschen.

    Bei der Umrüstung der belgischen Luftstreitkräfte geht es um die Auswechslung des Kontingents an F-16-Kampfflugzeugen, die seit Anfang der 1980er Jahre im Dienst der belgischen Luftstreitkräfte waren. Für die Anschaffung und Wartung der 34 neuen Jagdbomber in den nächsten 40 Jahren will die Regierung Belgiens laut Medien insgesamt 15 Milliarden Euro bereitstellen.

    Laut dem belgischen Verteidigungsministerium beträgt der Stückpreis für eine F-35-Maschine, die Atomwaffen tragen kann, 76,3 Millionen Euro – Waffenausstattung und Pilotenausbildung eingeschlossen. Die Gesamtkosten für den belgischen Haushalt belaufen sich somit auf 2,594 Milliarden Euro gegenüber 3,6 Milliarden an zugesagten Mitteln. Belgien soll also weniger für US-amerikanische Kampfflugzeuge bezahlen, als dies bei Italien und den Niederlanden der Fall war, so die Behörde.

    Nach Ansicht des ersten Vize-Bürgermeisters der belgischen Gemeinschaft Ottignies-Louvain-la-Neuve und Wirtschaftsexperten Cédric du Monceau ist die Entscheidung der belgischen Regierung, F-35 Lightning II Kampfflugzeuge aus den USA zu kaufen, sowohl für die belgische Wirtschaft als auch für die Europäische Union insgesamt ungünstig.

    Das erste F-35-Flugzeug soll von der belgischen Luftwaffe 2023 in den Dienst genommen werden. Bis zum Jahr 2028 soll die Ausmusterung aller F-16-Kampfjets abgeschlossen sein.

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    Erklärung, Auswahl, Rafale, F-35, Kampfflugzeug Lockheed Martin F-35 Lightning II, Dassault Aviation, The Boeing Company, Lockheed Martin, US-Unternehmen Lockheed Martin, Charles Michel, Belgien