10:04 14 Dezember 2018
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    Polizei nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus (Archiv)

    Nach Anschlag auf BVB-Bus: Muss Sergej W. lebenslang in Haft?

    © AP Photo / Martin Meissner
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    Marcel Joppa
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    Im Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft beantragt - wegen 28-fachem Mordversuch. Der Angeklagte selbst betont jedoch, er habe niemanden ernsthaft in Gefahr bringen wollen. Der in Russland geborene Deutsche hat laut eigenen Aussagen lediglich „Angst und Schrecken“ verbreiten wollen.

    Im Prozess um den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten Sergej W. beantragt. In dem Plädoyer vor dem Dortmunder Schwurgericht wertete ein Anklagevertreter das Attentat vom 11. April 2017 als vielfachen Mordversuch.

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    Keine absichtlichen Schäden?

    Sergej W. gibt zu, die drei Splitterbomben in einer Hecke versteckt und bei der Abfahrt des BVB-Mannschaftsbusses am Teamhotel gezündet zu haben. Er betont jedoch immer wieder, er habe bei der Konstruktion und beim Ausrichten der Sprengkörper bewusst dafür gesorgt, dass keine nennenswerten Schäden entstehen konnten. Um diese Behauptung zu überprüfen, musste zuletzt ein ballistisches Gutachten eingeholt werden.

    Bei der Explosion waren Metallsplitter in den Bus eingedrungen, der damals für Dortmund aktive Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Der Beamte hatte bei dem Attentat ein Knalltrauma erlitten und ist bisher arbeitsunfähig. Gutachter des Fraunhofer-Instituts halten die Sprengkraft der drei Bomben laut Untersuchung zwar für eher gering, aber jeder Stift war nach Ansicht der Experten eine potenziell tödliche Gefahr.

    Aus Habgier gehandelt…

    Zehn Tage nach dem Attentat wurde Sergej W. in Baden-Württemberg festgenommen, laut Ermittlern hat er aus Habgier gehandelt. In der Woche vor dem Anschlag hatte er für mehr als 26.000 Euro Optionsscheine gekauft, mit denen er an der Börse auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie spekulierte. Bei einem Kursverfall der BVB-Aktie auf einen Euro hätte der Gewinn laut Anklage etwa eine halbe Million Euro betragen. Tatsächlich soll der 28-Jährige an der Börse ein Plus von knapp 6.000 Euro erzielt haben.

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    Dass Sergey W. tatsächlich eine lebenslange Haftstrafe erhalten wird, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, gilt bei Prozessbeobachtern als durchaus wahrscheinlich.  Dennoch werden die Richter das Teilgeständnis des Angeklagten und auch seine Bereitschaft, Schmerzensgeld an den verletzten Motorrad-Polizisten zu zahlen, zu Gunsten des Angeklagten werten müssen. Das Urteil gegen Sergej W. will das Gericht Ende des Monats sprechen. Zuvor werden die beiden Verteidiger ihre Plädoyers halten.

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    Tags:
    Haft, Mannschaft, Fußball, Bombenanschlag, Deutschland