05:37 11 Dezember 2018
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    Wehrmacht-Soldaten bei einer Parade in Polen 1940

    Junge Union singt Wehrmachtslied zur Reichspogromnacht

    © Foto: Gemeinfrei
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    Marcel Joppa
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    Ausgerechnet am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht haben Mitglieder der Jungen Union am vergangenen Wochenende für einen Eklat gesorgt. Der JU-Landesverband Hessen stimmte in einer Berliner Kneipe ein ehemaliges Wehrmachtslied an. Gefilmt wurde die feucht-fröhliche Runde dabei von einer Jüdin.

    Mitglieder der Jungen Union aus Hessen haben in einer Berliner Kneipe für negatives Aufsehen gesorgt und einen Sturm der Entrüstung im Internet ausgelöst. Wie jetzt bekannt wurde, stimmte die Reisegruppe am vergangenen Freitag das einst bei der Wehrmacht beliebte „Westerwaldlied“ an. Und das nicht etwa zufällig, sondern völlig bewusst am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht.

    ​Bei den JU-Mitgliedern handelte es sich dem "Tagesspiegel" zufolge um Angehörige der Jungen Union aus Rheingau-Taunus und Limburg, die unter dem Motto "Berlin — Tag und Nacht: Politik, Party und Sightseeing" auf Berlin-Exkursion waren. Im Anschluss an ein Treffen mit dem JU-Bundesvorsitzenden Paul Ziemiak zog ein Teil der Gruppe demnach weiter in die Kneipe "Zur Quelle" in Berlin-Moabit.

    Sprechchöre und Pöbeleien

    Die übrigen Kneipenbesucher fühlten sich von dem lautstarken Verhalten der jungen CDUler gestört. Die Gruppe brüllte laut Augenzeugen immer wieder C-D-U und machte sich mehrfach über "Schwuchteln" lustig. Die zufällig anwesende jüdische Künstlerin Mia Linda Alvizuri Sommerfeld zückte ihr Handy und filmte das Ganze, wie sie dem Berliner "Tagesspiegel" hinterher berichtete.

    ​Als Reaktion auf den Protest der Anwesenden hätten die Mitglieder der Jungen Union mehrfach das "Westerwaldlied" angestimmt — eines der bekanntesten Lieder der deutschen Wehrmacht, das Soldaten während ihrer Einmärsche in Frankreich, Holland und Luxemburg gesungen hatten. Bis zum vergangenen Jahr fand sich der Liedtext noch in veralteten Liederbüchern der Bundeswehr, mittlerweile ist den Soldaten das Singen des „Westerwaldliedes“ untersagt.

    50 Prozent Politik, 50 Prozent Party…

    Nils Josef Hofmann, der Vorsitzende der JU Limburg, der im Video klar erkennbar ist, bestätigte dem "Tagesspiegel" seine Teilnahme an den Kneipengesängen. Die JU Limburg erklärte in einer schriftlichen Presseerklärung, man habe im Rahmen der Reise am Abend des 9. November — getreu dem Motto: 50 Prozent Politik, 50 Prozent Party — das bisher Erlebte Revue passieren lassen und in der besagten Kneipe "ausgelassen und stimmungsvoll getagt".

    Auch Klaus-Peter Willsch, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg, verteidigte den Parteinachwuchs. Auf seiner Facebook-Seite nannte er das Westerwaldlied am Dienstag "ein Volks- und Wanderlied", das weit über die Grenzen des Westerwaldes sehr beliebt sei. Willsch erklärte außerdem, er lasse es sich nicht nehmen, "das fröhliche und mitreißende Lied auch zukünftig bei Volks-, Grill- und sonstigen Festen kräftig mitzusingen oder gar anzustimmen".

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    Tags:
    Nazis, Juden, Reichsprogromnacht, Der Zweite Weltkrieg, Holocaust, Zweiter Weltkrieg, Junge Union, Wehrmacht, Adolf Hitler, Hessen, Berlin, Deutschland