03:09 11 Dezember 2018
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    Kritisches Armutsniveau: 13 Millionen Italiener sparen an der Gesundheit – Studie

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    Laut einer Studie der Forschungsgruppe „Osservatorio donazione farmaci“ können sich immer mehr Italiener weder die notwendigen Medikamente noch die medizinische Behandlung leisten. Giancarlo Blangiardo, Professor von der Universität Milano-Bicocca, hat in einem Interview mit Sputnik die Lage im italienischen Gesundheitswesen kommentiert.

    Blangiardo vertritt unter anderem den Wissenschaftlichen Ausschuss der medizinische Stiftung „Banco Farmaceutico", die Spenden sammelt, um Medikamente an Menschen zu verteilen, die sie sich nicht leisten können.

    Die von der Stiftung Banco Farmaceutico und dem Beratungsunternehmen BFResearch unterstützte Studie, die in Rom präsentiert wurde, ergab unerfreuliche Erkenntnisse: Eine halbe Million Italiener sollen demnach in einer solchen Armut leben, dass sie sich Arzneien und ärztliche Untersuchungen nicht leisten könnten. Weitere 13 Millionen Menschen müssten sich Beschränkungen in diesem Bereich auferlegen. Die Ausgaben der ärmsten italienischen Haushalte im Bereich Gesundheitswesen würden lediglich 117 Euro pro Jahr betragen. 

    Professor Blangiardo stufte diese Lage als kritische Situation ein, in der unveräußerliche Menschenrechte beeinträchtigt würden, die mit der Gesundheit zu tun haben.
    Heutzutage sei es in Italien nicht nur für ältere Menschen oder Rentner problematisch, die nötige medizinische Behandlung zu bekommen, so Blangiardo. Es gebe auch die sogenannten „neuen Armen" wie kinderreiche Familien, Arbeitslose oder diejenigen, die Probleme hätten, die mit einer Ehescheidung oder mit der Vermögensaufteilung verbunden seien.

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    Das italienische Gesundheitswesen sei „im Vergleich zu anderen Ländern" zwar „nicht schlecht", so Blangiardo weiter. Allerdings müssten die Patienten eine Reihe medizinischer Untersuchungen und bestimmter Medikamente selbst bezahlen. Es gebe keine völlig kostenlose Arzneiversorgung in Italien, und bringe bestimmte Probleme mit sich.

    Sputnik wollte wissen, ob ein direkter Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre einerseits und dem Gesundheitszustand der Bürger und der Sterberate andererseits bestehe. Laut Blangiardo wurde dieser Zusammenhang offiziell nicht bewiesen. „Allerdings gibt es die Vermutung, dass ein derartiger Zusammenhang in Bezug auf die am stärksten angreifbaren Bevölkerungsschichten bestehen könnte", sagte er.

    „Entsprechend meiner Hypothese — ich hebe hervor, das ist bloß eine Hypothese — gibt es bestimmte Voraussetzungen: Die Höhepunkte bei der Entwicklung der Sterberate, die wir von 2015 bis 2017 beobachtet haben, haben vermutlich mit einer solchen angreifbaren Bevölkerungsschicht zu tun wie bejahrte Leute", äußerte er.

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    Wenn die Lage bei einer Wirtschaftskrise unsicher sei, würden ältere Menschen ihre Arztbesuche, medizinische Untersuchung und Behandlung verschieben. „Und im Endergebnis sind es gerade sie, die darunter leiden; manchmal, wenn die Bedingungen, insbesondere die Wetterbedingungen, äußerst ungünstig sind, kann sie das sogar ihr Leben kosten", sagte der Experte.

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    Tags:
    Ärzte, Gesundheitswesen, Italien