06:36 20 November 2018
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    der tropische Wirbelsturm Leslie am 14. Oktober 2018 in Spanien

    Wirbelstürme: Führt Klimawandel in Europa zu tropischen Verhältnissen?

    © AP Photo / Emilio Morenatti
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    Zwei Jahre hintereinander erreichen ehemalige tropische Hurrikane auch Europa. Schwere Schäden und Todesopfer sind die Folgen. Dieser Trend könnte in Zukunft weiter zunehmen. Das sagen Forscher von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften.

    Am 14. Oktober 2018 fiel der tropische Wirbelsturm Leslie mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern über Portugal und Spanien her. Portugiesischen Medienberichten zufolge waren hunderttausende Menschen zeitweise ohne Strom. Zudem gab es mehrere Leichtverletzte und Schäden um die portugiesischen Städte Coimbra und Leiria. Zwölf Menschen auf Mallorca kostete der Sturm das Leben.

    Im Oktober 2017 traf der Sturm Ophelia mit Windgeschwindigkeiten von fast 160 km/h auf Irland. An der Westküste erreichten die anrollenden Nordatlantikwellen neun Meter Höhe, auf der Insel Fastnet Rock wurden Orkanböen von bis zu 191 Stundenkilometern gemessen. Drei Menschen kamen durch den Sturm ums Leben. 360.000 Haushalte waren vorübergehend ohne Strom, 20.000 auch ohne Leitungswasser. Bäume wurden entwurzelt und einige Dächer beschädigt. Auch Teile von Nordirland, Wales und Schottland wurden von Ophelia getroffen und waren zeitweise ohne Strom.

    Bekommt Europa eine eigene Hurrikansaison?

    Belege dafür, dass derartige Stürme häufiger auch in Europa auftreten werden, liefert nun eine internationale Arbeitsgruppe um Jan Altman von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften im Wissenschaftsjournal PNAS.

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    Auch Westeuropa könnte eine Hurrikansaison bekommen, schreibt das Online-Wissenschaftsmagazin Spektrum. Die Forscher haben festgestellt, dass Taifune im Pazifik seit den 1920er Jahren immer weiter nördlich auf Land treffen. Diese Erkenntnis entnehmen die Wissenschaftler einer Datenbank von Baumringen, die ein Gebiet von Südkorea bis zur russischen Ostküste überspannt. Anhand der Wachstumsmuster der Bäume konnten die Autoren bestimmen, wie häufig Bäume einer Region durch die starken Winde eines Sturms beschädigt wurden.

    Wärmeres Meerwasser begünstigt Wirbelstürme

    Das Team um Altman behauptet, dass eine ähnliche Entwicklung im Altantikraum zu sehen ist. Grund für diesen Trend sei nämlich ein globales Phänomen: Bereits 2006 stellten Forscher fest, dass sich die Tropen nach Norden und Süden ausdehnen. Somit erwärmt sich auch das Meerwasser. Wärmeres Wasser ist nötig, um tropische Wirbelstürme mit Energie zu versorgen.

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    Normalerweise sind die Hurrikane, die auf Europa treffen, stark abgeschwächt. Europa ist von kaltem Wasser umgeben, das jedem Hurrikan einen großen Teil seiner Kraft entzieht, bevor er sich den Küsten der gemäßigten Breiten nähert. Tropische Wirbelstürme brauchen Badewannentemperatur unter sich: Wärme und Verdunstung pumpen die Stürme mit Feuchtigkeit und potenzieller Energie voll und treiben sie auf diese Weise an.

    Durch den Klimawandel werden die Meere zusätzlich zur Ausdehnung der Tropen wärmer. Außerdem nehmen außergewöhnliche ozeanische Hitzewellen an Häufigkeit zu. Davon werden tropische Wirbelstürme mit Kurs auf Europa profitieren. Das behauptet nicht nur die Forschungsgruppe um Altman. Bereits im Jahr 2013 sagte ein Team vom Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut ein deutlich höheres Risiko von Stürmen in Hurrikanstärke voraus.

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    Tags:
    Wirbelsturm, Hurrikan, Klimawandel, Wetter, Europa